Landkreis Böblingen Nachfrage bei Corona-Testzentren nimmt deutlich ab

Deutlich steigende Infektionszahlen für den Herbst erwartet Apotheker Björn Schittenhelm (Symbolbild). Foto: Eibner-Pressefoto//Weber

Seit diesem Montag sind Coronatests für den Großteil der Bevölkerung kostenpflichtig. Das lässt die Nachfrage in den Testzentren weiter sinken. Doch sinnvoll bleiben sie trotzdem.

Kreis Böblingen - Testen galt lange als das wichtigste Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Doch seitdem es Impfungen gibt – und spätestens jetzt, da die Schnelltests nicht mehr für alle Bürgerinnen und Bürger kostenlos sind – ist die Nachfrage der Testwilligen stark gesunken. „Wir hatten in dieser Woche etwa 100 bis 150 Tests pro Tag“, sagt der Holzgerlinger Apotheker Björn Schittenhelm. Zum Vergleich: Als die Tests noch nicht kostenpflichtig waren, seien es 250 bis 500 am Tag gewesen.

 

Personal stark reduziert

Bereits im vergangenen Dezember hatte Björn Schittenhelm als erster Apotheker Deutschlands sein Schnelltestzentrum in Holzgerlingen eröffnet. Es folgte ein flächendeckendes Schnelltestangebot im ganzen Landkreis, das sogenannte Böblinger Modell. Schnell kamen neben den fünf Testzentren in Böblingen, Herrenberg, Holzgerlingen, Sindelfingen und Leonberg weitere Teststellen hinzu. Im Frühjahr dieses Jahres lag die Zahl zeitweise bei über 160 Testanlaufstellen. Der deutliche Rückgang bei der Nachfrage hatte auch für die Mitarbeitenden der Schnelltestzentren Konsequenzen: „Wir haben deutlich Personal reduziert“, sagt Schittenhelm. Viele Mitarbeiter seien jedoch ursprünglich in der Gastronomie- oder Kulturbranche tätig gewesen. Da diese Bereiche wieder deutlich mehr zu tun hätten, stünden glücklicherweise die meisten noch in einem Berufsverhältnis.

Private Anbieter „um die Ecke“ verschwinden

Eine weitere Konsequenz der geringeren Testnachfrage sei die Ausdünnung der Testinfrastruktur im Kreis, erläutert Schittenhelm. Die vier Hauptstandorte im Kreis sind noch als Testzentren aktiv – in Leonberg wurde die h&h Apotheke zur Teststelle. Doch viele kleinere „Satellitenstandorte“ seien geschlossen worden. Zudem wurden die Öffnungszeiten an die geringere Nachfrage angepasst: „Im Frühjahr hatten fast alle Testzentren zwölf Stunden am Tag geöffnet, jetzt eher acht Stunden“, sagt Björn Schittenhelm.

Und was geschieht mit den ganzen kleinen Teststellen „um die Ecke“? „Unser Gefühl ist, dass die meisten privaten Testzentren schließen“, sagt Schittenhelm. Der Test-Markt „konsolidiere“ sich auf die größeren Kreis-Testzentren. „Jetzt regelt es der Markt – Angebot und Nachfrage“, sagt Landkreissprecher Benjamin Lutsch. Der Landkreis könne zwar auch den sogenannten privaten Anbietern – also jenen, die keine Apotheker oder Mediziner sind – Genehmigungen für Teststellen erteilen, doch die Kostenpflichtigkeit der Tests schrecke viele Anbieter wohl ab. Zudem sei die politische Marschrichtung klar: Der Schwerpunkt solle auf das Impfen gesetzt werden, so Lutsch.

„Starker Anstieg an Infektionen wird kommen“

„Wir werden uns die Entwicklung im Oktober und November anschauen“, sagt Björn Schittenhelm. Der Wunsch des Landkreises sei es gewesen, die Testinfrastruktur für den Herbst aufrechtzuerhalten. „Wir gehen fest davon aus, dass in den nächsten vier Wochen wieder ein starker Anstieg an Infektionen kommt“, sagt Schittenhelm. Er hoffe, dass sich noch viele Menschen impfen ließen, doch gelte auch nach wie vor das Ziel: Infizierte durch Testen identifizieren. Und damit Infektionsketten unterbrechen.

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