Lage der Kitas in Kita-Leitungen ist Sozialkompetenz wichtiger als Sprachförderung

Spielen und Lernen sind kein Widerspruch. Beides geht in der Kita Hand in Hand. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Laut einer neuen Umfrage gehört die Kooperation mit Grundschulen heute für die meisten Kitas in Baden-Württemberg dazu. Die Intensität ist aber sehr unterschiedlich.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Bildung beginnt lange vor dem ersten Schultag. Das ist in der Forschung schon lange Konsens. In der Praxis müssen die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zum Teil noch gezogen werden. Deshalb hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) mit einer Umfrage unter Kita-Leiterinnen den Übergang zwischen vorschulischen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen und der Grundschule ins Auge gefasst.

 

Kooperation mit Schulen ist für die allermeisten Kitas normal

Zu den wichtigsten Ergebnissen, die die Umfrage im Südwesten zutage gefördert hat, gehört, dass Kooperation zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen heute für die allermeisten Kitas Normalität, wenn auch nicht alltägliche Praxis geworden ist. 85 Prozent der Kitas im Land kooperieren der Studie zufolge mit mindestens einer Grundschule. Mehr als die Hälfte der Einrichtungen (52 Prozent) praktiziert die Zusammenarbeit sogar auf Grundlage einer schriftlichen Vereinbarung. Allerdings gibt es große Unterschiede in der Häufigkeit. Ebenfalls mehr als die Hälfte (54 Prozent) arbeitet im letzten, für den Übergang besonders wichtigen Kitajahr mindestens einmal im Monat oder häufiger mit einer Grundschule zusammen. 29 Prozent tun das alle zwei bis drei Monate, 16 Prozent ein- bis zweimal jährlich, knapp zwei Prozent seltener oder nie. Achtzig Prozent der Befragten Kita-Leitungen sagen aber auch, dass da mehr möglich wäre, wenn Zeit- und Personalmangel die Zusammenarbeit nicht behindern würden.

„Verlässliche Strukturen fehlen“

An dieser Stelle setzt die Kritik von VBE-Chef Gerhard Brand an. Kooperation scheitere nicht am Willen der Beteiligten. „Sie scheitert oft schlicht daran, dass im Arbeitsalltag verlässliche Strukturen fehlen“, betonte er. Gute Übergänge bräuchten Zeit, Personal und eine enge Abstimmung zwischen den Institutionen. Dafür aber fehlten strukturell überlasteten Kita-Leitungen, die mit Personalnot zu kämpfen hätten und denen die Zeit für Leitungsaufgaben fehle, die Möglichkeiten. „Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist ein zentraler Baustein für Bildungsgerechtigkeit – doch ersteht auf wackeligen Beinen“, erklärte Brand bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Untersuchung in Stuttgart.

Ein kritisches Schlaglicht wirft die Kita-Umfrage darauf, dass die grün-schwarze Koalition bei der jüngsten Offensive zur frühkindlichen Bildung die Sprachkompetenzen in den Mittelpunkt stellt. Befragt, was die Kita-Leiter im letzten Kita-Jahr für die wichtigsten Förderthemen halten, nannten 47 Prozent die sozial-emotionalen Kompetenzen wie Kooperationsfähigkeit, Konfliktlösung,Selbstregulation und Empathie. Sprachliche Bildung landete mit 31 Prozent auf dem zweiten Platz.

Größter Förderbedarf: soziale Fähigkeiten

„Kleinkinder müssen vor allem die Fähigkeit entwickeln, Beziehungen zu gestalten und sich in neuen Situationen zurechtzufinden“, erklärt Brand. Genau da hätten aber immer mehr Kinder große Schwierigkeiten. „Aus Sicht der Praxis fokussiert Sprachfit zu einseitig auf die Förderung sprachlicher Kompetenzen, während der sozial-emotionale Bereich erst spät gefördert wird.“ Befragt wurden laut Angaben des VBE in Baden-Württemberg 1035 Kita-Leitungen; die Studie wurde unter Leitung der Hochschule Koblenz durchgeführt.

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