Landesnarrentreffen in Gerlingen Kobolde tanzen mit Burgfräulein und Hexen

Von Patricia Elsner 

Am Wochenende übernahmen die Narren die Gerlinger Innenstadt. 5000 kostümierte Fasnetsverrückte zogen am Sonntag bei großen Umzug durch Gerlingen. Der Veranstalter zeigt sich zufrieden – für nächsten Jahr steht das Treffen allerdings auf der Kippe.

Etwa 6000 Zuschauer waren bei dem Umzug der Landesnarren in Gerlingen dabei. Viele Vereine bringen ihre Musiker mit Foto:   31 Bilder
Etwa 6000 Zuschauer waren bei dem Umzug der Landesnarren in Gerlingen dabei. Viele Vereine bringen ihre Musiker mit Foto:  

Gerlingen - Hexen, Mäuse, Kobolde, Prinzessinnen, Ziegenböcke und Wölfe liefen am Sonntag beim großen Umzug der Fasnets- und Karnevalsvereine durch die Gerlinger Innenstadt. Bereits zum fünften Mal fand das Narrentreffen des Landesverbands Württembergischer Karnevalsvereine in der Strohgäukommune statt. „Die Stimmung an beiden Tagen war su-per“, sagte Siegfried Mayer, Präsident des Frohen Faschingsclubs Gerlingen. „Es kamen weitaus mehr Zünfte als wir erwartet hatten“, sagte Mayer, der das Landesnarrentreffen nach Gerlingen geholt hatte.

Zwei Tage lang feierten 97 Vereine aus ganz Württemberg in und um die Stadthalle. Am Samstag stellten die Zünfte den Narrenbaum auf dem Rathausplatz auf. Dieser bleibt nun bis Aschermittwoch stehen. Anschließend ging es zur Messfeier für Narren. „Wenn man verrückt ist, muss man auch dankbar sein“, erklärte Mayer diese Tradition. Danach wurde es wilder: In der Stadthalle feierten die Narren bei Schlagermusik und Tanz bis um 3 Uhr in der Früh.

Wer die Schlachtrufe kennt wird belohnt

Am Sonntag um 13.01 Uhr waren die rund 5000 Narren aber wieder fit und liefen gut gelaunt beim großen Umzug durch die Innenstadt, von der Ecke Meter-/Ur-banstraße über die Haupt- und Schulstraße und auf der Kirchstraße bis hin zum Rathaus. „Narri, Narro“, „Oho, oho, oho“, „Hopp, Schella, hopp“: Wer kräftig mitschrie und die Schlachtrufe der Vereine kannte, der bekam zur Belohnung Bonbons, Gummibärchen und Brausestäbchen.

Die rund 6000 Zuschauer am Straßenrand waren zum Teil verkleidet. So wie Heidi Karst, die eine riesige aufblasbare Badewanne samt großer Quietscheente vor sich hertrug, auf dem Kopf eine Badekappe. „Sonst lassen sich die Leute an Fasnet volllaufen. Ich bin schon voll“, scherzte Karst. Die 46-Jährige ist in Gerlingen geboren und lässt sich die Fasnet nicht entgehen. „Ich bin bei fast jedem Umzug dabei“, sagte sie. Ihre Schwester Manuela Köhler-Schranz und deren fünfjähriger Enkel begleiteten Karst. „Die Stimmung war super“, sagte Köhler-Schranz. „Wir standen direkt am alten Rathaus. Da haben die Leute mitgerufen und mitgeschunkelt“, sagte sie. Nur der kleine Lukas hatte ein wenig Angst vor den Hexen und ihren finsteren Masken.

Jeder Verein hat seine Geschichte

Dabei sind die Hexen nicht unbedingt böse. „Wir Mistelhexen aus Neckarweihingen haben die Menschen früher mit Misteln geheilt“, erzählte Liane Leibbrand, die seit 20 Jahren zu den Mistelhexen gehört. So wie dieser Verein haben auch die anderen Fastnachtsgesellschaften eine historische Geschichte zu ihrer Zunft und den Figuren zu erzählen. „Die Scillamännle aus Stuttgart Hofen befreien jedes Jahr zur Fasnet das Burgfräulein Greadeffele aus der Burg Hofen“, sage Sabrina Ensenberger, die bereits seit ihrem dritten Lebensjahr bei den Scillamännle mitmacht.

Die Kobolde vom Silbernen Mehlstaub haben früher den Bauern das Mehl gestohlen, so zumindest heißt es in der Legende. Heute treiben sie nur noch an Fasnet ihr Unwesen, erzählt Natascha Pohl, die zusammen mit ihrem Mann und den zwei Töchtern zu Karneval in das Kostüm steigt.

Noch kein Veranstalter für 2018

Wilden Schabernack gibt es bei dem Umzug am Sonntag jedoch nur in den Geschichten. Die Vereine beschränkten sich aufs Bonbonwerfen und Haarewuscheln. Die Stimmung war gut, dazu trugen auch die vielen Guggenmusiker bei. „Es gab keine besonderen Vorfälle“, sagte Thomas Reimold, Revierleiter der Polizei in Ditzingen. „Wir sind mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden.“

Im nächsten Jahr soll es laut Mayer kein Landesnarrentreffen geben. „Die Organisation ist aufwendig und teuer“, sagte Mayer. „Vor allem die Sicherheitsauflagen wie Polizei und Feuerwehr sind verschärft worden.“ Die Kosten für die Veranstaltung trägt der Ausrichter, in dem Fall der Gerlinger Frohe Faschingclub. Über Sonderverkäufe wie kleine Masken als Andenken oder Programme soll sich der Umzug finanzieren. „Das ist das eigentliche Eintrittsgeld für die Zuschauer“, sagte Mayer. Für 2019 hat sich Mayer zufolge jedoch schon ein Veranstalter gefunden: der Ditzinger Karnevalsverein Gesellschaft Titzo.




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