Landratsamt lehnt Rotoren ab Lichtenstein-Kulisse bleibt frei von Windrädern

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Der Widerstand war groß aus Sorge, dass das romantische Panorama des Schlosses verschandelt würde. Nun atmen die Gegner auf.

Die Gegner der Windräder haben ihre Argumente in ein Bild umgesetzt: So ähnlich hätte es ausgesehen, wenn die Windräder gebaut worden wäre, arguemntierten sie – erfolgreich. Foto: Initiative Gegenwind Engstingen
Die Gegner der Windräder haben ihre Argumente in ein Bild umgesetzt: So ähnlich hätte es ausgesehen, wenn die Windräder gebaut worden wäre, arguemntierten sie – erfolgreich. Foto: Initiative Gegenwind Engstingen

Reutlingen - Der Blick auf das Schloss Lichtenstein, das auf einem Felssporn über dem Echaztal thront, soll unbeeinträchtigt bleiben von Windrädern, die auf dem Hohfleck bei Sonnenbühl-Undingen geplant waren. So sieht es eine Entscheidung des Landratsamts in Reutlingen vor, die der parteilose Landrat Thomas Reumann jetzt verkündet hat.

Die untere Denkmalbehörde des Kreises hatte ein Gutachten erstellt, auf dem die Ablehnung jetzt beruht. Darin wird betont, dass die Landschaft und das Schloss zusammengehörten und dass auch die Sicht-Achsen ein Teil des Gesamtkonzepts seien. Die Denkmalschützer argumentieren, dass das Schloss, errichtet in den Jahren 1840 bis 1842, bewusst in die Landschaft hineinkomponiert worden sei. Einzigartig macht das Schloss zudem, dass es dem Bauwerk in Wilhelm Hauffs Roman „Lichtenstein“ nachempfunden worden ist – die Wirklichkeit folgte dem Roman. Auch aus diesem Grund gilt es als ein Hauptwerk der Romantik in Deutschland.

Firma denkt über Klage nach

Roland Heinrich von der Firma Sowitec, die weltweit tätig ist, aber in Sonnenbühl sitzt, kann die Entscheidung nicht nachvollziehen: „Wir hatten schon länger ein Gutachten vorgelegt, das zeigt, dass keine Beeinträchtigungen zu befürchten wären.“ Auch zahlreiche Visualisierungen sollten dies untermauern. Das Unternehmen will die Ablehnung ihres Bauantrags nun prüfen – innerhalb von vier Wochen könnte Sowitec Widerspruch einlegen und damit den juristischen Weg beschreiten. Geplant waren fünf Windräder, jedes mit einer Höhe von rund 200 Metern. Der bisher investierte Betrag sei beträchtlich, so Heinrich.

Sabine Wälder, die Sprecherin der Bürgerinitiative Rettet den Lichtenstein, ist erleichtert: „Wir sind sehr sicher, dass jetzt keine Windräder mehr kommen werden.“ Die Arbeit in den vergangenen zwei Jahren sei sehr zeitaufwendig gewesen, und sie sei froh, dass es nun vorbei sei. Im Genehmigungsverfahren hatte es die Bürgerinitiative erreicht, dass 18 000 Bürger Einsprüche erhoben haben. Ihr Vertrauen in die Behörden sei mit der eingehenden Prüfung und mit der jetzigen Entscheidung wieder hergestellt, betonte Sabine Wälder.

Der Tourismusverein Sonnenalb begrüßte die Ablehnung der Windräder durch das Landratsamt ebenfalls: „Das ist eine gute Entscheidung für den Tourismus auf der Sonnenalb“, sagten die Vorstände des Vereins, Manuel Hailfinger und Ralf Stoll.

Auch Albverein und Heimatbund dagegen

Fast überall im Land gründen sich vor Ort Bürgerinitiativen, wenn Windräder errichtet werden sollen. Am Lichtenstein war der Aufruhr aber besonders groß. Denn auch große Verbände wie der Schwäbische Albverein oder der Schwäbische Heimatbund haben sich offen gegen die Planungen gestellt. Das Umfeld des Schlosses Lichtenstein dürfe keinesfalls beeinträchtigt werden, argumentierten die Verbände. Auch die Denkmalbehörde wandte sich gegen das Vorhaben, ebenso wie der Schlossherr, Wilhelm Herzog von Urach. Das Verfahren zog sich über mehr als zwei Jahre hin.

Insgesamt schreitet der Ausbau der Windkraft in Baden-Württemberg aber weiter voran: Vor wenigen Tagen teilte das Umweltministerium mit, dass allein in diesem Jahr 100 Anlagen ans Netz gegangen seien. Insgesamt sind 543 Anlagen im Betrieb. Beim Antritt der grün-roten Regierung 2011 waren es 360. Nach einer längeren planerischen Vorlaufzeit ist die Zahl der neuen Windkraftanlagen in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen.