Landratsamt Ludwigsburg warnt Hasenpest auch für Menschen gefährlich
Ein Fall von Hasenpest in Wiernsheim im Enzkreis beunruhigt. Die Tierkrankheit kann sich auf den Menschen übertragen.
Ein Fall von Hasenpest in Wiernsheim im Enzkreis beunruhigt. Die Tierkrankheit kann sich auf den Menschen übertragen.
Genau einen Fall von Hasenpest hat es im Kreis Ludwigsburg im vergangenen Jahr gegeben – aber nachdem das Veterinäramt des Enzkreises in Wiernsheim bei einem Feldhasen im Dezember die Krankheit als Todesursache festgestellt hat, will man im Landratsamt im etwa 30 Kilometer entfernten Ludwigsburg nicht wegschauen. Die Behörde befürchtet, dass sich auch auf ihrem Gebiet Tiere infizieren könnten. Letztlich ist die sogenannte Tularämie auch für den Menschen gefährlich.
Die Krankheit ist nicht neu. Immer mal wieder kann es vorkommen, dass Feldhasen von ihr befallen werden. Landesweit stellten die Veterinärämter in Baden-Württemberg im Jahr 2023 genau 38 Fälle fest. Die Behörden gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Längst nicht alle verendeten Tiere werden nämlich gefunden und untersucht. Der Feldhase gilt als Hauptquelle für eine Übertragung auf den Menschen. Seit dem Jahr 2010 traten elf Fälle bei Einwohnern im Landkreis Ludwigsburg auf.
Beim Menschen können sich unterschiedliche Verlaufsformen der Erkrankung entwickeln, teilt Franziska Schuster, Pressesprecherin des Landratsamtes Ludwigsburg mit. „Meist beginnen die Erkrankungszeichen nach drei bis fünf Tagen bis zu mehreren Wochen.“ Zu Beginn träten meist unspezifische grippale Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein, sowie Kopf- und Gliederschmerzen auf.
„Das Bild kann aber sehr vielfältig sein,“ so Schuster. Je nach Eintrittspforte des Erregers reiche es von Lymphknotenbeteiligung, Hautgeschwüren, Augenbeschwerden bis zur Beteiligung der Lungen mit Husten, Brustschmerzen, Atemnot oder Lungenentzündung. Um einen schweren Krankheitsverlauf und Komplikationen beim Menschen zu vermeiden, sei eine frühzeitige antibiotische Therapie wichtig. „Ein in Deutschland zugelassener Impfstoff für den Menschen steht nicht zur Verfügung.“
Die Hasenpest befalle aber nicht nur Feldhasen, auch Wildwiederkäuer könnten als Zwischenwirte fungieren, teilt das Landratamt Ludwigsburg weiter mit. Nager, Vögel ja sogar Amphibien seien ebenfalls betroffen. Der Erreger könne sich auch über Insekten übertragen – zum Beispiel durch Mückenstiche oder Zeckenbisse. Aber auch der Kontakt mit Tieren oder deren Kadaver könne zu einer Ansteckung beim Menschen führen. So sollten etwa Jäger beim Ausnehmen erbeuteter Feldhasen vorsichtig vorgehen.
Tierärzte gelten ebenfalls als gefährdet. Doch habe er wegen des Tularämiefalls in Wiernsheim nicht mehr Sorge als sonst, sagt Ole Heinzelmann, Tiermediziner im Marbacher Teilort Rielingshausen. „Ich hatte noch nie Kontakt mit einem Feldhasen“, erklärt er und denkt, dass normalerweise Füchse die sterblichen Überreste der Hasen im Wald vertilgten. Heinzelmann hält es auch für sehr unwahrscheinlich, dass er sich beim Behandeln eines Jagdhundes anstecken könnte. „Die Jäger, die ich kenne, sind nicht beunruhigt – die Krankheit gibt es ja schon länger: Ich sehe auch keine Gefahr für eine seuchenhafte Verbreitung.“
Auf der Hut zu sein, rät hingegen das Veterinäramt des Landkreises Ludwigsburg den Bewohnern, gerade wegen der vielen verschiedenen Ansteckungsquellen, zu denen auch das Überleben des Bakteriums im Waldboden zähle. So könne sich der Erreger durch aufgewirbelte infizierte Stäube übertragen. Geringe Erregermengen seien ausreichend. Zu den Tipps, das Risiko gering zu halten, zählt zudem auch, das Fleisch von Wildtieren gut durchzugaren.
Eine vorbeugende Jagd auf Feldhasen verspreche dagegen keinen Erfolg, denn der sei nur einer von vielen potenziellen Trägern des Bakteriums, teilt die LRA-Sprecherin mit. Als Indikatortier weise der Hase nur auf das Vorhandensein der Tularämie hin. Im Wald könnten Mücken und Zecken häufiger als Zwischenwirte fungieren. Ein Schutz gegen sie empfehle sich dringend auch ohne das Vorkommen der Tularämie, da durch Stechmücken oder Zecken auch weitere Krankheiten übertragen werden können.
Gut geschützt geht der Steinheimer Jäger Volker Schiele vor, wenn er einen Feldhasen ausweidet und dafür Handschuhe verwendet. „Zurzeit jage ich aber keine Feldhasen, da die Schonzeit von Januar bis zum 15. Oktober anhält.“ Die Hasenpest sei unter den Jägern bekannt. „Ich habe von schweren Verläufen in einer Fachzeitschrift gelesen.“ Man müsse vorsichtig bleiben.
Symptome
Bei Tieren kann es sowohl zu einem milden Verlauf als auch zu einem seuchenhaften Geschehen mit hoher Sterblichkeit kommen, erklärt das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Bei Hasen verlaufe die Krankheit in der Regel akut mit einer Blutvergiftung und führe innerhalb weniger Tage zum Tod. Typische Symptome seien dabei ein struppiges Fell, ein unsicherer Gang, Apathie und ein Verlust der natürlichen Scheu. Bei einem chronischen Verlauf träten vor allem eine körperliche Entkräftung, hochgradige Abmagerung und Hautveränderungen auf.
Haustiere
Vierbeiner können den Erreger mit ins Haus bringen. Hundehalter etwa sollten darauf achten, dass ihre Tiere in Risikogebieten an der Leine bleiben. Auch wenn der Hund nicht mehr zum Jagen neige, könne er mit Hasen in Kontakt geraten, wenn die infizierten Tiere aus Erschöpfung nicht mehr fliehen können.