Landstraße bei Murr und Steinheim Eine Straße, auf der sich Todesfälle häufen
Regelmäßig verunglücken an der sogenannten Kaufland-Kreuzung bei Steinheim und Murr Autofahrer tödlich, die auf die Landstraße einbiegen. Was ist zu tun?
Regelmäßig verunglücken an der sogenannten Kaufland-Kreuzung bei Steinheim und Murr Autofahrer tödlich, die auf die Landstraße einbiegen. Was ist zu tun?
Der Tod begleitet den Straßenverkehr – an den einen Stellen mehr, an anderen weniger. In Steinheim und Murr sticht in der Unfallstatistik die Einmündung der Steinbeisstraße in die Landesstraße nach Großbottwar hervor. Dort ereignete sich im vergangenen Jahr ein tödlicher Zusammenstoß. Es war nicht der erste. Schon im Jahr 2019 knallte es dort auf ähnliche Weise, und eben tödlich – wie auch schon 2016 bei einem Abbiegeunfall. Ob jedoch die Verkehrsplaner etwas ändern, ist fraglich.
Die Landesstraße liegt auf Murrer Gemarkung, die Zufahrt gehört zu Steinheim. Von dort bog im Februar vorigen Jahres ein 76-Jähriger mit seinem Auto ein, übersah den Wagen eines 32-Jährigen, der von links kam. Es kam zum Zusammenstoß auf der Kreuzung. Tödlich verletzt wurde dabei die 74-jährige Lebensgefährtin des Unfallverursachers auf der Beifahrerseite. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen fahrlässiger Tötung, stellte das Verfahren aber ein, da der 76-Jährige selbst am meisten unter dem Unfall litt. Das Schema ist fast jedes Mal ähnlich: Obwohl die Strecke nach beiden Seiten frei einsehbar ist, achten die Autofahrer, die einbiegen, nicht auf die Vorfahrt. Was müsste passieren, um solche Unfälle zu vermeiden? Infrage kämen teure Ampelanlagen oder ein Kreisverkehr. Schneller und billiger wären ein strengeres Tempolimit und stationäre Blitzer.
Die Behörden installierten nach einem ähnlich verheerenden Unfall im Jahr 2019 ein Stopp-Schild. Tempo 70 auf der Landstraße sollte ausreichen, um die Gefahr gering zu halten. „Sehr viele fahren da aber mit 90, das ist ein offenes Geheimnis“, sagt Thomas Metzger, der Leiter des Polizeipostens in Steinheim. Dass sich hinter den Zahlen konkrete Menschenschicksale verbergen, lässt auch ihn nicht kalt. „Wenn mir mit 70 einer in die Seite fährt, bin ich tot“, sagt er und denkt laut darüber nach, ob an der unfallträchtigen Stelle mit Tempo 50 mehr Sicherheit erreicht werden könnte.
Ein Blick in die Polizeistatistik belegt: Es gibt Unfälle an der Einmündung, doch reicht die Zahl und die Schwere in der Summe nicht aus, um weitere Schritte einzuleiten. So ereigneten sich seit 2020 dort elf Unfälle, davon drei mit Leichtverletzten und den Fall mit der getöteten Person, teilt Steffen Grabenstein, Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, mit. Da es für jeden Leichtverletzten zwei Punkte gebe und ein Getöteter mit fünf Punkten verbucht werde, komme die Kreuzung „nur auf elf Punkte“. Nötig wären hingegen 15, damit sie als Unfallhäufungsstelle anerkannt werde. „Wir sehen keinen zwingenden Handlungsbedarf“, sagt Grabenstein und weist auf die gute Einsehbarkeit am Stoppschild hin.
Zu einem Tempo 50 auf der Landstraße möchte sich der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter nicht äußern. „Das müssen Verkehrsexperten entscheiden – auch mit 50 Stundenkilometern kann ein seitlicher Aufprall gravierende Folgen haben.“ Winterhalter plädiert aber dafür, sich an Ort und Stelle in einer Verkehrsschau gemeinsam Gedanken über mögliche Verbesserungen zu machen. Ähnlich äußerte sich sein Kollege auf Murrer Seite, Torsten Bartzsch. „Jeder Unfall ist ein Unfall zu viel, erst recht, wenn er tödlich ist.“
Weniger Tempo bringt auf jeden Fall mehr Reaktionszeit. Das belegt die Unfallforschung zu Abbiege- und Kreuzungsunfällen des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs ADAC aus dem Jahr 2022. Demnach wurden bei solchen Unfällen im Jahr 2019 deutschlandweit 340 Personen tödlich und 7141 Verkehrsteilnehmer schwer verletzt. Jüngere und Ältere Verkehrsteilnehmer haben laut Studie ein erhöhtes Risiko, einen solchen Unfall zu verursachen. Das Problem bei einer guten Einsehbarkeit von etwa 200 Metern laut ADAC: Die Autofahrer, die einbiegen, schauen hin und her, zwischenzeitlich in die Ferne, übersähen aber unter Umständen ein näher gekommenes Auto. Auch schätzten manche von ihnen die Geschwindigkeit der ankommenden Fahrzeuge falsch ein. Als ein wesentliches Mittel zur Unfallvermeidung schätzt der ADAC ein Tempolimit an Gefahrenpunkten ein. Der Automobilclub geht auch von einer geringeren Kollisionsschwere aus. Das Konzept könnte aber nur funktionieren, wenn die Verkehrsteilnehmer sich auch an das Tempolimit halten und die Kontrolldichte hoch genug sei.
Zahl
Im Kreis Ludwigsburg kam es im Jahr 2022 zu zehn tödlichen Unfällen. Der erste ereignete sich am 25. Januar in Sachsenheim in der Berntalstraße. Der zweite war der Murrer Unfall am 16. Februar.
Fälle Es gab noch acht tödliche Unfälle: am 13. April in Poppenweiler auf der Landesstraße 1100 in Richtung Neckarweihingen; am 20. April zwischen Kirchheim und Ottmarsheim; am 19. Juni zwischen Heimerdingen und Weissach; am 10. Juli in Ludwigsburg an der B 27 bei Schloss Monrepos; am 12. Juli bei Schwieberdingen am Möglinger Pfad; am 21. Juli zwischen Marbach und Murr; am 29. Juli bei Korntal-Münchingen an der B10 und der A81 und am 18. November in Eberdingen an der Hochdorfer Straße.