Landärzte werden knapp Hausarztassistent soll in Mundelsheim ärztliche Versorgung sichern

Die medizinische Versorgung auf dem Land droht schlechter zu werden. Viele Ärzte gehen in den nächsten Jahren in Rente. Foto: dpa/Benjamin Ulmer

Der Gemeinderat von Mundelsheim (Kreis Ludwigsburg) beschließt, die Ausbildung einer Hausarztassistentin mit 25 000 Euro zu unterstützen. Damit leistet die Kommune Pionierarbeit im Landkreis.

Die ärztliche Versorgung in Mundelsheim mit seinen rund 3400 Einwohnern ist mit zwei Hausärzten vor Ort und einem weiteren in Hessigheim derzeit gut. Allerdings droht diese in einigen Jahren schlechter zu werden, denn zwei der Mediziner haben bereits das 60. Lebensjahr erreicht. Um auf einen möglichen Notstand vorbereitet zu sein, war Patrick Delhey, Inhaber einer Praxis für Allgemeinmedizin in Mundelsheim, an Bürgermeister Boris Seitz herangetreten und hatte ihm einen Lösungsvorschlag unterbreitet. Der wurde nun im Gemeinderat öffentlich diskutiert.

 

Der Arzt erklärte, dass potenzielle Nachfolger für Praxisinhaber, die in Pension gehen würden, schwer zu finden seien. Auch das Projekt „Landarztförderung“ des Sozialministeriums gebe wenig Anlass zur Hoffnung, da die Kriterien und der Zeitfaktor sehr unklar seien. Delhey setzt vielmehr auf das Konzept „Häppi“ des Hausarztverbandes, mit dem ein rechtlicher Rahmen für Hausarztassistenten (so genannte Physican Assistants, PA) geschaffen werden soll.

Entlastung für Ärzte

Sie durchlaufen einen dreijährigen Bachelor-Studiengang und sollen dann Hausärzte in vielen Bereichen entlasten. Unter anderem könnten solche Assistenten – zum Teil unter Aufsicht – Wunden versorgen, Ultraschalluntersuchungen durchführen, Akutsprechstunden übernehmen oder Reha-Anträge ausfüllen helfen. Delhey erklärte, eine Interessentin arbeite bereits bei ihm in der Praxis, nach einer weiteren sei er auf der Suche. Das Anliegen des Mundelsheimer Arztes war, von der Gemeinde eine finanzielle Unterstützung für den Bachelor-Studiengang in Höhe von 25 000 Euro pro Hausarztassistentin zu erhalten.

Der Mundelsheimer Bürgermeister Boris Seitz unterstützt das Vorhaben. Foto: Avanti/Avanti

Bürgermeister Boris Seitz erklärte, er habe den Vorschlag von der Kommunalaufsicht prüfen lassen. Die habe ihm mitgeteilt, eine solche finanzielle Förderung verstoße nicht gegen geltendes Recht. Es handle sich jedoch um eine freiwillige Leistung der Gemeinde, die sie auch finanzieren müsse. „Da schlagen ein Stück weit zwei Herzen in meiner Brust“, so Seitz. Einerseits sei eine solche Förderung nicht Aufgabe der Gemeinde. Andererseits sehe er sich als Bürgermeister auch in der Pflicht, die ärztliche Versorgung vor Ort sicherzustellen. „Und Gemeinden beteiligen sich ja immer häufiger an Dingen, für die sie eigentlich nicht zuständig sind.“

Nach einer kurzen Diskussion bewilligte der Gemeinderat einstimmig 25 000 Euro im Haushaltsjahr 2025 – allerdings nur für eine Assistentenstelle. „Wir stellen damit die ärztliche Versorgung zumindest deutlich schneller sicher, als wenn wir zwölf bis 15 Jahre warten, bis ein neuer Hausarzt ausgebildet ist“, meinte Seitz.

Ärztehaus wird zurückgestellt

Zudem leiste die Gemeinde ein Stück weit Pionierarbeit in Sachen ärztlicher Versorgung kleinerer Kommunen im Landkreis Ludwigsburg. Laut Kommunalaufsicht sei Mundelsheim die einzige Gemeinde im Kreis, die diesen Weg nun ausprobiere. Ein neues Ärztehaus sei zwar auch immer noch Thema in der Gemeinde, müsse wegen der begrenzten finanziellen Mittel allerdings noch einige Zeit zurückgestellt werden.

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