Landesmeisterschaft im Bogenschießen in Welzheim Klarer Kopf und ruhige Hand

Die Zielscheibe im Blick: ein junger Bogenschütze beim Turnier Foto: Gottfried Stoppel
Die Zielscheibe im Blick: ein junger Bogenschütze beim Turnier Foto: Gottfried Stoppel

Ohne Konzentration geht gar nichts beim Bogenschießen. Am Wochenende sind rund 400 Bogenschützen bei den Landesmeisterschaften im Freien auf dem Platz der Schützengilde Welzheim angetreten – vom Schüler bis zum Rentner.

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Welzheim - Achtzig Prozent sind Konzentration“, sagt Sandra Sachse. Die 44-jährige Sportlerin weiß, worauf es beim Bogenschießen ankommt, hat sie doch bei den Olympischen Spielen zwei Mal einen Volltreffer gelandet: 1996 in Form einer Silbermedaille, im Jahr 2000 holte sie Bronze. An diesem Samstag, der wettertechnisch alle Register zieht, – vom schönsten Sonnenschein bis zum Platzregen – ist Sandra Sachse aber nicht zum Schießen, sondern zum Schauen da. Denn bei den Landesmeisterschaften, die an zwei Tagen mit rund 400 Teilnehmern auf dem Rasenplatz der Schützengilde Welzheim ausgetragen werden, treten neben Erwachsenen auch Kinder ab elf Jahren an.

Talente mit guter Trefferquote gesucht

Eben diese Nachwuchsschützen hat Sandra Sachse, die als Siebenjährige das Bogenschießen für sich entdeckte, im Blick. „Ich schaue nach Talenten – wer hat einen schönen Stil, wer trifft gut“,

erklärt die Landestrainerin, während im Hintergrund das Plopp-Geräusch der schnalzenden Bogensehnen erklingt. Sachse fügt hinzu, dass es immer schwieriger werde, Talente zu finden. Zum einen gebe es weniger Kinder als früher, zum anderen steige die Quote der Unsportlichen. Eine „gute Grundkondition“ aber sei die Voraussetzung, um auf dem Platz punkten zu können. Wobei es beim Bogenschießen nicht um Punkte geht, sondern darum, möglichst viele Ringe zu erzielen.

Das gelingt nur mit viel Übung. Vier bis fünf Mal pro Woche müsse man trainieren, wenn man es weit nach oben schaffen wolle, sagt Manfred Baum, der erste Vorsitzende und Jugendtrainer der Schützengilde. Nachwuchsprobleme sieht er bei seinem Verein keine, der 63-Jährige räumt aber ein: „Man findet nicht jedes Jahr ein Supertalent.“ Aber sein Verein stelle seit mehr als 20 Jahren regelmäßig Olympiateilnehmer – zuletzt Camilo Mayr, der vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen in London dabei war. Der 13-jährige Mika, der eben im strömenden Regen seine Pfeile abgeschossen hat, nennt als sein Ziel die Deutschen Meisterschaften. Er ist seit fünf Jahren aktives Mitglied in der Schützengilde. Das Bogenschießen macht ihm Spaß, auch wenn er nach Turnieren „ziemlich platt“ ist. Kein Wunder, denn die jungen Sportler müssen bei solchen Wettbewerben rund drei Stunden volle Konzentration aufbringen, bei erwachsenen Schützen sind es sogar fünf Stunden. Zum Trainingsprogramm gehört es daher auch, Sudokus und andere Denkaufgaben zu lösen.

Jeder Teilnehmer schießt 72 Pfeile

Der Wettbewerb im Freien, bei dem rund 120 Schützen gleichzeitig Seite an Seite antreten, verläuft ruhig und entspannt. Jeder Schütze schießt bei der Meisterschaft 72 Pfeile auf eine Zielscheibe, die er sich mit drei Teilnehmern eines jeweils anderen Vereins teilt. Die Auswertung übernehmen die Sportler selbst – nur, wenn sie uneins sind, entscheidet ein Schiedsrichter. Die Jüngsten müssen eine Distanz von 25 Metern meistern, die 13- und 14-Jährigen 40 Meter, die nächste Altersklasse 60 Meter. Für die Erwachsenen sind 70 Meter Pflicht – in der Winterszeit, wenn in der Halle geschossen wird, liegt die Distanz bei nur 18 Metern.

Beim Schießen im Freien müssen die Sportler flexibel sein – je nach Wetterlage und Windstärke. Starker Regen, so wie er an diesem Samstag fällt, erschwert den Wettkampf, macht die Sehne nass, die Pfeile aus Carbonfaser werden schwerer und langsamer. Tempo sei wichtig, um gute Ergebnisse zu erzielen, sagt Sandra Sachse, die als giftige Schützin bekannt ist: Ihre Pfeile fliegen auf einer Distanz von 70 Metern bis zu 220 Kilometer pro Stunde.

„Das Problem ist, dass man mit dem Bogenschießen kein Geld verdienen kann“, bedauert Baum – die jungen Talente führe der Weg nach dem Schulabschluss daher meist in die weite Welt hinaus anstatt auf den Rasenplatz im Leintal bei Welzheim.




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