Gewaltexzess nach Liebesnacht Der Freundin ein Messer ins Ohr gerammt

Von George Stavrakis 

Es sollte eine Liebesnacht werden. Am Ende lag die junge Frau blutend auf dem Boden. Jetzt muss sich ein 21-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten.

Vorerst will sich der Angeklagte nicht zu den schweren Vorwürfen äußern. Foto: dpa
Vorerst will sich der Angeklagte nicht zu den schweren Vorwürfen äußern. Foto: dpa

Stuttgart - Eine Liebesnacht mit blutigem Ausgang: Ein heute 21 Jahre alter Mann soll seine zwei Jahre jüngere Freundin Mitte November 2017 in einem Hotel in Stuttgart wüst malträtiert haben. Der Exzess, dessen Ursache völlig unklar ist, gipfelte laut Anklage darin, dass der Mann der 19-Jährigen ein Messer ins linke Ohr gestoßen hat. Der Crailsheimer steht seit Mittwoch als zur Tatzeit Heranwachsender wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor der 2. Jugendstrafkammer des Landgerichts.

Einen Monat lang war das Paar getrennt, eine Nacht in einem Luxushotel an der Willy-Brandt-Straße in der Stadtmitte sollte ein Neubeginn sein. „Am Anfang war es sehr schön“, sagt die junge Frau. Man habe sich im Spa-Bereich des Hotels vergnügt und Essen aufs Zimmer bestellt: Pizza und Spaghetti. Danach ging es gemeinsam ab in die Badewanne. Kurz darauf habe ihr Freund über Bauchschmerzen geklagt, sagt die Frau. Aus der Liebes- sollte eine Horrornacht werden.

Glasflasche auf dem Kopf zerschlagen

Er habe sie für sein Unwohlsein verantwortlich gemacht, sagt die Frau. Sie habe irgendetwas mit seinem Körper getan. „Und schon bekam ich die erste Faust“, sagt die heute 20-Jährige. Dazu muss man wissen, dass der Angeklagte laut Aussage des Opfers empfindlich auf Eier reagiert. Spaghetti Carbonara werden mit Eiern zubereitet.

Erst soll der Mann seine Freundin mit Faustschlägen eingedeckt haben, ehe er ihr eine Glasflasche auf dem Kopf zerschlug. Dann habe der 21-Jährige ein Messer, das mit dem Essen aufs Zimmer geliefert worden war, genommen und ihr ins linke Ohr gestoßen. „So, jetzt ist es vorbei für dich“, soll er gesagt haben. „Ich habe um mein Leben geschrien“, sagt die Frau und bricht in Tränen aus.

Sie habe versucht zu fliehen. Der Mann jedoch habe sie an den Haaren ins Badezimmer gezogen und sie zu würgen begonnen. „Ich bringe dich um und bekomme einen Freispruch, weil du mich vergewaltigt hast“, soll der Angeklagte gesagt haben. Damit sei der Gewaltausbruch aber noch nicht beendet gewesen. Die Frau berichtet von weiteren Schlägen und davon, dass er sie wieder gewürgt habe – bis Hotelmitarbeiter an die Tür getrommelt und gerufen hätten, die Polizei sei alarmiert.

„Er hat sich sogar noch abgeduscht, weil er voll Blut war“, sagt die junge Frau. „Und jetzt sitzt er ganz nett da“, fährt sie fort.

Der Angeklagte schweigt – vorerst

Oberstaatsanwalt Albrecht Braun listet die Verletzungen des Opfers auf: massive Würgemale, Hämatome am ganzen Körper, vor allem im Gesicht, mehrere Bisswunden, oberflächliche Schnitte am ganzen Körper von der zerbrochenen Glasflasche und eben die Stichverletzung am und im linken Ohr. Das Messer habe die Hauptschlagader nur knapp verfehlt, so Ankläger Braun.

Der berufslose Mann, der bereits wegen Einbrüchen im Jugendgefängnis gesessen hat und der ein Kokainkonsument sein soll,  wird sich auf Anraten seines Vertei­digers Markus Okolisan vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Das Paar hatte sich im Mai 2016 übers Internet kennengelernt. „Total verliebt“ sei sie gewesen, so die Frau. Regelrecht hinterhergelaufen sei sie ihm, obwohl er sie schon früher kontrolliert und geschlagen habe. Wochenlang sei sie mit blaugeschlagenen Beinen herumgelaufen. Sie berichtet auch von einem angebrochenen Jochbein. Der Prozess wird am 18. Juni fortgesetzt.

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