Der Übergang von der Schule zum Beruf ist für viele nicht einfach. Foto: picture alliance/Rupert Oberhäuser
Die Jugendberatung der Karlshöhe in Ludwigsburg unterstützt Jugendliche im Landkreis beim Übergang von der Schule in den Beruf. Wegen Kürzungen muss das Angebot zurückgefahren werden.
Kathrin Klette
03.02.2026 - 13:48 Uhr
Immer mehr junge Menschen in Baden-Württemberg sind auf staatliche Hilfen angewiesen. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab es im August 2025 fast 67.000 Erwerbsfähige unter 25 Jahren, die eine Grundsicherung benötigten. Das ist ein Viertel mehr als noch 2019. Und nur die wenigsten davon schaffen gleich im ersten Anlauf den Übergang in eine Ausbildung und einen sicheren Beruf.
Selbst für Jugendliche, die nicht aus prekären Verhältnissen stammen, ist es oft schwierig, eine Ausbildung zu finden und auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Eine Einrichtung, die dagegenhält, ist die Jugendberatung der Karlshöhe in Ludwigsburg. Sie unterstützt junge Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf: Jungen und Mädchen, von Hauptschule, Realschule, Gymnasium, auch ohne Schulabschluss, aus allen Gesellschafts- und Bildungsschichten.
Zuschüsse würden gekürzt
Dass im Zuge der kreisweiten Sparmaßnahmen auch hier die Zuschüsse gekürzt wurden und das Beratungsangebot fortan eingeschränkt werden muss, bereitet den Verantwortlichen Sorgen.
Da ist zum Beispiel die Geschichte von Sascha (Name von der Redaktion geändert). Sascha war nicht freiwillig hier. Er hat wegen anderer Vergehen vom Gericht die Auflage erhalten, an vier Sitzungen der Jugendberatung der Karlshöhe in Ludwigsburg teilzunehmen. Erst kommt er nur sporadisch, lässt Termine ausfallen, zeigt wenig Interesse.
Im Laufe der Beratungen zeigt sich aber: Eigentlich möchte Sascha ja eine Ausbildung, nur haben ihm bisher die Motivation und der Anstoß gefehlt. Später kommt er sogar freiwillig zu weiteren Gesprächen, holt sich Unterstützung beim Erstellen einer Bewerbung – und findet am Ende einen Ausbildungsplatz.
Es ist eines von vielen positiven Beispielen, von denen Alexander Hinz, Geschäftsbereichsleiter der Kinder- und Jugendhilfe, erzählt. In dem Fall sogar ein recht aktuelles. Denn die Beratung als Teil gerichtlicher Auflagen gibt es erst seit ein paar Jahren. Die meisten Jugendlichen kommen freiwillig. Aber um was genau geht es bei der Jugendberatung?
Mehr als 500 Jugendliche in einem Jahr beraten
„Es ist ein offenes und freiwilliges Angebot für jeden“, erklärt Alexander Hinz. Manche der jungen Besucher haben schon recht genaue Vorstellungen und suchen nur jemanden, der einen Blick auf ihre Bewerbungsmappe wirft. „Andere kommen und haben noch überhaupt keine Vorstellung von ihren Optionen.“ Doch es geht nicht allein um Bewerbungen. „Wir beraten auch bei familiären Konflikten, bei drohender Obdachlosigkeit oder helfen jungen Menschen durch den Behördendschungel, wenn es zum Beispiel um Bafög oder andere Beihilfen geht.“
„Es gibt immer mehr Jugendliche mit herausfordernden Bedarfen.“ Alexander Hinz von der Karlshöhe Ludwigsburg. Foto: Karlshöhe Ludwigsburg
Die Beratungsstunden, die abwechselnd an unterschiedlichen Standorten im Kreis stattfinden, sind immer gut besucht, 2024 kam das Beratungsteam auf 1187 Termine mit insgesamt 524 Jugendlichen. Interessant ist dabei: Die Zahl, der Jugendlichen, die das Angebot annehmen, habe sich über die vergangenen Jahre gar nicht so sehr verändert, wie man anhand der IAB-Zahlen meinen könnte, so Hinz. Allerdings sind die Probleme und Anforderungen derer, die Hilfe suchen, sehr viel größer geworden.
„Es gibt immer mehr Jugendliche mit herausfordernden Bedarfen“, erklärt er. „Und sie bringen nach der Schule immer weniger Ausbildungsreife mit.“ Die Gründe dafür sind vielgestaltig. „Vor allem ist die Welt anders geworden, sie ist schneller, herausfordernder. Das macht es schwieriger, die jungen Menschen so auf die Welt vorzubereiten, wie sie es bräuchten.“
Im Grunde bräuchte man also mehr Angebote als weniger. Aufgrund der miserablen Haushaltslage muss der Landkreis jedoch 2026 zahlreiche Ausgaben kürzen. Auch Präventivangebote wie die Jugendberatung sind davon betroffen, deren Beitrag um zehn Prozent auf knapp 100.000 Euro gekürzt wurde. Aufgrund steigender Ausgaben bedeute das in der Umsetzung allerdings eine Reduzierung des Angebots um 20 Prozent.
Um das auszugleichen, soll das beim Landkreis ansässige Job-Center ebenfalls Beratungen übernehmen. „Das wird man dort aber nicht alles auffangen können“, befürchtet Alexander Hinz. Zudem sei die Hemmschwelle, zu einer offenen Beratung zu gehen, viel niedriger und der Gang zum Job-Center für viele mit einem Makel behaftet. Hinzukommt, dass die Karlshöhe sich über die Jahre ein gutes Netzwerk mit Kontakten zu unterschiedlichen Arbeitgebern aufgebaut habe.
„Das Schlimme bei all den Kürzungen im Präventivbereich ist: Kurzfristig wird man die Auswirkungen gar nicht so merken.“ Langfristig schlage so etwas aber zurück. „Und dann hat man in einigen Jahren viel mehr Menschen in den sozialen Systemen, und damit viel höhere Folgekosten für alle.“