Landgericht Heilbronn 30-Jährige gesteht Babytötung

Von red/dpa 

„Wenn ich meine Kinder verliere, habe ich keinen Grund mehr, zu leben“, sagt die 30-Jährige vor dem Landgericht Heilbronn. Dort ist sie angeklagt, weil sie ein Baby kurz nach der Geburt erstickt hat.

Vor dem Landgericht Heilbronn hat eine 30-Jährige die Tötung ihres Babys gestanden. Foto: dpa
Vor dem Landgericht Heilbronn hat eine 30-Jährige die Tötung ihres Babys gestanden. Foto: dpa

Heilbronn - „Es ging um meine Existenz, um die Existenz meiner Kinder.“ Recht gut erinnert sich die 30 Jahre alte Frau an ihre Gefühle am 17. Februar 2017. „Ich war am Boden zerstört.“ Sie geht ins Bad, bringt ein Kind zur Welt. Doch als es schreit, drückt sie dem Jungen ein Tuch auf den Mund. Ihr Lebensgefährte sollte nicht mitbekommen, dass sie das Kind doch nicht mehr rechtzeitig abtreiben konnte. Das hatte sie ihm zugesagt. Schließlich war er „mit großer Wahrscheinlichkeit“ nicht der Vater, wie am Dienstag am Landgericht Heilbronn herauskommt. Dort muss sich die 30-Jährige wegen Totschlags verantworten.

Die Frau mit dem blonden Pferdeschwanz aus Steinheim an der Murr (Kreis Ludwigsburg) gibt unumwunden zu, ihren gerade geborenen Sohn Roman erstickt zu haben. Seine Mandantin sei „erschrocken über sich selbst“, heißt es in einer Erklärung, die der Anwalt vorträgt.

Es sei die Angst um ihre Partnerschaft und um ihre beiden Kinder aus vorangegangenen Beziehungen gewesen, die sie zu der Tat getrieben habe. Sie wollte das Kind geheim zur Welt bringen, es zu einer Stuttgarter Babyklappe bringen und später zu sich nehmen - wenn die Beziehung zu ihrem hintergangenen Lebensgefährten eventuell wieder gekittet wäre. Er musste verkraften, dass er nicht der Vater ist, und dass sich das Kind nicht mehr abtreiben ließ.

Zwei abgebrochene Schwangerschaften

In Russland geboren und aufgewachsen, kommt die jetzt Angeklagte mit 15 Jahren mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Deutschland. Erst nach Sachsen, recht bald nach Nordwürttemberg. Sprachprobleme werfen sie zurück, die Mittlere Reife macht sie mit 18. Kurz darauf wird sie das erste Mal schwanger, heiratet den Kindsvater. Doch der ist bald weg. 2008 dann die Scheidung. Zwei Jahre später kommt ihre Tochter zur Welt, aus einer Kurzzeitbeziehung. „Er wollte mit dem Kind nichts zu tun haben“, erzählt sie.

Ohne Ausbildung jobbt sie mal hier mal da. In der Gastronomie zunächst, auch bei einer Reinigungsfirma und in einer Fleischerei. Sie lebt allein mit den beiden Kindern. Drei weitere Schwangerschaften muss es in dieser Zeit gegeben haben, kommt vor Gericht heraus. Zweimal bricht sie die Schwangerschaft bewusst mit Tabletten ab. „Und eins ging von alleine ab“, erzählt die Frau.

Schwangerschaft lange geheim gehalten

Seit gut fünf Jahren lebt sie wieder in einer festen Beziehung, wie sie berichtet. Das Paar wohnt mit ihren heute elf und sechs Jahre alten Kindern in einem Dorf bei Steinheim an der Murr. Mit großer Wahrscheinlichkeit sei der Lebensgefährte nicht der Vater des Kindes, das sie am 17. Februar im Badezimmer erstickte, heißt es in der Erklärung, die der Anwalt am Dienstag vorträgt. Sie habe große Angst gehabt, ihn durch die Schwangerschaft zu verlieren und dann mit drei Kindern allein da zu sitzen. Mit einem Haufen Schulden. Vor einigen Jahren meldete sie Privatinsolvenz an. Daher habe sie auch ihrem Freund nichts erzählt und die Schwangerschaft so lange wie möglich geheim gehalten. Als er es doch erfuhr, habe sie ihn damit beruhigt, dass es für eine neuerliche Abtreibung nicht zu spät sei. War es aber längst.

Die Schwurgerichtskammer hat 14 Zeugen vorgeladen und zunächst fünf Verhandlungstage bis zum 26. Juli angesetzt. Wann das Urteil fällt, steht noch nicht fest.

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