InterviewLandesturnfest in Ludwigsburg fällt aus Keine Mini-Olympiade in Ludwigsburg

So ähnlich hätte es beim „besonderen Wettbewerb“ in Ludwigsburg zugehen können. Doch nun ist das Landesturnfest abgesagt. Foto: Andreas Rosar
So ähnlich hätte es beim „besonderen Wettbewerb“ in Ludwigsburg zugehen können. Doch nun ist das Landesturnfest abgesagt. Foto: Andreas Rosar

Mehr als zwei Jahre lang hat die Stadt Ludwigsburg das Landesturnfest vorbereitet, nun ist es abgesagt. „Das tut weh“, sagt der Chefplaner. Besonders schade: So schnell kann es nicht nachgeholt werden.Verena Mayer

Region: Verena Mayer (ena)
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Ludwigsburg – - Überraschend ist die Entscheidung nicht mehr gekommen: Das Landesturnfest, das vom 21. bis 24. Mai tausende Menschen nach Ludwigsburg gebracht hätte, findet nicht statt. Dieser Schritt sei alternativlos, hat der Schwäbische Turnerbund am Mittwoch abschließend erklärt. Traurig ist er trotzdem. Für die Stadtverwaltung endet damit eine lange Phase der Vorbereitung im Nichts. Ein Gespräch mit dem Chefkoordinator der Stadt, Raphael Dahler.

Herr Dahler, wie groß ist der Kloß in Ihrem Hals?

Die Bekämpfung der Corona-Pandemie ist wichtiger als alles. Da kann der Kloß gar nicht so wahnsinnig groß sein. Letztlich war es eine logische Konsequenz, das Landesturnfest abzusagen.

Sie nehmen es also sportlich?

Etwas abzusagen, an dem man mit Herzblut gearbeitet hat, tut richtig weh. Wir hatten viele Ideen, wir haben mit vielen Leuten gearbeitet, und wir haben an die 10 000 Anmeldungen von Sportlern, die sich auf das Fest gefreut haben.

Seit wann waren Sie mit den Vorbereitungen beschäftigt?

Der Beschluss fiel vor rund zweieinhalb Jahren. Seither haben wir daran gearbeitet. Die heiße Phase begann dann im vergangenen Sommer.

Haben Sie ausgerechnet, wie viele Stunden Arbeit in das Vorhaben geflossen sind?

Nein, und das machen wir auch nicht (lacht).

Was ist mit Geld?

Wir haben eine Personalstelle geschaffen, diese 70 000 Euro sind quasi weg. Die 30 000 Euro, die für die Nutzung externer Hallen fällig gewesen wären, müssen wir nun natürlich nicht bezahlen. Und mit dem Schwäbischen Turnerbund, dem wir einen Barkostenzuschuss von 300 000 Euro bezahlt haben, müssen wir klären, was genau daraus wird, wer was übernimmt. Da gibt es aber klare Regelungen.

Worauf haben Sie sich beim Fest besonders gefreut?

Ein Highlight wäre für mich eine Ausstellung gewesen, die wir mit dem städtischen Archiv geplant haben. Sie sollte die Geschichte des Sports in Ludwigsburg zeigen, mit vielen historischen Bildern. Das habe ich mir sehr schön vorgestellt, dass die Leute da mal innehalten, und speziell die Ludwigsburger einen Ort haben, um zu schauen, was die letzten Jahrzehnte hier im Sport lief. Aber vielleicht können wir diese Ausstellung trotzdem, in einem anderen Rahmen, machen.

Und was ist mit dem Sport?

Besonders gefreut habe ich mich auf den „besonderen Wettbewerb“. Das wäre bestimmt lustig gewesen, wenn der Oberbürgermeister und Kollegen aus der Stadtverwaltung in Hoheneck gegen die Bootsbesatzung des Schwäbischen Turnerbund gepaddelt wären.

Was war knifflig bei der Vorbereitung?

Bis zum Anmeldeschluss Ende Februar wussten wir nicht, wie viele Teilnehmer genau kommen, wie viele Betten wir genau brauchen – und wie wir die dann genau aufteilen. Da haben uns die Nachbarkommunen aber toll unterstützt, und wir hätten es gut hinbekommen.

Vorige Woche haben Sie noch ehrenamtliche Helfer für die vier Tage gesucht. Hätten sich genug gemeldet?

Wir hätten rund 1500 Volunteers benötigt, und man muss wissen, dass das eine durchaus anstrengende Aufgabe ist. Teilweise beginnt der Einsatz schon morgens um 5.30 Uhr, das ist nicht jedermanns Sache. Aber ich glaube, das hätten wir geschafft. Erst letzten Freitag noch hat sich ein Verein als Helfer gemeldet.

Jeder Helfer hätte ein T-Shirt bekommen und ein Zertifikat; die Stadt hätte Eintritts- und Festkarten verkauft – was passiert nun mit dem vielen Zubehör?

Tatsächlich sind viele Dinge noch gar nicht beauftragt gewesen. Die Absage nun erfolgt so früh, dass wir gewissermaßen nicht auf den Sachen sitzen bleiben.

Gibt es eine Chance für Ludwigsburg, das Fest nachzuholen?

So schnell nicht. Dieses Jahr scheidet aus, weil ein Turnfest nur im Sommer sinnvoll ist. Dafür ist die Situation mit Corona aber zu unklar. Und in den nächsten Jahren sieht es eng aus: Im nächsten Jahr findet das Deutsche Turnfest statt, da gibt es keinen Platz für ein Landesturnfest. Im Jahr 2022 ist der badische Landesteil mit der Ausrichtung dran. 2024 ist bereits an Ravensburg vergeben, und 2026 findet das Fest wieder in Baden statt. Der nächste denkbare Termin für Ludwigsburg wäre also im Jahr 2028.

Was machen Sie jetzt, fallen Sie in ein Loch?

Corona hält auch das Sportamt in Atem. Wir haben in den letzten Tagen alle Sporthallen und -plätze gesperrt. Das alles gut zu bewältigen und den Vereinen mit Rat zur Seite zu stehen, ist gerade unsere Hauptaufgabe. Außerdem müssen wir noch die Teilnehmer des Turnfests über die Absage informieren und verschiedene Dinge abwickeln. Die Arbeit geht nicht aus.




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