Landesmissionsfest in Esslingen Auf Mission für die globale Solidarität

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl predigt beim Missionsfest. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Am Wochenende feiert die Evangelische Kirche das Landesmissionsfest in der Esslinger Stadtkirche und auf dem Marktplatz. Dabei geht es nicht um aufdringliche Bekehrungsversuche, denn der Missionsbegriff hat sich gewandelt.

Mission – das klingt nach Billy Graham, Evangelisation, aufdringlichen Bekehrungsversuchen. Vor Zwangstaufen muss niemand Angst haben beim Landesmissionsfest, das am Wochenende nach 36 Jahren wieder nach Esslingen kommt. „Der Missionsbegriff hat sich geändert“, sagt der Esslinger evangelische Dekan Bernd Weißenborn. Und mit dem Begriff auch das Fest, das seit 1821 regelmäßig stattfindet und inzwischen jedes Jahr in einer anderen württembergischen Stadt von der Evangelischen Landeskirche veranstaltet wird.

 

Nächstenliebe statt Bekehrung

Mission habe heute nicht mehr „den ausschließlichen Fokus, Menschen für das Christentum zu gewinnen“, sagt Weißenborn. Die Sendung und der Auftrag seien allerdings nach wie vor tief im christlichen Glauben verwurzelt, nämlich durch die zentralen Aussagen des Evangeliums zur Nächstenliebe. Mission ist heute Vision, aber eine, bei der man nicht zum Arzt muss, wie einst Helmut Schmidt höhnte: eine Vision globaler Solidarität. Das Landesmissionsfest will in diesem Sinne „Fenster in die Welt öffnen“, sagt Weißenborn – in die weltweite Kirche und darüber hinaus zu interkulturellen und interreligiösen Begegnungen.

Gesprächspartner aus anderen Kontinenten

Vertreten ist in Esslingen das ganze landeskirchliche Spektrum, das diese Mission möglich macht: von Brot für die Welt über weitere Hilfswerke bis zu evangelikalen Gruppen. Zahlreiche Gäste aus anderen Kontinenten werden am Sonntag auf dem Marktplatz im Gespräch sein. Zum Beispiel Bischof Wong aus Malaysia (14.30 Uhr), der Antworten gibt auf die Frage: Wie gelingt das Zusammenleben von Christen und Muslimen? Oder Pfarrerin Mega Kamase Sambo aus Indonesien, die zusammen mit ihren Kollegen George Larbi aus Ghana und Dieter Heidtmann, Generalsekretär der internationalen Dachorganisation Evangelische Mission in Solidarität, die „Mission als Schlüssel zur Veränderung der Welt“ verstehen und vorstellen will (15.30 Uhr). Was aufs Motto des diesjährigen Fests anspielt: „Himmelsschlüssel – Gott suchen in der einen Welt“.

Es gibt auch Spiel, Spaß und kulinarische Wonnen

Auch die Musik ist ein solcher Himmelsschlüssel, erklärt Weißenborn und meint damit den Auftakt am Samstag in der Stadtkirche mit Jugendchören aus Malaysia und Esslingen. Ohnehin soll es beim Fest selbst nicht nur darum gehen, die Probleme und Perspektiven der einen Welt zu wälzen, sondern auch „Freude zu verbreiten, denn die brauchen wir zurzeit besonders“, so der Dekan. Spiel und Spaß stehen deshalb ebenso auf dem Programm wie kulinarische Wonnen aus (fast) aller Welt.

Das erste württembergische Missionsfest anno 1821 in Tübingen stand im Zeichen des damaligen Pietismus mit seiner weltweiten Orientierung, die 1815 zur Gründung der Basler Mission geführt hatte. Ihr Ziel war die Ausbildung von Missionaren im gewohnten Sinn. Um die Idee zu popularisieren, veranstaltete man 1821 in Basel ein Fest, dessen Vorbild die Tübinger Aktion wenige Tage später folgte. Der Wandel im missionarischen Selbstverständnis war ein langer Prozess. Möglicherweise illustrieren ihn trotz ihres knappen zeitlichen Abstands die beiden früheren Esslinger Missionsfeste: 1981 stand unter dem betont spirituellen Motto „Jesus hören — ihm gehören“. 1987 war daraus das politischere „Gott bei den Armen – Christsein in Lateinamerika“ geworden.

Das Festprogramm

Samstag
 Zum Auftakt singen in der Stadtkirche der Jugendchor aus dem malayischen Sabah und die Esslinger Jugendkantorei. Beginn ist um 19 Uhr, die Leitung haben Uwe Schüssler und Angeline Lee.

Sonntag
 Nach dem Festgottesdienst mit Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (10.30 Uhr, Stadtkirche) beginnt um 12.45 Uhr auf dem Marktplatz das Bühnenprogramm mit Gohl, Dekan Weißenborn und Bürgermeister Ingo Rust im Gespräch. Bis 16 Uhr folgen weitere Gesprächsrunden. Für Kinder gibt es Spiel und Spaß im Hof der Waisenhofschule, einen Stationenlauf zur Burg (14 Uhr) und eine musikalische Petrusgeschichte (16.15 Uhr, Stadtkirche). Gesamtprogramm: www.landesmissionsfest.de

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