Landespreis für Heimatforscher Erwin Gayer Von Schriftstücken und Sauklauen

Von Susanne Mathes 

Jahrelang recherchierte Erwin Gayer für sein Buch, das den Bogen der Nussdorfer Wasserversorgung von den Zeiten der römischen Gutshöfe bis in die Gegenwart spannt. „Zum Glück gibt es im Ludwigsburger Staatsarchiv noch den Schriftverkehr zwischen der Gemeinde Nussdorf und dem Königlichen Oberamt Vaihingen“, meint der 77-Jährige. Gutachten, Kostenaufstellungen, Schreiben vom Bauamt für das öffentliche Wasserversorgungswesen: angesichts der sonstigen Archivlage des Ortes wahre Schätze für den ambitionierten Amateurforscher. Er entzifferte, transkribierte, kopierte, verzweifelte fast an mancher Sauklaue von anno dazumal. Auch alte Zeitungsberichte halfen, trotz Archivlücken ein detailreiches, mitunter amüsant zu lesendes Werk zu schaffen.

Eine Hommage an Karl Ehmann

Das Buch ist auch als Hommage an Karl Ehmann gedacht, der heute weitgehend vergessen ist – eine Schande, wie Erwin Gayer findet. Denn Ehmann habe sich um Nussdorf und die vielen Dörfer auf der Schwäbischen Alb, für die er nach Nussdorfer Vorbild später die Alb-Wasserversorgung schuf, unendlich mehr verdient gemacht als viele Persönlichkeiten, nach denen heute Straßen und Schulen benannt seien. Der Historiker Gerhard Raff schrieb einmal: „Kaum ein anderer Wohltäter der Menschheit ist so schnell vergessen worden wie Karl Ehmann, obwohl doch seine Wohltat täglich in jedermanns Munde ist.“

Die Antennen sind immer auf Empfang

Allein um des genialen Ingenieurs Willen freut es Erwin Gayer, dass er für „Eine Gölte Wasser“ jetzt den Landespreis für Heimatforschung bekommen hat. „Ich hab’s einfach versucht und mich beworben, war aber dann doch total überrascht“, sagt er bescheiden. Viel Aufhebens um die Auszeichnung macht er nicht. Selbst wenn sie ihm gut tut: Zusätzlichen Ansporns bedarf er gewiss nicht. Seine Antennen in Sachen Ortshistorie sind sowieso stets auf Empfang gestellt.

Ob er durch die Fluren streift und Überbleibsel aus der Römerzeit aufspürt – Dachziegel, auch mal einen Grenzstein –, ob er Besucher durch die von ihm und seinem Mitstreiter Friedrich Schurr konzipierte Ausstellung zu Kriegszerstörung und Wiederaufbau führt, ob er historische Nussdorf-Fotografien sammelt oder für die Schriftenreihe „Nussblätter“ forscht und publiziert: der Stoff geht ihm nicht aus. Die Puste auch nicht.