Landesbank denkt um LBBW vergibt mehr Kredite an Firmenkunden

Von und Sabine Marquard 

Die Landesbank Baden-Württemberg ist ein wichtiger Geldgeber der deutschen Autoindustrie. Doch die LBBW steuert um und will künftig verstärkt mit anderen Branchen wachsen.

Die Landesbank Baden-Württemberg: Von 700 Führungskräften waren Ende  vergangenen Jahres 19,3 Prozent weiblich. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Die Landesbank Baden-Württemberg: Von 700 Führungskräften waren Ende vergangenen Jahres 19,3 Prozent weiblich. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Stuttgart - Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat im vergangenen Jahr mehr Kredite an Firmenkunden vergeben, gleichzeitig hat die Bank den traditionell hohen Anteil der Kredite an die Autobranche weiter zurückgefahren. Der Anteil der Automobilindustrie am Kreditvolumen betrage jetzt 15 Prozent, sagte LBBW-Chef Rainer Neske bei einem Gespräch mit Journalisten. Ende 2018 lag der Anteil noch bei 17 Prozent. Man wolle gleichzeitig das Kreditgeschäft in den drei Branchen Versorger und Energie, Pharma und Gesundheitswesen sowie Telekommunikation und IT weiter ausbauen. Das größte Gewicht im Kreditportfolio der Bank habe derzeit mit 16 Prozent der Bereich Handel und Konsumgüter. Insgesamt seien die Kredite an Firmenkunden im vergangenen Jahr von rund 77 auf 82 Milliarden Euro angewachsen.

Hintergrund der Anpassung des Kreditportfolios sind der Technologiewandel, die nachlassende Konjunktur und die Klimathemen. Man gehe aber behutsam vor. „Viele Kunden, die wir durchaus kritisch sehen, sind in einem erheblichen Umbau, und gerade dann brauchen sie einen verlässlichen Finanzierungspartner“, sagte Neske. „Wir ziehen keinen Stecker.“ Im Moment sehe er keine dramatische Veränderung der Risikovorsorge der Bank. „Ich erwarte das auch noch nicht 2020.“ Zur Begründung erklärte der LBBW-Chef, dass „die Unternehmen in den letzten acht bis neun Jahren erheblich an Solidität gewonnen haben“, etwa durch den Aufbau dicker Eigenkapitalpolster. „Für drei bis vier Jahre hält das.“

Mehr Frauen in Führungspositionen

Auf dem Gebiet der Digitalisierung hat die LBBW nach Einschätzung von Neske Fortschritte erzielt. Insgesamt sei die Bank hier gut vorangekommen. Noch nicht zufrieden zeigte er sich mit der Digitalisierung nach innen: „Unser Automatisierungsgrad und unsere Verschlankung ist noch nicht da, wo wir hinmüssen.“

2020 und 2021 werde das stärker in den Fokus rücken müssen. Neske nannte als Beispiel eine Kontoeröffnung. Mit der App auf dem Smartphone gelinge das „super“. Aber in der Filiale dauere die Kontoeröffnung zu lange, es sei zu viel Papier nötig, und bis das Konto genutzt werden könne, vergehe zu viel Zeit. Nachholbedarf hat die Landesbank auch bei Frauen in Führungspositionen. Von 700 Führungskräften waren Ende vergangenen Jahres 19,3 Prozent weiblich. (2018: 18,7 Prozent). An der Führungsspitze befindet sich unter den sechs Vorständen keine Frau. Auch künftig nicht. Dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Michael Horn, der im Sommer in den Ruhestand wechselt, folgt perspektivisch Andreas Götz, Chef der Kreissparkasse Ostalb, nach.

Unter den 52 Managern auf der zweiten Führungsebene der Bank sind derzeit neun Frauen. Die Bank weist daraufhin, dass im vergangenen Jahr bei drei von sieben Neubesetzungen Frauen zum Zuge kamen und zwar in den wichtigen Ressorts Compliance, Finanzen und Kapitalmarktgeschäft. Die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern gibt Neske als Ziel aus. Für ein modernes Unternehmen „ist es absolut notwendig sich da zu bewegen“, sagte der LBBW-Chef, „aber es muss alles zusammenpassen.“

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