Landkreis Böblingen Zu schnell, zu laut und ohne Führerschein

Zwischen Herrenberg und Nagold wurden am Samstag zahlreiche Motorradfahrer Foto: factum/Bach
Zwischen Herrenberg und Nagold wurden am Samstag zahlreiche Motorradfahrer Foto: factum/Bach

Da die Zahl der Motorradunfälle im Landkreis Böblingen von Januar bis August um mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist, hat die Polizei am Samstag 150 Biker kontrolliert. Das Resultat: 27 Anzeigen und 22 Mängelberichte.

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Herrenberg - Mehr als 150 Motorradfahrer, die am Samstagmittag bei strahlendem Sonnenschein zum Abschluss der Motorradsaison über die B 28 gen Schwarzwald fuhren, mussten zwischen Herrenberg und Nagold eine Zwangspause einlegen. Die Polizei hatte dort für knapp zwei Stunden eine Kontrollstelle eingerichtet und winkte alle motorisierten Zweiradfahrer auf einen Parkplatz. Einerseits, um zu kontrollieren, ob die Maschinen den geforderten technischen Voraussetzungen entsprechen und die Fahrer ordnungsgemäß unterwegs sind. Andererseits, um mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen und sie für die Gefahren bei ihren Motorradtouren zu sensibilisieren. Die kurvenreiche Strecke durch die Natur ist bei Motorradfahrern sehr beliebt. Am Ende standen 27 Anzeigen wegen unterschiedlicher Verstöße und 22 Mängelberichte. Bei sieben Motorrädern stellten die Beamten ein Erlöschen der Betriebserlaubnis fest.

Dass die Schwerpunktkontrolle am Rande des Landkreises Böblingen auf einer von Motorradfahrern viel genutzten Strecke stattfand, hatte einen einfachen Grund. „Von Januar bis August ist die Zahl der Motorradunfälle im Kreis Böblingen gegenüber dem Vorjahr um mehr als zehn Prozent gestiegen“, sagte der Polizeihauptkommissar Jörg Kußmaul von der Polizeidirektion Ludwigsburg. Gemeinsam mit 14 weiteren Kollegen war er an den Kontrollen der „Qualifizierten Verkehrsüberwachungseinheit der Polizeidirektion“ beteiligt, die auch über das nötige technische Knowhow bei der Kontrolle von Motorrädern verfügt.

Polizisten erkennen auch technische Veränderungen

Technische Fachkenntnisse waren bei der Schwerpunktkontrolle zuhauf gefragt. Schließlich galt es nicht nur offensichtliche Mängel, sondern auch bisweilen raffinierte Veränderungen an den zweirädrigen PS-Boliden zu entdecken. Mehrfach stellten die Beamten bei den Kontrollen fest, dass sogenannte dB-Eater entfernt waren, die zu einem besseren Sound bei den Motorrädern führen. „Das aber führt zum Erlöschen der Betriebserlaubnis“, erklärte Kußmaul. Diese technische Veränderung kann aber auch noch eine andere Folge haben. Im Falle eines Unfalls gibt es keinen Versicherungsschutz. „Ob sich das lohnt, nur um einen besseren Sound zu haben, bezweifle ich“, sagte Kußmaul. Um den Motorradfahrern den Spaß an ihrer Leidenschaft nicht ganz zu verderben, wurden soweit möglich, keine direkten Fahrverbote ausgesprochen. „Wir könnten die Fahrzeuge auch sofort stillegen“, erklärte Kußmaul. Stattdessen wurden die Motorradfahrer aber meist nur dazu verdonnert, ihre Maschine auf dem kürzesten Weg nach Hause oder in eine Werkstatt zu steuern.

Für einen Motorradfahrer endete die Ausfahrt dennoch abrupt am Kontrollpunkt. Weil er, so das Ergebnis der Kontrolle, nicht die nötige Fahrerlaubnis für die von ihm gefahrene Maschine besaß, musste er sein Motorrad stehen lassen „und wird nun wohl auch Post von der Staatsanwaltschaft bekommen – wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis“, sagte Kußmaul.

Schnellster Biker war mit 142 km/h unterwegs

Abgefahrene oder nicht für die Maschine zugelassene Reifen, bauliche Veränderungen ohne technische Abnahme aber – wie in einem Fall vor der Kontrollstelle gemessen – deutlich überhöhte Geschwindigkeit –, waren die Hauptursachen für die an diesem Tag geschriebenen Mängelberichte oder Anzeigen. Der schnellste Biker war mit Tempo 142 unterwegs, erlaubt ist an der Stelle nur eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern. Nicht zuletzt ein falscher Winkel des am Motorrad montierten Kennzeichens wurde häufig festgestellt.

Die meisten Motorradfahrer nahmen die Kontrolle sehr gelassen hin. „Es ist gut, wenn solche Kontrollen stattfinden“, findet Stefan Kirschbaum, der auf dem Heimweg vom Urlaub am Gardasee kurz vor seinem Zielort in die Kontrolle kam. „Wenn man von Italien kommt, dann ist man solche Kontrollen eh gewohnt“, so der passionierte Motorradfahrer der bei seiner jüngsten Tour auch selbst wieder Situationen mit Bikern erlebt hat, die ihm nicht behagt haben, weil beispielsweise das Tempo nicht angepasst gewesen ist.




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