Landesdatenschutzbeauftragter Twitter-Handle von Stefan Brink gekapert

Stefan Brink ist der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg. Foto: dpa/Marijan Murat
Stefan Brink ist der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg. Foto: dpa/Marijan Murat

Ende Januar hatte sich Baden-Württembergs Landesdatenschutzbeauftragter Stefan Brink von Twitter verabschiedet – aus Datenschutzgründen. Doch jetzt wird unter seinem Namen wieder gewittert. Was steckt dahinter?

Politik: Siri Warrlich (swa)
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Stuttgart - Das Twitter-Handle des Landesdatenschutzbeauftragten Stefan Brink ist gekapert worden. Am Montagvormittag wurde unter dem Namen @lfdi_bw wieder getwittert – obwohl Brink die Plattform Ende Januar offiziell verlassen hatte. Der Name eines Accounts wird auf Twitter als Handle bezeichnet.

Löscht ein Nutzer seinen Account, wird das Handle von Twitter nach einiger Zeit wieder frei gegeben. Dann besteht die Möglichkeit, dass andere Nutzer unter dem alten Handle einen neuen Account anlegen. Auf diese Schwachstelle wollte die Person, die Brinks altes Twitter-Handle übernommen hat, offenbar mit einem Augenzwinkern hinweisen.

Neues Profilfoto: Brink mit Sonnenbrille

In seinem ersten Tweet am Montagvormittag schrieb der neue Nutzer: „Medienkompetenztipp: Wenn Du einen Twitter-Account von öffentlichem Interesse betreibst und dann aufgibst, denk daran, dein Handle weiter zu blockieren, damit er nicht übernommen wird“.

Das Profilfoto des neuen Accounts zeigt Brink – allerdings mit einer schwarzen Sonnenbrille im Gesicht, die dem Foto offensichtlich im Nachhinein verpasst wurde.

Welche anderen Optionen es gegeben hätte

Von technischer Seite her hätte es für Brink durchaus die Möglichkeit gegeben, eine Handle-Übernahme zu verhindern. Brink hätte seinen Account „schützen“ lassen können und als inaktiven Account weiterlaufen lassen können. Twitter bietet die Option eines „geschützten“ Accounts an. In dem Fall bekommt ein Account ein Schlösschen-Symbol und ist nicht mehr öffentlich einsehbar.

Allerdings werden von Twitter in diesem Fall trotzdem weiter Daten verarbeitet – zum Beispiel wird registriert, wenn ein anderer Nutzer einen „geschützten“ Account besucht. Genau solche Datenspuren, die Nutzer hinterlassen und die von Twitter verarbeitet werden, sieht Brink kritisch. Deshalb hat er sich wohl bewusst dagegen entschieden, den Account geschützt und inaktiv weiterzuführen – so spekulieren zumindest einige Nutzer auf Twitter. Brink selbst war für eine Stellungnahme am Montag nicht zu erreichen.

Lesen Sie hier: Interview mit Stefan Brink zu Twitter

Auch AKKs Handle wurde gekapert

Brink ist nicht die erste Person öffentlichen Interesses, deren altes Handle gekapert wird. So erging es zum Beispiel auch Annegret Kramp-Karrenbauer Anfang 2019. Die CDU-Vorsitzende hatte zunächst unter dem relativ komplizierten Handle @_A_K_K_ getwittert, dann aber zu dem einfacheren Namen @akk gewechselt.

Ein Journalist übernahm daraufhin Medienberichten zufolge Kramp-Karrenbauers altes Handle und machte sich in einer Reihe von Tweets über ihre mangelnde Digitalkompetenz lustig. Unterzeichnet waren die Botschaften mit „Nicht Annegret“.

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Digitalberater: Brink „wird vorgeführt“

Der Politik- und Digitalberater Martin Fuchs ist der Ansicht, dass der baden-württembergische Landesdatenschutzbeauftragte sich schlauer hätte verhalten können. Brink hätte seinen geschützten Account beispielsweise dem Bundesdatenschutzbeauftragten oder einer anderen geeigneten Stelle übertragen können, so Fuchs.

Nun sei für Brink jedenfalls eine Konsequenz eingetreten, die wohl noch schlechter sei, als den Account inaktiv weiterzuführen: „Er wird vorgeführt und seine Meinung kommt womöglich falsch rüber. Das ist in Zeiten, in denen manche Bürger ohnehin verunsichert sind, was sie im Netz glauben können und was nicht, natürlich nicht gut“, sagt Martin Fuchs.

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