In einem „Trümmerfeld“ auf dem Gelände der Firma Rebmann in Schönaich müssen Hunde drei „vermisste“ Personen finden. Beim Wettbewerb steht der sportliche Aspekt im Vordergrund, doch im Ernstfall könnte ihr Einsatz Leben retten.
Gimli, ein schwarzer Schäferhund, läuft aufmerksam über das Gelände der Firma Rebmann in Schönaich. Er stöbert in Garagen, schnuppert an Regalen, springt draußen Schuttberge hoch. Seine Aufgabe: drei vermisste Menschen zu finden. Mit dabei ist seine Hundeführerin Claudia Koch. Sie gibt ihm Anweisungen, wo er suchen soll. Plötzlich ertönt ein lautes Bellen. Gimli steht vor einem Container und zeigt damit an: Hier ist jemand. Tatsächlich: Im Inneren versteckt sich eine Person. Viel Zeit, sich über den Erfolg zu freuen, bleibt nicht. Die Suche geht direkt weiter.
Gimli und Koch nehmen an der Landesmeisterschaft für Spezialhunde – Rettungs- und Spürhunde – teil. Der Verein für Deutsche Schäferhunde, Landesgruppe Württemberg, veranstaltet sie, die Ortsgruppe Schönaich richtet sie aus. Das Wochenende über gibt es in Schönaich verschiedene Wettbewerbe. Am Sonntagmorgen ist die Trümmersuche an der Reihe, bei der die Tiere auch in Geröll nach Menschen schnüffeln. Das Gelände der Erd- und Straßenbaufirma Rebmann ist dafür gut geeignet.
Kleine Geschichte hinter der Prüfungsaufgabe
Hinter der Prüfungsaufgabe steckt eine Geschichte, die zeigt, wie wichtig der Einsatz der Hunde in der Realität sein kann. Richterin Christine Lasser erklärt das Szenario. Die Polizei hat eine Bande Menschenhändler hochgenommen. Allerdings werden drei Opfer der Bande vermisst, sie haben sich aus Angst versteckt. Auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern müssen die Hunde sie finden – innerhalb von 30 Minuten. Auch ihre Besitzer wissen nicht, wo die Versteckten sind.
Das auch andere Hunderassen suchen und retten können, beweist /Stefanie Schlecht
Vor allem der erste Teil der Prüfung stellt die Hunde vor Herausforderungen. Sie müssen im Inneren eines Gebäudes alleine in den Keller. Dort verbirgt sich jemand hinter Sprudelkisten. Offenbar ist es für die Hunde gar nicht so einfach, den Geruch zu lokalisieren – vermutlich, weil er nach oben steigt und sich im Raum verteilt. Gimli zeigt zwar an, dass er jemanden gefunden hat, aber er steht nicht ganz an der richtigen Stelle. Das gibt später Punkteabzug.
Gimli lässt sich nicht ablenken
Was für Laien einfach aussieht, erfordert viel Training. „Da steckt ganz viel Arbeit drin“, betont die Richterin. Und nervenstark müssen die Hunde sein. Gimli wird von einer Menschengruppe begleitet, fotografiert und gefilmt. Eine Motorsäge läuft, um reale Bedingungen zu simulieren. Doch der dreijährige Schäferhund hat nur Augen für Koch. Ihm scheint die Aufgabe Spaß zu machen. Deutlich wird: Koch und er sind ein eingespieltes Team. Als Gimli auf einen Schuttberg klettert und unter einer Holzpalette schnuppert, bellt er zwar, aber ist sich noch nicht sicher. Das erkennt Koch, sie wartet ab, bis Gimli anders, bestimmter bellt. Und er hat wieder recht. Aus einer Mulde steigt ein Vereinsmitglied der Ortsgruppe Schönaich, ausgestattet mit Isomatte und Schutzhelm.
Richterin Lasser gibt den beiden am Ende 160 von 200 möglichen Punkten. „Gimli bewegt sich im Gelände sehr sicher und lässt sich gut lenken“, lobt sie. Aber er brauche noch etwas zu lange, bis er anzeigt, dass er jemanden gefunden hat, lautet ein Kritikpunkt. Koch ist trotzdem zufrieden. Sie ist extra knapp 500 Kilometer aus Hamm in Nordrhein-Westfalen angereist, um an der Prüfung teilzunehmen. Die Möglichkeit, in Trümmern zu suchen, sei selten.
Welche Hunde als Rettungshunde geeignet sind
Für die beiden ist es mehr als ein Hobby. Gimli unterstützt als Rettungshund die Freiwillige Feuerwehr Bochum, Koch trainiert mit ihm mehrmals pro Woche. „Schäferhunde wollen gerne arbeiten“, sagt sie, betont aber auch, dass sich nicht nur Schäferhunde als Rettungshunde eignen. Wichtig sei, dass die Hunde Menschen mögen und einen hohen Fress- oder Spieltrieb haben. Damit die Belohnung, die es nach dem Einsatz gibt, als Motivation funktioniert. „Für die Hunde ist das ein Spaß, sie kennen den Ernst der Lage nicht“, erklärt Koch.
Mit Brigitte Sautter, der zweiten Vorsitzenden der Ortsgruppe Schönaich, ist auch ein Ortsgruppenmitglieder unter den Teilnehmern. Bei der Trümmersuche bekommt sie sogar 165 Punkte. Am Vortag hat ihre Schäferhündin Asuka bereits die Fährten- und die Flächensuche absolviert. „Sie ist wirklich sehr vielseitig“, sagt Sautter stolz. Die beiden sind ein erfolgreiches Team. Am Samstag haben sie sich für die Teilnahme an der Weltmeisterschaf in Tschechien qualifiziert. Im vergangenen Jahr holten die beiden bei der WM im Rettungshundesport den zweiten Platz bei der Fährtensuche. Asuka ist außerdem für den Arbeiter-Samariter-Bund in Esslingen im Einsatz.
Bei Gimli und Koch, die 2024 die Deutsche Meisterschaft in der Sparte Trümmer gewonnen haben, reicht es wohl nicht für eine WM-Qualifikation. Zwar steht bei ihnen eine Prüfung noch aus, bei der sie aber fast die volle Punktzahl bräuchten. Enttäuscht wirkt Koch nicht. „Das macht nichts“, meint sie. Es geht ums Mitmachen, nicht ums Gewinnen.
Zum Wettbewerb
Landesmeisterschaft Sie steht nicht nur Schäferhunden, sondern allen Rassen offen. Nicht alle sind geprüfte Rettungshunde. Bei manchen geht es nur um den sportlichen Aspekt. Die Ausbildung ist aber die gleiche.
Fährtensuche Die Hunde folgen einer konkreten Geruchsspur, also einer Fährte.
Flächensuche Im Wald ist eine Person versteckt, die die Hunde innerhalb einer bestimmten Zeitspanne finden müssen.