Landeserstaufnahmestelle in Ellwangen Winterruhe in der Kaserne

In der Kleiderkammer der LEA Ellwangen sortieren ehrenamtliche Mitarbeiterinnen alle Kleiderspenden sorgsam nach Größe und Geschlecht vor. Foto: Bäßler
In der Kleiderkammer der LEA Ellwangen sortieren ehrenamtliche Mitarbeiterinnen alle Kleiderspenden sorgsam nach Größe und Geschlecht vor. Foto: Bäßler

In der Reinhardt-Kaserne in Ellwangen – einer Landeserstaufnahme für Flüchtlinge – scheinen wieder geordnete Verhältnisse zu herrschen.

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Ellwangen - Die bedrohlichen Zustände vom vergangenen Herbst in der Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Ellwangen (Ostalbkreis) scheinen der Vergangenheit anzugehören. Das berichteten am Dienstag vor Ort ehrenamtliche Helfer aus den Reihen der Malteser und der katholischen „Aktion Hoffnung“, ebenso ein Vertreter des Sozialdienstleisters European Homecare (EHC). Der Stadtbeauftragte der Malteser Aalen, Bernd Schiele, sagte: „Wir haben hier, anders als man es manchmal liest, eine extrem hohe Motivation.“ Den vielen ehrenamtlichen Helfern sei „die Politik letztendlich egal“.

Noch am 18. September vergangenen Jahres klang das ganz anders. In einem gemeinsam verfassten Brief erhoben die wesentlichen in Ellwangen tätigen Hilfsorganisationen schwere Vorwürfe gegen das Land. Funktionäre des Deutschen Roten Kreuzes, der Caritas, der Malteser und des Sozialdienstleisters European Homecare warnten, dass „die Lage vor Ort stündlich zu eskalieren droht“. Brandwachen fehlten, so wurde beklagt, der Sicherheitsdienst sei ständig unterbesetzt und darüber hinaus überfordert. In einer Turnhalle, so hieß es, gebe es für 350 Menschen lediglich eine einzige Toilette, bei der Essensausgabe entstünden mehrmals täglich Wartezeiten bis zu zwei Stunden.

Die Aufregung war riesengroß

Auch der Ellwanger Gemeinderat hatte sich tief besorgt gezeigt; der parteilose Oberbürgermeister Karl Hilsenbek forderte in einer Mail an den Regierungschef Winfried Kretschmann die sofortige Verlegung mehrerer hundert Menschen aus Ellwangen in andere Flüchtlingsunterkünfte. Das zuständige Regierungspräsidium reagierte umgehend.

Gut vier Monate später ist bei vielen Ehrenamtlichen von der Anspannung in der LEA nichts mehr zu spüren. Die Belegung ist vom Spätsommer 2015, als sich in der Spitze 4500 Menschen auf dem Areal der früheren Reinhardt-Kaserne vor dem Toren der Stadt drängten, auf zuletzt im Schnitt 1400 bis 1500 gesunken. Es sei bei der Betreuung der Flüchtlinge und der Ausstattung der Helfer jetzt „Zug drin“, sagte am Dienstag Andreas Stark, der örtliche Leiter des Dienstleisters EHC. Anliegen und Wünsche an die Vorort-Vertretung des Regierungspräsidiums würden unbürokratisch behandelt werden, berichtet Stark, der 80 EHC-Mitarbeiter anleitet. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes seien interkulturell und sprachlich geschult, ihre Zahl außerdem spürbar erhöht worden. So könne besser deeskaliert werden.

Abgeordnete schalteten sich ein

Zusammenstöße zwischen Bewohnern haben wiederholt Schlagzeilen gemacht. Zuletzt sind zu Jahresbeginn etwa 50 Flüchtlinge mit Metallstangen und Feuerlöschern aufeinander los gegangen. Die Kontrahenten stammten nach Polizeiangaben aus Pakistan und Algerien, 30 Beamte waren im Einsatz. Seitdem ist es auf dem Kasernenareal jedoch offenbar ruhig geblieben. „Die Missstände sind abgestellt“, konstatierte der Malteser-Regionalchef Bernd Schiele, die „logistische Überforderung“ sei Vergangenheit. Nicht zuletzt hätten die regionalen Landtags- und Bundestagsabgeordneten in Ostwürttemberg nach Bekanntwerden des Brandbriefes viel Unterstützung geleistet.

„Vielleicht war dieses Schreiben auch ein positiver Befreiungsschlag“. Was das Verhalten der Flüchtlinge selber in den vergangenen Monaten anbelangt, konnte Schiele nur Positives berichten. „Uns wird höflich und hilfsbereit begegnet.“ Auch die vielen ehrenamtlichen Helferinnen in den Reihen der Malteser seien nie bedrängt oder belästigt worden. „Uns wurde nie etwas zugetragen, dass es zu irgend etwas gekommen ist.“

Helfer loben die Spendenbereitschaft

Anton Vaas, der Geschäftsführer der Aktion Hoffnung, die innerhalb der Diözese Rottenburg-Stuttgart Kleidersammlungen organisiert, berichtete, wie in Ellwangen eine große ehemalige Fahrzeughalle nach und nach für die Lagerung und Sortierung gespendeter Kleidung und Schuhe ausgerüstet werden konnte. Zwischen dem 9. und 13. November 2015 hat die Hilfsorganisation 55 Tonnen an gut erhaltener Winterkleidung gesammelt, professionell sortiert und gebrauchsfertig an die Landeserstaufnahmestellen in Ellwangen und Meßstetten ausgeliefert. So hätten speziell kleinere und mittlere Männergrößen noch rechtzeitig beschafft werden können, sagte Vaas. „Wir haben eine enorme Spendenbereitschaft erlebt.“

Die Frage, ob in Deutschland etwa die Stimmung gegen Flüchtlinge zu kippen beginne, verneinten aus ihrer Sicht sowohl Vaas als auch Schiele. Der Fluss der Sachspenden sei weiterhin erfreulich hoch, ebenso die Zahl der Ehrenamtlichen, die sich für eine Mitarbeit meldeten. So sei man auch für die nähere Zukunft gerüstet. Für das kommende Frühjahr rechnen die Helfer in Ellwangen wieder mit steigenden Belegungszahlen.

Unsere Empfehlung für Sie