Landesfirma Neckarpri zieht Bilanz EnBW fast wieder so viel wie beim Kauf wert

Der EnBW-Deal von Stefan Mappus war Ende 2010 ein Paukenschlag. Foto: dpa/Ronald Wittek

Fast die Hälfte seines Wertes hatte das EnBW-Aktienpaket des Landes eingebüßt. Doch seit drei Jahren geht es aufwärts: Aktuell liegen die Anteile nur noch geringfügig unter dem Kaufpreis von gut fünf Milliarden Euro.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Der EnBW-Deal von Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) wird für das Land Baden-Württemberg immer weniger zum Minusgeschäft. Neun Jahre nach dem Rückkauf vom französischen Staatskonzern Electricité de France (EdF) hat das Aktienpaket von knapp 47 Prozent wieder fast jenen Wert erreicht, den Mappus einst bezahlt hat. Das geht aus dem jetzt im Internet veröffentlichten Jahresabschluss der Landesfirma Neckarpri hervor, die die Anteile des Landes hält. Den Wert der Aktien des Karlsruher Energiekonzerns bezifferten Wirtschaftsprüfer danach zur Jahresmitte auf 5,02 Milliarden Euro. Dies sind nur noch 229 Millionen Euro weniger, als das Land einst dafür ausgab.

 

Damit setzt sich die 2017 erstmals beobachtete Trendwende bei der Wertentwicklung bereits im dritten Jahr fort. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima und dem deutschen Atomausstieg hatte das EnBW-Paket in der Spitze fast die Hälfte seines Wertes verloren, also fast 2,6 Milliarden Euro. Seither reduzierte sich dieser Betrag über 1,75 Milliarden Euro im Jahr 2017 und 1,09 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf jetzt 229 Millionen Euro; gegenüber dem Vorjahr stieg der Wert der Unternehmensanteile also nochmals um 861 Millionen Euro.

Lob für erfolgreiche EnBW-Strategie

Als Grund für die anhaltend gute Entwicklung wird im Jahresabschluss die „erfolgreiche Umsetzung der EnBW-Strategie“ genannt. Der EnBW-Chef Frank Mastiaux hatte im Jahr 2012 angekündigt, den Konzern durch einen grundlegenden Umbau bis zum Jahr 2020 wieder zur alten Stärke zurückzuführen. Sein Finanzvorstand hatte kürzlich signalisiert, dass sich dieses Ziel womöglich schon 2019 erreichen lasse. Positive Effekte hätten sich auch aus der Entwicklung der Kapitalkosten ergeben, heißt es im Abschluss. Die deutlich gestiegene Nettoverschuldung der EnBW und die Nachteile des Zinstiefs für Pensions- und Atomrücklagen seien demgegenüber weniger ins Gewicht gefallen.

Trotz der Trendwende geht die Rechnung von Mappus, die Zinsen für die Finanzierung des EnBW-Deals aus der Dividende zu bezahlen, weiterhin nicht auf. Durch die von 50 auf 65 Cent erhöhte Dividende stieg der Ertrag zwar auf 84 Millionen Euro. Die Zinsaufwendungen lagen mit 93,2 Millionen aber immer noch darüber. Damit kommt die Neckarpri auf einen Fehlbetrag von 9,8 Millionen Euro, gegenüber 29,5 Millionen Euro im Vorjahr. Durch einen Zuschuss des Landes von 17 Millionen Euro wurde der Fehlbetrag mehr als ausgeglichen. Insgesamt sind im aktuellen Landeshaushalt 94,2 Millionen Euro als Zuschuss vorgesehen; die verbleibenden 77,2 Millionen Euro sollen noch 2019 abgerufen werden.

Dividende soll künftig ausreichen

Danach sollen keine neuen Zuschüsse mehr nötig sein. Man gehe weiter davon aus, dass die EnBW im Zuge der Neuausrichtung die notwendigen Erträge erwirtschaften werde, um über die Dividende die Kosten der Neckarpri zu decken, heißt es im Jahresabschluss. Im laufenden Geschäftsjahr 2019/20 könnte dies allerdings erneut nicht gelingen: bei unveränderter Dividende sei erneut mit einem Fehlbetrag von 9,8 Millionen Euro zu rechnen, heißt es im Ausblick. Erst bei 73 Cent je Aktie wäre das Ergebnis ausgeglichen.

Ein „nicht unerhebliches Risiko“ sieht die Landesfirma weiter im Anstieg der Kreditkosten: die Milliarden für den Aktienkauf hatte Mappus einst fast ausschließlich fremdfinanziert. Durch langfristige Zinsbindungen sei man jedoch gut gegen einen möglichen Zinsanstieg abgesichert; es bestehe sogar die Chance, den Zinsaufwand weiter zu senken.

Keine Debatte über Verkauf

Trotz des Wertanstieges des EnBW-Anteils dürfte es in der Landespolitik keine Diskussion über einen Verkauf der Aktien geben. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte zu einem frühen Zeitpunkt zwar angekündigt, man wolle den Anteil nicht auf Dauer halten; später relativierte er dies aber wieder.

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