Landgericht Ulm Prozess um Bluttat in einer Metzgerei

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Vor dem Landgericht Ulm hat der Prozess gegen einen Mann begonnen, der seine ehemalige Lebensgefährtin in Donzdorf erstochen haben soll. Er sagt, zur Tat sei er provoziert worden. An das, was folgte, will er keine Erinnerung haben.

In dieser Metzgerei hat die schwangere Frau Schutz gesucht – vergeblich. Foto: SDMG
In dieser Metzgerei hat die schwangere Frau Schutz gesucht – vergeblich. Foto: SDMG

Ulm/Donzdorf - Die Oberärztin Elisabeth Mützel vom Münchner Institut für Rechtsmedizin tritt als Zeugin vor dem Ulmer Landgericht auf. Sie war an der Obduktion einer 25 Jahre alten Frau beteiligt, die am 4. April in einer Metzgerei in Donzdorf niedergestochen wurde. Von 21 Stichen in Hals, Brust und Rücken erzählt die Professorin. Die 14 Zentimeter lange Klinge des Tatmessers sei „in Gänze eingesetzt worden“. Und wohl mit größter Wucht. An einer Stelle sei das Schulterblatt des Opfers durchstochen worden. Die Frau, Mutter dreier Kinder und im dritten Monat schwanger, verblutete noch am Tatort.

Der Mann, der so gewütet haben soll, ist ihr 37 Jahre alter früherer Lebensgefährte. Von der Anklagebank aus hört er ohne erkennbare Regung zu. Er selber hat zu diesem Zeitpunkt bereits ausführlich geredet und dabei die Anklage der Staatsanwaltschaft in einem wesentlichen Punkt zurückgewiesen. Der Oberstaatsanwalt Stefan Adamski geht von einem geplanten, heimtückischen Mord aus, begangen aus einem „absoluten Besitzstandsdenken heraus“. Die Frau habe sich einem neuen Partner zugewandt, das ungeborene Kind stammte von diesem Mann. „Nur der Tod“ der Frau, so Stefan Adamski, habe nach der Vorstellung des Angeklagten dessen „Ehre“ wieder herstellen können.

Staatsanwaltschaft: „Absolutes Besitzstandsdenken“

Die Messerattacke in der Donzdorfer Metzgerei, in die sich die Frau in ihren letzten Momenten zu flüchten versuchte, ist von vielen Augen beobachtet worden. Die drei Kinder, deren Vater der Angeklagte ist, sahen ebenfalls von der Straße aus zu. Es würden im Prozess noch Zeugen erscheinen, deutet die Staatsanwaltschaft an, die gesehen und gehört hätten, wie der Täter den Kindern bei der Flucht auf die Stirnen geküsste hätte „mit dem Kommentar, dass sie nun alleine seien“.

Im Kopf sei alles schwarz, sagt der Angeklagte

An diese Szene ebenso wie an den Angriff zuvor will sich der 37-Jährige nicht erinnern können. In seinem Kopf sei „alles schwarz“, sagt er. Es sind die Worte, wie sie die Türkisch-Übersetzerin dem Gericht wiedergibt. Von dem neuen Mann und der Schwangerschaft habe er schon gewusst, so der Angeklagte. Nach Donzdorf sei er an diesem Montagmorgen mit dem Bus gefahren, um mit der Ex-Lebensgefährtin über die Kinder zu reden. Er habe den Weg über Wodka getrunken. Beim Zusammentreffen sei er schwer beleidigt worden.

Der Richter Gerd Gugenhan fragt: Warum eine Aussprache über die gemeinsamen Kinder mit einem Messer in der Tasche? Das Messer, so rechtfertigt sich der Angeklagte, habe er später an seine neue Arbeitsstelle in einem Supermarkt in Süßen mitnehmen wollen – dort sei das Arbeitsgerät an der Fleischtheke immer so stumpf gewesen. Warum dann aber, so insistiert Gugenhan weiter, dann noch eine SMS an die Ex-Partnerin am frühen Morgen des Tattages mit dem Inhalt „Ich gehe jetzt arbeiten“? Um sie in Sicherheit zu wiegen und sie zu einem Zeitpunkt, wo sie wie immer Richtung Kindergarten unterwegs sei, zu überrumpeln? Nein, sagt der Angeklagte, er habe nur reden wollen. „Wie haben die Kinder auf Sie reagiert?“, will der Richter wissen. Antwort: „Ich kann mich nicht erinnern.“

Vor der Bluttat 456 unerbetene Nachrichten

Der Oberstaatsanwalt Adamski erinnert an 456 SMS- und Whatsapp-Nachrichten, die der Angeklagte in den zwei Wochen vor der Tat an die Frau geschickt hatte, die ihn wegen seiner Gewalttätigkeiten verlassen hatte. Eine Nachricht laute, der neue Freund der Frau solle „vor ihn treten, damit wir das zusammen regeln können.“ Wieder macht der 37-Jährige Erinnerungslücken geltend. Stefan Adamski bemerkt, das Gedächtnis streike offenbar „immer, wenn’s interessant wird“.

Der Gynäkologe der Toten tritt in den Zeugenstand. Die Schwangerschaft der Frau sei unkompliziert verlaufen. Bei der letzten Untersuchung am 1. April, so der Arzt, „hat sie gesagt, dass ihr Mann Morddrohungen gegen sie ausgesprochen hat.“ Der Prozess wird am 16. November fortgesetzt, bis Ende des Monats will die Kammer zu einem Urteil kommen.




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