Landgericht Stuttgart Falscher Stromableser wandert hinter Gitter

Von George Stavrakis 

Das Landgericht Stuttgart hat einen Mann verurteilt, der sich als Stromableser ausgegeben und einen Senior geschlagen und beraubt hatte. Der Täter hatte einst als Polizist gearbeitet.

Weil er mit einem unbekannten Komplizen einen Mann in dessen Wohnung überfallen hat, wandert ein 52-Jähriger hinter Gitter. Foto: dpa
Weil er mit einem unbekannten Komplizen einen Mann in dessen Wohnung überfallen hat, wandert ein 52-Jähriger hinter Gitter. Foto: dpa

Stuttgart - Vier Jahre und sechs Monate Gefängnis – so lautet das Urteil gegen einen Mann, der einen 70-Jährigen in dessen Wohnung in Zuffenhausen überfallen, geschlagen und beraubt haben soll. Der Angeklagte sei des Raubes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig, so die Richter der 17. Strafkammer des Landgerichts. Damit ist die Kammer dem Strafantrag von Oberstaatsanwalt Thomas Hochstein gefolgt. Verteidiger Walter Ortwein hatte keinen konkreten Antrag gestellt, aber explizit auf das Geständnis seines Mandanten hingewiesen.

Seine Kokainsucht und der mehr als schlechte Einfluss eines Gastes seiner Bar hätten ihn letztlich auf die Anklagebank gebracht, hatte der 52-Jährige gesagt. Er sei mit dem Mann, von dem er nicht mehr wisse als seinen Spitznamen Ricky, in der Bar gesessen und habe Kokain geschnupft. Als kein weißes Pulver und auch kein Geld mehr da gewesen seien, habe Ricky gesagt: „Ich weiß jemanden, der Geld hat.“ Man könne sich, falls jemand da sei, als Stromableser ausgeben. „Ansonsten wollte Ricky durchs Fenster einsteigen“, so der Angeklagte.

10 000 Euro Beute, die das Opfer am Leib trug

Die zwei Männer fuhren also am 24. April 2017 nach Zuffenhausen und klingelten gegen 14.15 Uhr in der Stammheimer Straße an der Wohnungstür eines 70 Jahre alten Mannes. Ihre Legende: Im Haus werde illegal Strom abgezapft, man sei hier, um das zu überprüfen. Der Mann öffnete also – und wurde sofort mit Schlägen ins Gesicht eingedeckt. Die Täter hielten ihm den Mund zu und prügelten weiter. Offenbar wussten die Männer, dass der Geschädigte, der als Gebrauchtwagenhändler arbeitet, Geld am Körper trägt. Ein Täter hielt ihn am Boden fest, der andere zog dem 70-Jährigen mehrere Plastiktüten mit Bargeld aus der Hose. Am Ende flüchteten der ominöse Ricky und der Angeklagte mit rund 10 000 Euro.

So ganz wollten die Richter der Version des 52-Jährigen, der einst in Bosnien als Polizist gearbeitet hatte und 1988 vor dem Krieg nach Deutschland geflohen war, nicht folgen. Er hatte bei seinem Geständnis gesagt, Ricky habe die Idee gehabt, Ricky habe den Senior geschlagen, Ricky habe das Geld aus der Hose gezogen, Ricky habe das Geld nach Flucht behalten. Ricky ist verschwunden.

In Kroatien festgenommen

Am Ende fiel das allerdings nicht ins Gewicht. Selbst wenn die Version des Angeklagten stimmte, muss er sich das Tun des Ricky als Mittäter zurechnen lassen. Er sei des Raubes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig und werde zu viereinhalb Jahren verurteilt, so Vorsitzende Richterin Jasmin Neher-Klein.

Der Vater einer Tochter war anhand eines DNA-Treffers als Täter identifiziert worden, am 1. September 2018 in Kroatien festgenommen und schließlich ausgeliefert worden.

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