Landesweit einmalig: Innovative Schulform Viele Schulwege führen in Donzdorf zum Ziel

Mit der im Bau befindlichen Mensa werden das Rechberggymnasium (links) und die Messelbergschule zu einem gemeinsamen Campus verschmelzen. Sechs fünfte Klassen sind in dem Kooperativen Bildungszentrum beheimatet. Foto: Ines Rudel
Mit der im Bau befindlichen Mensa werden das Rechberggymnasium (links) und die Messelbergschule zu einem gemeinsamen Campus verschmelzen. Sechs fünfte Klassen sind in dem Kooperativen Bildungszentrum beheimatet. Foto: Ines Rudel

Mit sechs fünften Klassen entwickelt sich das Bildungszentrum Donzdorf schneller als gedacht. Die Abstimmung mit den Füßen hat begonnen.

Region: Corinna Meinke (com)
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Donzdorf - Der Zulauf zum Kooperativen Bildungszentrum Donzdorf ist größer als erwartet. Im zweiten Jahr der landesweit einmaligen Zusammenarbeit zwischen einer Gemeinschaftsschule, der Donzdorfer Messelbergschule, und dem Rechberggymnasium besuchen bereits 150 Kinder die sechs fünften Klassen. Das große Interesse der Eltern führen die beiden Schulleiter darauf zurück, dass das Bildungszentrum neben der Mittleren Reife auch das Abitur nach acht oder nach neun Jahren anbietet. Außerdem gibt es hier nun noch den Hauptschulabschluss plus, der dank einer Bildungspartnerschaft mit acht Unternehmen aus Donzdorf den Schülern einen sicheren Weg in eine Ausbildung über sogenannte Lehrvorverträge sichert.

62 Fünftklässler besuchen die dortige Gemeinschaftsschule

„Wir wollten eigentlich ganz allmählich wieder mit zwei fünften Klassen in der Gemeinschaftsschule starten, beschreibt der Rektor des Rechberggymnasiums Franz Fischer den Start in diesem Herbst in den zweiten Jahrgang im Bildungszentrum. Doch mit 62 Anmeldungen mussten drei Klassen gebildet werden. Im vergangenen Jahr hatten sich 38 Fünftklässler für die Gemeinschaftsschule angemeldet, die eine der beiden Säulen des kooperativen Bildungszentrums darstellt.

Gymnasiales Niveau ab der fünften Klasse möglich

Das Ziel der beiden kooperierenden Schulen, die jetzt durch den Neubau der Mensa zu einem gemeinsamen Campus zusammenwachsen, ist es, eine komplette Durchlässigkeit der beiden Schulen im Reissverschlussverfahren zu erreichen. Auch wenn das Gymnasium sein eigenes pädagogisches und inhaltliches Profil mit G 8 behält, wie Fischer versicherte, sollen die Gemeinschaftsschüler schon vor der elften Klasse ins Gymnasium wechseln können. Dabei helfen ihnen die Gymnasiallehrer, die bereits an der Messelbergschule unterrichten. In der fünften Klasse bieten sie Deutsch- und Englischunterricht an, in der Sechsten kommt Französisch und in der Siebten Mathematik dazu.

Das individuelle Lernen kann den Ehrgeiz wecken

Alle Fächer werden in der Messelbergschule in drei Leistungsstufen angeboten. „Manche explodieren in der Unterstufe plötzlich und werden ehrgeizig, weil wir mit dem Angebot die Eigenverantwortung stärken“, hat Fischer beobachtet. Die beiden Schulleiter führen vor allem pädagogische Gründe für das Umschwenken auf individuelle Lernformen in der Gemeinschaftsschule ins Feld. „Wir müssen stärker erziehen und die Arbeitshaltung der Schüler verbessern“, erklärt Erich Ege, der die Messelbergschule leitet. Den Weg der früheren Werkrealschule in die Gemeinschaftsschulform hält er allein deshalb für notwendig, weil die Mädchen und Jungen hier höher qualifiziert werden könnten.

Die Ausbildungsreife ist ein wichtiges Ziel

„Allein die Anforderungen für den Beruf des Metzgers dank der vielen EU-weiten Vorschriften verlangen heute fast schon den Realschulabschluss“, erklärt der Rektor. In Gesprächen mit potenziellen Ausbildungsbetrieben bekomme er immer wieder die Sorge um die mangelnde Ausbildungsreife der Schüler zu hören, sagte Ege. Das Profil seiner Gemeinschaftsschule ziele deshalb darauf ab, auch die so genannten Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Einsatzwillen und Durchhaltevermögen zu entwickeln.

Neue Bildungspartnerschaft mit Betrieben

Künftig möchte die Schule als Teil des Bildungszentrums noch enger mit den Unternehmen kooperieren und hat deshalb mit sieben Betrieben und der Stadt Donzdorf eine Bildungspartnerschaft besiegelt. Mit Praktika und Lehrlingspaten sollen sich Schüler und Betriebe so gut kennenlernen, dass am Ende Lehrvorverträge den Schülern den Weg in den Beruf ebnen können. Deshalb wird der Abschluss als Hauptschulabschluss Plus bezeichnet.

Die Politiker sollen den Schulfrieden sichern

Typisch für das Donzdorfer Modell ist außerdem die Einführungsstufe in der zehnten Klasse. Real- und Gemeinschaftsschüler sollen dort auf die gymnasiale Oberstufe vorbereitet werden und können so, vergleichbar mit dem Besuch eines beruflichen Gymnasiums, im Anschluss am Rechberggmnasium wie im G 9 zum Abitur geführt werden. Schon heute kooperiert das Bildungszentrum mit der Gemeinschaftsschule in Salach und strebt die Zusammenarbeit mit Böhmenkirch an, während Süßen das Modell als Konkurrenz für seine Gemeinschafts- und seine Realschule begreift. Die beiden CDU-Mitglieder Ege und Fischer fordern die Parteipolitiker auf, sich an einen Tisch zu setzen, um den Schulfrieden zu sichern.




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