Lamm in Herrenberg Traditionslokal neu herausgeputzt
Ein neuer Pächter hat sich nicht gefunden, nun haben die Besitzer die Gaststube selbst übernommen. Vor einer Woche haben sie Eröffnung gefeiert, mit alter Tradition und neuem Gewand.
Ein neuer Pächter hat sich nicht gefunden, nun haben die Besitzer die Gaststube selbst übernommen. Vor einer Woche haben sie Eröffnung gefeiert, mit alter Tradition und neuem Gewand.
Die Gaststube Lamm an der Schulstraße, sie ist eine Institution in der Herrenberger Altstadt. Zuletzt hatte das Ehepaar Mezger 19 Jahre lang das Wirtshaus gepachtet und war mit seiner gutbürgerlichen Küche so beliebt, dass sich anstrengen musste, wer einen Platz in der gemütlichen Fachwerk-Stube ergattern wollte. Viele Stammgäste hatten am Silvestertag emotional Abschied genommen von dem, was mancher von ihnen als zweites Zuhause bezeichnet hatte.
Danach folgten acht Monate Pause in der Gaststube, die 1827 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Verpächter Peter und Beate Holz, die den benachbarten Weinladen Alte Brennerei führen, hatten erst nach einem Nachfolger gesucht, die Idee aber schnell fallen lassen und sich entschieden, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Denn beim Verpachten gebe man aus der Hand, was mit den Räumen passiert, sagt Peter Holz, und ihr Wunsch sei es, in dem denkmalgeschützten Gebäude von 1635 die Tradition zu wahren.
Die ist dem Ehepaar auch deshalb so wichtig, weil Peter Holz’ Großeltern Hugo und Maria Holz das Lamm 1927 gekauft und bis 1980 betrieben hatten. Holz’ Oma führte die Gaststube und war die Seele hinter dem Ausschank. Warmes Essen gab es keines, nur Vesper. Peter Holz erinnert sich, wie er als Kind ab und an aushalf und den Handwerkern, die mittags dort ihr Bier tranken oder sich abends zum Stammtisch trafen, ihr Getränk brachte.
„Wir sind sehr stolz auf dieses Vermächtnis und dass wir die Tradition fortführen können“, sagt Beate Holz. Das Lamm solle wieder ein Treffpunkt werden, ein geselliger Ort, an dem Menschen sich begegnen. Dabei denken die beiden über das Lokal hinaus: „Wir möchten Leben in die Stadt und in die Schulstraße bringen.“ Ein gutes Miteinander mit den anderen Ladeninhabern der Straße – etwa der Fromagerie, dem Café Làlà oder dem Kunst-Start-up gegenüber – liegt den Holzens dabei am Herzen. Es sei schön, wenn die Außenbewirtschaftung als großes Ganzes gesehen werde. „Gäste dürfen sich auch mit einem Käseteller von der Fromagerie zu uns setzen, das macht uns nichts aus“, sagt Peter Holz. „Wir wollen eine gute Atmosphäre schaffen, dass die Leute gerne in die Innenstadt kommen.“
Den Charme der alten Gaststube wollte das Ehepaar unbedingt erhalten. Wochenlang schliffen sie nach Feierabend Böden, Tische, Stühle und Türen ab, lackierten alles neu und ergänzten den Raum mit dezenten Lichtspots und neuen Hochstühlen. Auch optisch ist die Gaststube das, was sie sein soll: Eine Verbindung aus Alt und Neu. „Wir haben das Bestehende erhalten und modernisiert“, sagt Peter Holz. „Alles ist so wie früher, aber anders.“ Ebenso aufgehübscht wird gerade das goldene Lamm, das den Gästen seit Jahrzehnten den Weg ins Lokal zeigte. Bald wird es frisch vergoldet wieder an die Schulstraße 3 angeschraubt.
Und auch die Karte ist zur alten Tradition zurückgekehrt: „Bei der Oma hat es Vesper gegeben, bei uns auch wieder“, sagt Peter Holz. Es gibt kleine Snacks, Suppen oder Weißwurstfrühstück , ansonsten dreht sich alles um den flüssigen Genuss.
Vor einer Woche wurde im alten neuen Lamm offiziell Eröffnung gefeiert, fortan wird immer freitags von 17 bis 23 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet sein; für private Feiern kann die Gaststube auch an anderen Tagen gebucht werden. „So fangen wir mal an, dann sehen wir, was sich ergibt“, sagt Peter Holz. Wenn sich mehr Personal finde, werde gerne zusätzlich donnerstags geöffnet.