Landgericht in Pretoria Für Oscar Pistorius tickt die Uhr

Oscar Pistorius und sein Anwalt Brian Webber  beraten sich in einer Pause. Foto: AFP
Oscar Pistorius und sein Anwalt Brian Webber beraten sich in einer Pause. Foto: AFP

In wenigen Tagen entscheidet das Gericht über die Strafe für Oscar Pistorius. Die letzten Zeugen sagen aus.

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Pretoria - Für Oscar Pistorius tickt die Uhr. Der wegen Totschlags für schuldig gesprochene südafrikanische Sportler wird in den kommenden Tagen erfahren, ob und für wie lange er ins Gefängnis muss. Der 27-jährige beinamputierte Läufer hat schlimmstenfalls mit einer 15-jährigen Freiheitsstrafe zu rechnen oder kann bestenfalls mit einer Geldstrafe davon kommen. Dazwischen ist alles möglich.

Am Montag begann vor dem Landgericht in Pretoria die Verhandlung um das Strafmaß des am 12. September des Totschlags für schuldig befundenen Olympioniken, die mehrerer Tage in Anspruch nehmen kann. Sowohl die Verteidigung wie die Anklage laden während der Verhandlung um das Strafmaß neue Zeugen vor, um mildernde oder verschärfende Umstände geltend zu machen.   Am Montagmorgen sagte zunächst die Psychologin Lora Hartzenberg für die Verteidigung aus, die den Verurteilten als Therapeutin betreut. Hartzenberg beschrieb Pistorius als einen „gebrochenen Mann, der alles verloren hat“. Er werde die Folgen der versehentlichen Tötung seiner Freundin Steenkamp„vermutlich niemals überwinden“. Die „maliziösen Medienberichte und Kommentare in der Öffentlichkeit“ hätten Pistorius’ Heilungschancen endgültig zerstört, fuhr die Psychologin fort. Sie selbst habe ihren Klienten als „respektvollen Menschen mit guten Manieren“ kennen gelernt.  

Eine bloße Geldstrafe scheint ausgeschlossen

Pistorius hatte Reeva Steenkamp am Morgen des 14. Februar 2013 in seinem Haus in Pretoria mit vier Schüssen aus seiner Pistole getötet – nach eigenen Angaben ein Versehen. Er habe gedacht, dass sich in der Toilette Einbrecher befanden. Dagegen war die Anklage davon ausgegangen, dass Pistorius Steenkamp im Streit erschossen hatte – und hatte eine Verurteilung wegen vorsätzlichen Mordes angestrebt.

Die Richterin Thokozile Masipa zeigte sich von der Beweisführung des Staatsanwaltes allerdings nicht überzeugt: Die Anklage habe versäumt, die Vorsätzlichkeit der Tat gegen alle Zweifel zu belegen. Masipa sprach Pistorius deshalb nur des Totschlags für schuldig – eine Entscheidung, die in Südafrika heftige Reaktionen auslöste. In manchen Kreisen wurde das Urteil als Beweis dafür gewertet, dass begüterte Angeklagte besser wegkämen als arme.

Nach südafrikanischem Recht kann Totschlag mit bis zu 15 Jahren Haft oder einer bloßen Geldbuße bestraft werden. Da die Richterin im Urteil von einem „schweren Fall der Nachlässigkeit“ sprach, scheint eine bloße Geldstrafe ausgeschlossen.  

Sozialarbeiter empfiehlt drei Jahre Hausarrest

Nach der Psychologin Hartzenberg sagte auch ein Sozialarbeiter im südafrikanischen Strafvollzug aus, der als Strafmaß drei Jahre Hausarrest mit sozialer Arbeit empfahl. Seine Empfehlung stieß beim Staatsanwalt auf Empörung. Sie sei „auf schockierende Weise unangemessen“.

Zu Wort kam auch Peet van Zyl, der Manager von Pistorius. Er beschrieb diesen als einen Sportler mit sozialem Gewissen: „Ich habe nie einen entgegenkommenderen und bescheideneren Menschen gesehen.“

Für Dienstag sind Aussagen von Zeugen der Staatsanwaltschaft vorgesehen, die für ein schärferes Strafmaß eintreten werden.




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