Landesregierung Baden-Württemberg Islamunterricht befördern

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Grün-Rot möchte regulären islamischen Religionsunterricht an Schulen in Baden-Württemberg. Dafür machen sich Ministerpräsident Kretschmann und Kultusminister Stoch stark. Doch zunächst müssen sich die muslimischen Verbände einig werden.

Islamunterricht an baden-württembergischen Schulen, wie hier in Friedrichshafen, ist nicht neu, aber es fehlt noch an den tragfähigen Strukturen. Foto: dpa
Islamunterricht an baden-württembergischen Schulen, wie hier in Friedrichshafen, ist nicht neu, aber es fehlt noch an den tragfähigen Strukturen. Foto: dpa

Stuttgart - Mit ganz großem Bahnhof hat die Landesregierung am Mittwoch die Konstituierung des Projektbeirats islamischer Religionsunterricht begleitet. In einem gemeinsamen Auftritt mit den Beiratsmitgliedern unterstrichen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Kultusminister Andreas Stoch (SPD) und der Amtschef des Integrationsministeriums Wolf-Dietrich Hammann die wachsende Bedeutung des Islamunterrichts in deutscher Sprache an staatlichen Schulen.

In dem Beirat arbeiten Vertreter verschiedener islamischer Verbände zusammen mit islamischen Religionswissenschaftlern an den Bildungsplänen, an Unterrichtsmodellen und an Unterrichtsmaterialien. Sie diskutieren auch Inhalte der Aus- und Fortbildung von Lehrern.

Der institutionelle Ansprechpartner fehlt

Gegenwärtig gibt es an 68 öffentlichen Schulen im Land (meist an Grundschulen) islamischen Religionsunterricht. Seit Beginn des Modellprojekts vor zehn Jahren ist die Frage eines einheitlichen Ansprechpartners für den Staat auf Seiten der Muslime ungeklärt. Für den christlichen Religionsunterricht übernehmen die Kirchen die Verantwortung für die Inhalte des Unterrichts.

Beim islamischen Unterricht springen zurzeit Elternvereine in die Bresche, weil der Islam nicht in Kirchen organisiert ist. Der Beirat soll dazu beitragen, dass die Verbände am Ende der Modellphase 2018 gemeinsam die Trägerschaft für den Islamunterricht übernehmen.

Kretschmann appellierte an die Verbandsvertreter: „Es ist die große Hoffnung der Landesregierung, dass Sie sich einigen und wir zu einem einheitlichen Unterricht kommen.“ Ohne Einigung sei die Gefahr einer Zersplitterung groß. Stoch ergänzte, wenn die Verbände einzelne Anträge stellten, könnten nur Kinder aus den jeweiligen Verbänden am Unterricht teilnehmen.

Ziel der Regierung ist es, den Modellversuch in den Regelbetrieb zu überführen und auszubauen. Das sei angesichts der Flüchtlingsströme geboten.

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