Landgericht Stuttgart Angeklagter aus Aidlingen legt umfassendes Geständnis ab

Auf die Spur des Angeklagten waren die Behörden meist durch Kontrollen auf Baustellen durch das Hauptzollamt gekommen. Foto: picture alliance/dpa/Daniel Vogl

Ein 36-Jähriger aus Aidlingen gab sich vor dem Landgericht Stuttgart geständig: Er habe illegal Arbeiter für seine Baustellen eingeschleust. Seine Absichten seien aber gut gewesen.

Ein bis Mitte Mai geplanter Prozess um jahrelange illegale Einschleusungen von Ausländern auf Baustellen wird deutlich früher zu Ende gehen. Am zweiten Prozesstag einigen sich Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf eine so genannte Prozessverständigung. Demnach wurde dem Angeklagten für den Fall eines Geständnisses ein Strafrahmen zwischen drei Jahren und neun Monaten sowie vier Jahren und drei Monaten in Aussicht gestellt. In der Folge legte der 36-Jährige über seine Anwältin Sarah Burkhard ein umfassendes Geständnis ab.

 

Der Inhaber einer Einzelfirma für Maurer- und Betonarbeiten, Eisenflechten und Gartenbau in Aidlingen ließ erklären, er habe bei den Taten keine schlechten Absichten gehabt. Er habe in Deutschland keine geeigneten Arbeiter für seine Baustellen gefunden.

Der Angeklagte bereut die Taten

In Serbien sei hingegen die wirtschaftliche Not groß, die Leute würden Hände ringend nach Arbeit suchen. Ihm sei bewusst, dass er falsch gehandelt und seine Familie in eine schwierige Situation gebracht habe. Er sei der Alleinversorger seiner Familie mit drei Kindern gewesen, von denen eines unter einer Krankheit aus dem Autismus-Spektrum leide. Er bereue die Taten und übernehme die Verantwortung.

Der Prozess fand am Landgericht Stuttgart statt. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern und gewerbsmäßige Urkundenfälschung in 58 Fällen vor. Wie er nunmehr zugab, hat er in seiner Firma in Aidlingen zwischen 2020 und 2025 zahlreiche Ausländer ohne entsprechenden Aufenthaltstitel in Deutschland beschäftigt. Er hatte ihnen – meist gegen Bezahlung von 200 Euro – gefälschte Reisepässe, ID-Karten, Führerscheine und Aufenthaltstitel verschafft. Zudem habe er die Personen zum Teil unter Mindestlohn bezahlt und sie nicht oder unter falscher Identität als EU-Bürger angemeldet, um damit Sozialabgaben und Lohnsteuer zu sparen.

Der Großteil seiner Arbeiter waren serbische Staatsangehörige, denen er meistens eine kroatische ID-Karte und andere erforderliche Unterlagen ausgestellt hatte. Einige stammten jedoch auch aus Syrien, Georgien, Moldawien, Mazedonien oder Bosnien-Herzegowina. Neben kroatischen Ausweisen hatte der 36-Jährige auch mehrfach bulgarische oder slowenische Dokumente benutzt.

Gefälschte Dokumente bei Verkehrskontrollen vorgezeigt

Auf die Spur des Angeklagten waren die Behörden meist durch Kontrollen auf Baustellen durch das Hauptzollamt gekommen, unter anderem für die Albkaserne in Stetten am kalten Markt. Ins Visier der Behörden kamen einige der Arbeiter aber auch, als sie die gefälschten Dokumente bei Verkehrskontrollen vorzeigten oder sich bei einer anderen Baufirma bewarben.

Als Wertersatz will die Staatsanwaltschaft vom Angeklagten 4840 Euro einziehen. Der Prozess wird am 25. März fortgesetzt, voraussichtlich soll dann auch schon das Urteil verkündet werden.

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