Landesbibliothek Stuttgart Es droht eine weitere Hängepartie

Von Wenke Böhm 

Die Württembergische Landesbibliothek sah sich schon auf der sicheren Seite. Der Bau der dringend benötigten Erweiterung sollte im Frühjahr 2015 beginnen. Doch jetzt könnte alles anders kommen.

Platz für die Bücher: Direktor Hannsjörg Kowark dringt darauf, dass der Neubau der Landesbibliothek von  Frühjahr 2015 an gebaut werden kann. Foto: Martin Stollberg
Platz für die Bücher: Direktor Hannsjörg Kowark dringt darauf, dass der Neubau der Landesbibliothek von Frühjahr 2015 an gebaut werden kann. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Es ist ein Wechselbad der Gefühle für Hannsjörg Kowark, Direktor der Landesbibliothek. Noch in der druckfrischen Ausgabe des „WLB-Forum“ verkündet er den Lesern seine „erfreuliche Botschaft“: Nach langem Kampf stünden die 52 Millionen für den Erweiterungsbau der Württembergischen Landesbibliothek (WLB) endlich bereit, und die Bauunterlage habe grünes Licht vom Finanzministerium bekommen. Erleichterung und Freude sprechen aus den Zeilen. Doch das war womöglich verfrüht.

Inzwischen sieht Kowark eine weitere Verzögerung von rund einem Jahr auf sich zukommen. Grund wäre diesmal nicht das Geld, sondern der Landtag – genauer gesagt dessen Pläne für ein neues Besucher- und Medienzentrum. Mit der Realisierung soll zur selben Zeit begonnen werden wie mit dem Erweiterungsbau der WLB: im Frühjahr 2015. Aber das geht nicht. Bei zwei benachbarten Baustellen, bei denen das Grundwasser aus der Baugrube abgepumpt werden soll, zieht das Amt für Umweltschutz die Reißleine. Grund: der Wasserspiegel darf nicht zu weit absinken.

Angst vor einer rein politischen Entscheidung

„Dass der Landtag den Bau zeitgleich plant, haben wir durch die Architekten erfahren“, sagt Kowark. Jetzt werde wohl entschieden, welches Projekt eine höhere Priorität bekomme. Gute Chancen rechnet sich der Bibliotheksdirektor im Wettstreit um den Baustart nicht aus. „Ich habe große Sorge, dass der Landtag das Rennen machen wird – weil es eine politische Entscheidung ist.“

Seit Jahren arbeitet Kowark auf die dringende Erweiterung hin. Eigentlich war die Eröffnung des Neubaus zunächst für 2015 anvisiert, inzwischen ist jedoch von Ende 2017 die Rede. Das bedeutet zwei weitere Jahre, in denen die Bibliothek den stetig wachsenden Bestand hin- und herschichten muss, um überhaupt mit den viel zu kleinen Räumen auszukommen. Da schmerzt jeder weitere Monat.

Der Direktor sieht das Ende der Fahnenstange erreicht

Baue nun zuerst der Landtag, könne an der WLB erst im darauffolgenden Frühjahr begonnen werden. Wäre Kowark ein Choleriker, würde er deswegen vielleicht aus der Haut fahren. Aber so schüttelt er nur den Kopf und sagt: „Wir sind am Ende. Wir sind wirklich am Ende.“

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