Landeserstaufnahmestelle für Geflüchtete in Ludwigsburg Initiative fordert: Alle Leas abschaffen

Ludwigsburg will eine Lea bauen, eine Landeserstaufnahmestelle für Geflüchtete. Viele Bürger sind dagegen und haben Mitte Juni auch dagegen protestiert. Foto: Bürgerinitiative

Der nigerianische Aktivist Rex Osa kämpft seit Jahren gegen Landesaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge. Jetzt war er zu Gast in Asperg (Kreis Ludwigsburg).

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)

Rund zwei Dutzend Frauen und Männer sind am Montagabend zu der Veranstaltung des Vereins „Asperg Anders“ und des Demokratischen Zentrums Ludwigsburg nach Asperg gekommen – und sie sind sich weitgehend einig: alle Leas gehören abgeschafft, die Unterbringung von Flüchtlingen muss verbessert werden. Lea steht für Landeserstaufnahmeeinrichtung.

 

Die Veranstalter haben den aus Nigeria stammenden Aktivisten Rex Osa eingeladen, der vor knapp 20 Jahren aus seinem Heimatland geflogen ist, seither in Deutschland wohnt und weiß, was es bedeutet in einer Lea zu leben, dort leben zu müssen: Osa spricht von permanenten Ängsten, denn viele der Frauen, Männer und Kinder befürchteten, jederzeit wieder in ihr Herkunftsland abgeschoben zu werden. Der Moderator der Veranstaltung, Steffen Haag, sagt, „Asperg Anders“ und das Demokratische Zentrum wollten mit Blick auf die bei Asperg geplante Lea die Diskussion erweitern, denn bislang fehle „die Perspektive von Geflüchteten“. Es würden alle möglichen Gründe genannt, warum die Lea an diesem Ort keinesfalls gebaut werden dürfe.

Um geflüchtete Menschen, die Schutz suchen, gehe es in der Debatte leider so gut wie nie. In Ludwigsburg, unmittelbar hinter der Asperger Markungsgrenze, soll nach den Vorstellungen der Landesregierung eine weitere Aufnahmeeinrichtung entstehen. Gegen das Vorhaben protestieren viele Menschen, auch die Bürgermeister von Asperg und dem Nachbarort Tamm, Christian Eiberger und Martin Bernhard, wollen verhindern, dass die Lea gebaut wird, in der bis zu 1200 Menschen unterkommen sollen. Die beiden Rathauschefs zählen in einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann die infrastrukturellen, ökologischen und gesellschaftlichen Gründe auf, deretwegen sie, ihre Gemeinderäte und ihre Bürgerinnen und Bürger eine Landeserstaufnahmestelle an dem Ludwigsburger Standort ablehnen – „auch wenn unsere Städte formal nicht darüber entscheiden können“.

Rex Osa berichtet über das Leben in einer Lea

An dem Abend in Asperg sagt Rex Osa, das Wort Lea beschönige die Lage, man müsse von „Lagern“ sprechen. Das mitunter viele Monate lange Leben in diesen „Lagern“ mache die Menschen krank, traumatisierte beziehungsweise retraumatisiere sie, sagt der Mann vom Verein Refugees4Refugees (Flüchtlinge für Flüchtlinge) aus Stuttgart. Die Menschen in diesen Einrichtungen lebten isoliert von der Gesellschaft, als „Menschen zweiter Klasse“ und würden schikaniert. Flüchtlinge, die geduldet seien und arbeiten dürften, würden mitunter von den Arbeitgebern ausgebeutet. Osa spricht sogar von „Sklaverei“.

Und was schlägt er vor? Welche Alternativen gibt es? Schwierig, antwortet Osa. Er fordert eine schnelle Registrierung der Menschen, die in Deutschland ankommen, „kleinere Einheiten“ und mindestens zwei Jahre Ruhe für sie, sprich keine Abschiebungen. Wenn Flüchtlinge wüssten, dass sie erstmal nichts zu befürchten hätten, dann könnten sie sich „stabilisieren“, in Ruhe die Sprache lernen, eine Ausbildung machen oder arbeiten. Ein Zuhörer sagt gegen Ende der eineinhalbstündigen Veranstaltung, er habe die Lösung: Alle Flüchtlinge sollten behandelt werden, wie die Menschen, die seit dem Frühjahr 2022 wegen des russischen Angriffskriegs aus der Ukraine nach Deutschland kommen, keiner dieser Flüchtlinge müsse in einer Lea leben. Wenn die Landesregierung Geld bereit stellen wolle, gerne, dann sollte sie doch bitte statt einer weiteren Lea bei Asperg Wohnungen bauen, „Wohnungen für alle“. Applaus im Raum. Ende einer Diskussion unter Gleichgesinnten.

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