Landschaftspflege Schafe am Rande der Autobahn

Projektleiter Walter Dal-Margo mit seinen vierbeinigen Rasenmähern. Foto: cgo/Gottschalk

Rund eine Million Quadratmeter Grünfläche an Autobahnen werden im Südwesten gerade von Vierbeinern kurz gehalten. Ein Versuch, der erweitert werden soll.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Adam ist der Boss. Zumindest der auf vier Beinen. Matthias Bender ist der Chef mit zwei Beinen. Er kennt Adam und weiß, was geht und was nicht. Besser nicht den Rücken zukehren, besser nicht zwischen den Augen streicheln. Normalerweise macht er ja nix, sagt Matthias Bender. Einer der beliebtesten Sätze von Hundehaltern. Doch Adam bellt nicht. Er ist Leitbock, Typ ostfriesisches Milchschaf.

 

Besorgte Anrufe bei der Polizei

Schäfer und Landschaftspfleger Matthias Bender spricht ganz gerne von Adams Mannschaft, die aber eigentlich ein Frauenteam ist. Den rund zwei Dutzend Schafen und Ziegen weht kein Küstenwind um die Nase und kein Meeresrauschen in die Ohren. Schön ruhig haben sie es aber trotzdem nicht. Die Tiere stehen am Rande der Autobahn, so nah, dass immer mal wieder ein Anruf besorgter Autofahrer bei der Polizei eingeht. Schaf auf der Autobahn, das ist dann aber doch zumeist eine Fehlmeldung. Denn die Autofahrer sehen von der Straße aus die doppelte Zaunabsicherung nicht.

Das ganze ist ein Versuch – und der lässt sich gut an. Davon ist nicht nur der Schäfer überzeugt, sondern auch Walter Dal-Margo. Der Ideengeber und Projektleiter bei der bundeseigenen Autobahn GmbH hat seine Hände immer dann im Spiel, wenn die Autobahn und der Naturschutz einen Stück des Weges gemeinsam gehen müssen. Das ist oft der Fall. Inzwischen würden sich viele Schäfer bei ihm melden, auch solche, die Anfangs skeptisch gewesen sind, sagt Walter Dal-Margo. Weideflächen am Rande der Autobahnen sind zunehmend gefragt.

Natürliche Rasenmäher ohne Benzin

Und es gibt viele davon. Wer Autobahnen baut, der muss einen ökologischen Ausgleich für den Flächenverbrauch schaffen. Das ist gesetzlich geregelt. Die Grundstücke müssen nicht direkt an der Fernverkehrsstraße liegen, aber oft ist das der Fall. Wie bei der A6 in der Nähe von Wiesloch. Tag und Nacht rauschen hier Autos mit und ohne Anhänger, Motorräder und schwere Lastwagen vorbei, Tag und Nacht liegen die Schafe und Ziegen im Gras und dösen vor sich hin. Grelle, plötzliche Geräusche würden die vierbeinige Mannschaft erschrecken, der gleichmäßige Lärm sei hingegen kein Problem, sagt Matthias Bender. Die Eingewöhnungszeit habe nicht einmal eine Woche gedauert.

In den Regionen Karlsruhe, Mannheim und Walldorf werden derzeit rund eine Million Quadratmeter Grünfläche beweidet. Ausgleichsflächen und die Flächen rund um sogenannte Havariebecken, in denen nach Unfällen Benzin und Öl gesammelt wird. Benzin und Öl brauchen die natürlichen Rasenmäher nicht – anders als der maschinelle Fuhrpark, der ohne die Vierbeiner zum Einsatz kommen müsste. Vor allem aber schonen Schafe und Ziegen den Einsatz der menschlichen Ressourcen. „Die Mitarbeiter können sich um andere Dinge kümmern“, sagt Dal-Margo.

Schafe und Ziegen mögen fast alles

Mangelnde Gründlichkeit kann man dem Team von Matthias Bender nicht vorwerfen. Dort, wo die Ziegen schon gewesen sind, braucht man sich keine Sorgen um eine Verbuschung der Landschaft machen. Da, wo die Schafe gefressen haben, ist die Grasnarbe kurz. Die Mischung machts: Strahlenziege und Deutsche Edelziege, Heidschnucken und ostfriesische Milchschafe mögen fast alles. Nur die Goldrute ist stehen geblieben, eine Pflanze, die einst aus Nordamerika eingeschleppt worden ist. Von ihr schmecken offenbar nur die jungen, zarten Nachwuchspflänzchen, das was mit Weidebeginn gewachsen war, ist schon zu groß. „Nächstes Jahr müssen wir früher anfangen“, lautet Dal-Margos Schlussfolgerung daraus.

Apropos nächstes Jahr: da soll dann auch noch ein Esel mit auf die Weide, die mit einem Wildzaun und zusätzlich einem Elektrozaun hin zur Autobahn abgesichert ist. Als Schutz vor Wölfen – die Gegend ist zum Wolfspräventionsgebiet geworden

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