Landfrauen in Stetten Sie wollen ihr angestaubtes Image abstreifen

Manchmal wird bei den Stettener Landfrauen dann aber doch gebacken: Lore Vohl, Hildegard Müller, Claudia Kurz und Gertraud Stauch präsentieren das Ergebnis in der Kuchenstube der Stettener Kirbe. Foto: privat

Die Landfrauen Stetten bieten seit fünf Jahrzehnten mehr als Backen und Quatschen. Was sie antreibt und warum die Gruppe Verstärkung sucht.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Stetten - Gerade jungen Menschen ist es wichtig, möglichst plastikfrei zu leben. Sie sorgen sich um die Fische in den vermüllten Weltmeeren, wollen selbst kein Mikroplastik in ihrem Essen haben. Am Dienstag, 3. August, gehen aber auch die Landfrauen Stetten mit einer Referentin der Frage nach, wie ein Zuviel an Plastikmüll vermieden werden kann. Und räumen zugleich mit dem Vorurteil auf, dass sie sich nur zum Backen und Quatschen treffen. Den Stettener Landfrauen ist es wichtig, ihr „angestaubtes Image abzustreifen“, wie die Vorsitzende Hildegard Müller sagt.

 

Sie wollen zeigen, dass der Verein seit Jahrzehnten viel mehr zu bieten hat, dass er offen ist, für jüngere Themen und auch jüngere Frauen. Denn sie könnten Zulauf gebrauchen: die jüngste ist 44 und die älteste 90 Jahre alt. Wer mitmachen will, muss allein „Freude an der Natur und dem Gemeinwohl“ mitbringen. „Wir beschäftigen uns viel mit Ernährungsfragen“, sagt die Vorsitzende.

Wie Butter hergestellt wird

Die Gruppe besichtigt Betriebe, ein Besuch der Stuttgarter Markthalle ist in diesem Sommer geplant. Homöopathische Gartenführungen werden angeboten, genauso wie ein Vortrag über die Butterherstellung vom milchwirtschaftlichen Verein. Sie veranstalten mit dem Stettener Obst- und Gartenbauverein die Stettener Kirbe, verkaufen dort selbst gebackenen Kraut- und Zwiebelkuchen, schmücken jedes Jahr den Osterbrunnen. Noch gibt es ihr Programm nicht im weltweiten Netz, noch wird es im Bekanntenkreis verteilt und auch in örtliche Briefkästen geworfen. Noch verfügen sie über keine eigene Internetseite, eine solche Homepage soll aber künftig entstehen.

Den Verein gibt es mittlerweile seit 50 Jahren. Am 4. Juli hätten die 52 Stettener Landfrauen ihr Jubiläumsfest feiern wollen, wenn es denn keine Coronapandemie geben würde. Das Fest soll nun im kommenden Jahr nachgeholt werden. 13 Frauen aus Stetten, 15 Frauen aus Plattenhardt und elf aus Bonlanden – darunter viele Bäuerinnen – hatten sich im April 1971 zusammengetan, um Ausflüge zu unternehmen, sich zu Fragen der Ernährung und der Gesundheit auszutauschen. „Wir haben uns auch politisch engagiert“, sagt Hildegard Müller. Beispielsweise in Sachen Brustkrebsvorsorge und Mütterrente. Unterschriftenaktionen wurden gestartet und beim Bundestag eingereicht. „Das ist durchgegangen – dank unserer Mithilfe.“ Die ersten 20 Jahre gab es nur in den Wintermonaten Angebote. „Die Frauen konnten ja nur in der Zeit, weil über den Sommer hinweg die Arbeit auf dem Bauerhof gemacht werden musste“, sagt Hildegard Müller.

Zweimal Landfrauen in einer Stadt

Im Jahr 2006 hat sich der Verein dann von Bonlanden und Plattenhardt losgesagt. „Wir wollten selbstständig werden“, sagt Hildegard Müller. Kontakt gibt es weiterhin, es wird gemeinsam Sport gemacht, Veranstaltungen werden besucht. Aus dieser Geschichte heraus gibt es zwei Landfrauenvereine in Leinfelden-Echterdingen, einen Verein zu dem Echterdinger, Musberger und Leinfelder Frauen gehören und jenen in Stetten. Auch sonst hat sich das Bild geändert. In Stetten gibt es heute nur noch zwei Erwerbsbauern mit Hofläden, Viehzucht gibt es gar nicht mehr. Die Landfrauen sind keine Bäuerinnen mehr.

Seminar für Kurzentschlossene Das Tagesseminar „Auf den Spuren unseres Plastikmülls“ ist für Gäste offen und eine gute Gelegenheit bei den Stettener Landfrauen mal hineinzuschnuppern. Anmeldungen nimmt deren Vorsitzende, Hildegard Müller, bis Dienstag, 27. Juli, entgegen. E-Mail: Landfrauen-Stetten@gmx.de.

Weitere Themen