Landeshauptstadt mit Image-Problemen Säxy Stuttgart

Da weiß man, wo man ist. Foto: Archiv/dpa/Bernd Weißbrod

Stuttgart möchte „elektrisierend“ sein, doch das ist noch nicht in allen Köpfen angekommen. Die Stadt muss weiter Spott ertragen – und hält das irgendwie auch aus. Eine Glosse von Jan Sellner.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Wie sexy ist Stuttgart? Diese Frage verbindet man normalerweise mit Berlin. Wobei sich das Fragezeichen erübrigt, denn dort gilt bis heute, was der frühere Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit festgestellt hat: „Berlin ist arm, aber sexy.“ Stuttgart ist nicht arm, wie ein Blick in die Stadtkasse zeigt. Ist es deshalb auch nicht sexy?

 

Tatsache ist, dass der US-Comedian Trevor Noah in der Porsche-Arena jüngst in einer Weise über Stuttgart witzelte, die bei unserer Rezensentin den Eindruck erweckte, der Gast aus Übersee halte Stuttgart für uncool und für überhaupt nicht sexy. Anderswo, so stichelte er, würden ihn die Leute entsetzt anschauen, wenn er erzähle, dass er außer in Berlin auch in Stuttgart auftrete. Was der Komiker nicht erwähnte: So unsexy kann es in Stuttgart nicht sein, wenn die Arena bei seinem Gastspiel zwei Mal ausverkauft war.

Das alte Image der Langweiler-Stadt

Trotzdem fragt sich der Stuttgarter natürlich: Was machen wir falsch? Trevor Noah ist ja nicht der einzige, der alte Stuttgart-Klischees verbreitet und bei dem nicht angekommen zu sein scheint, dass es längst ein „NEW Stuttgart“ gibt. Mit diesem Slogan versucht die städtische Wirtschaftsförderung gerade, das Stuttgart-Image aufzubessern. „N“ steht für nachhaltig, „E“ für elektrisierend und „W“ für wirtschaftsstark. Noch besser wäre „Stuttgart NEWS“. Dann könnte man auch noch das „S“ für sexy unterbringen. Nur so eine Idee. Und wenn wir gerade bei Standortwerbung sind: Wie wär’s mit „Stuttgart – the säxy Cäpital of the Länd“?

Irgendwas muss man sich ja einfallen lassen, wenn Stars von Welt Stuttgart für eine Langweiler-Stadt halten. Ungern erinnert man sich an John Cleese von der britischen Komikergruppe „Monty Python“. Als der im Oktober 2022 in Stuttgart weilte, knipste er ein Foto vom Steigenberger aus, das die zugegeben unlustige Bahnhofsbaustelle zeigte, und twitterte dazu folgende Zeilen: „Blick aus meinem Stuttgarter Hotelzimmer. Vielleicht bleibe ich heute drin.“ Soll er doch! Oder besser: Soll der Spaßverderber sich den Bahnhof anschauen, wenn er fertig ist, irgendwann. Ja dann . . .

Der Grazer, der Stuttgart für „die tollste Stadt der Welt“ hält

Andererseits: Schwärmten nicht neulich erst internationale Stars wie Jamie Cullum von den Qualitäten unserer Stadt? Besonders von den Jazz Open, die ein „Highlight“ in Europa darstellten. Und schrieb aus demselben Anlass nicht die Hamburger „Zeit“: „Der Schlossplatz verwandelt sich im Sommer in einen Ort, den man von deutschen Innenstädten so kaum kennt – eine sonnige öffentliche Arena“?

Na bitte schön! Und dann gibt’s auch noch Leute, wie den von unserer Zeitung unlängst porträtierten Grazer Touristen Robert Nemes, der Stuttgart „für die tollste Stadt der Welt hält“. Man könnte auch sagen: für die „sexiest City alive“. Verliebt hat der Grazer sich in die unvergleichliche Topografie der Landeshauptstadt, in ihre Schwünge und Kurven, die noch betont werden, „wenn sich die Stadtbahnlinie 15 vom Charlottenplatz aus in Richtung Fernsehturm nach oben schraubt“.

Warum lässt man Stuttgart nicht einfach nur Stuttgart sein?

Spott hier, Komplimente da – und ein ewiges Vergleichen und Ringen um Aufmerksamkeit. Dürfen wir fragen: Warum lässt man Stuttgart nicht einfach nur Stuttgart sein? Doch kürzen wir’s ab und kehren zurück zur Eingangsfrage: Wie sexy ist Stuttgart? Soviel ist mit Blick aufs Thermometer sonnenklar: Die Stadt ist heiß!

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