Landfrauen im Rems-Murr-Kreis Darum stehen die Osterbrunnen dieses Jahr auf der Kippe

So hübsch geschmückt sollte der Brunnen auch dieses Jahr in Althütte aussehen. Doch da die Landfrauen kein Grüngut bekommen haben, wird es keinen Osterbrunnen geben. Foto:  

In Althütte wird es dieses Jahr keinen geschmückten Osterbrunnen geben. Auch andernorts im Rems-Murr-Kreis droht die schmucke Tradition teils auszufallen. Und das, obwohl das Problem eigentlich zu lösen sein müsste.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Der Brauch, in der Zeit vor Ostern öffentliche Dorfbrunnen mit Girlanden aus frischem Grün, bemalten Eiern und anderen Verzierungen als Osterbrunnen zu schmücken, ist längst auch aus dem Rems-Murr-Kreis nicht mehr wegzudenken. Mit Stolz, viel Liebe und noch mehr Geduld binden alle Jahre wieder die Landfrauen der jeweiligen Gemeinden die aufwendigen Girlanden aus Tannen-, Thuja-, Lebensbaum- und Buchszweigen, die dann kunstvoll mithilfe von Eisenbögen auf den Brunnen befestigt werden. Doch was tun, wenn plötzlich nicht mehr genügend Grünzeug für die liebgewonnene und stadtbildprägende Aktion zusammenkommt?

 

Auf Facebook kündigen die Althütter Landfrauen das Aus für den Brunnen an

So ergeht es aktuell den Landfrauen in Althütte. Auf Facebook haben sie folgenden Satz mit Osterbrunnenbild veröffentlicht: „2023: So hätte der Osterbrunnen aussehen sollen – leider bekommen wir kein Grüngut, deshalb wird kein Osterbrunnen dieses Jahr den Ortseingang von Althütte schmücken – schade.“ Klingt nach Enttäuschung, und die ist wohl auch vorhanden bei Ilona Belz und den übrigen Landfrauen aus Althütte. Schließlich schmücken die Mitglieder seit nunmehr 20 Jahren den Brunnen zu Ostern. Dann kam Corona, und nun das. „Wir haben letztes Jahr noch mal pausiert. Wegen der Pandemie fanden wir es immer noch zu heikel. Und dann war noch eine große Baustelle in Brunnennähe. Dieses Jahr wollten wir deshalb richtig durchstarten, und jetzt fällt die Aktion komplett flach, weil wir kein Grünzeug zusammenkriegen“, sagt die Vorsitzende der Landfrauen Althütte.

Auch wenn sie niemandem einen Vorwurf mache, frustrierend sei es schon, sagt die 65-Jährige und hat auch gleich eine Erklärung für die Situation parat: „Ich denke, die Probleme haben alle noch mit Corona zu tun. Das war ein richtiger Bruch, und alles muss neu aufgebaut werden. Jetzt ist zwar vieles wieder möglich, aber die Strukturen waren alle zusammengebrochen.“

Bisher gab es beim Osterbrunnen in Althütte keinerlei Probleme

In der Vergangenheit erinnert sich Belz – sie ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzende der Landfrauen Althütte – an keinerlei Probleme. Regelmäßig wäre im März ein Aufruf im Mitteilungsblatt der Gemeinde gekommen, und dann seien auch immer genügend Spenden an Grünzeug eingegangen, um die Girlanden komplett in Eigenregie zu binden. Es habe bisher stets „hervorragend funktioniert“. Für dieses Jahr ist die traditionelle Aktion nun abgeblasen, zu groß sei der organisatorische Aufwand, der auch noch die Planung des Ostermarktes beinhalte. Aber im neuen Jahr wollen die Althütter Landfrauen dann „mit neuem Elan“ durchstarten. „Wir werden über die Gemeinde gehen, so dass der Bauhof uns vielleicht etwas zur Seite legt und spendet, wenn Sträucher zurückgeschnitten werden. Das heißt, dieses Jahr findet nur der Ostermarkt statt, und im kommenden Jahr gibt es dann – eventuell mit ein wenig Hilfe – hoffentlich wieder einen schönen Osterbrunnen.“

Die Problematik können die Landfrauen in Schorndorf sehr gut nachempfinden. Denn auch dort schmückt der Brunnen zur Osterzeit nur mithilfe der Stadt den Marktplatz mit seiner prägnanten Fachwerkkulisse. „Es war schon ein wenig Überzeugungsarbeit nötig, aber es hat sich gelohnt, und die Stadt hat die Not erkannt“, sagt Rita Rost von den Schorndorfer Landfrauen. Früher hätten die meisten Mitglieder Gärten gehabt, da sei es kein Problem gewesen, genügend Grünzeug zusammenzubekommen. „Heute haben viele nur noch einen Balkon. Aber die Stadt sieht zum Glück, wie wichtig und ortsbildprägend der Osterbrunnen für den schönen Marktplatz ist“, sagt die Ansprechpartnerin der Schorndorfer Landfrauen.

Ein Problem sei auch der Generationswechsel. „Die Jüngeren beherrschen dann häufig die alte Kunst des Bindens nicht mehr.“ In der Praxis läuft es in Schorndorf deshalb schon länger so ab, dass ein Gärtner die benötigten Zweige für die Ostergirlanden stellt und auch bindet. „Und die Stadt kommt dafür auf, das ist richtig toll“, sagt Rita Rost und betont, dass es ohne dieses Arrangement schon länger nicht mehr gehen würde. „Aber um die Eier kümmern wir uns nach wie vor selbst und haben wieder stolze 2000 Stück aufgefädelt.“

In Fellbach ist die Lage bisher stabil

Auch in Fellbach liegen immer unzählige bunte Eier parat, wenn es wieder Zeit ist, sich zu treffen, um die Girlanden für den Osterbrunnen zu binden. Bisher ist die Lage dort noch recht entspannt, und die Fellbacher Landfrauen freuen sich bereits wieder auf den 21. März, den Tag des Bindens. Doch Doris Krauß aus dem Vorstand der Fellbacher Landfrauen weiß, dass sich das schnell ändern kann. „Stand jetzt müssten wir genug Zweige kriegen, damit es für die Girlanden reicht. Die Mitglieder mit Garten geben uns was. Das ist ein Glücksfall. Und dann machen wir noch einen Aufruf und bitten die Bürger um Spenden. Das hat bisher immer geklappt, und wir machen das schon viele Jahre. Ich hoffe auch dieses Mal das Beste“, sagt die 72-Jährige, die mit Birgit Burgel und Gerti Di Filippo den Vorstand bildet.

Aus den Unmengen an eigenen und gespendeten Zweigen werden Sträußlein zusammengesteckt, die mithilfe von Draht zu Girlanden gebunden werden. Im Nu wachsen so die Girlanden, die auf dem Brunnen und am Rand befestigt werden, auf mehrere Meter an. Auf die Girlanden kommen die bereits fertigen Plastikeier als Deko. Ein wenig österlichen Schmuck lässt man sich auch in Althütte nicht nehmen. Hasen und Eier aus Holz, die während der Pandemie in Fleißarbeit bemalt wurden, werden die Gemeinde schmücken. „Den Brunnen habe ich schweren Herzens abgesagt, aber die Holzdeko muss schon sein“, sagt Ilona Belz.

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