Landtagskandidat Markus Widenmeyer (AfD) Mit der Bibel auf die politische Bühne

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Der 42 Jahre alte Markus Widenmeyer will für die AfD in den Landtag. Für den Schönaicher ist es der dritte Anlauf mit der dritten Partei – ein Kandidatenporträt.

Markus Widenmeyer vertritt christlich-konservative Werte, sagt er. Foto: factum/Granville
Markus Widenmeyer vertritt christlich-konservative Werte, sagt er. Foto: factum/Granville

Schönaich - Als er im Sommer vergangenen Jahres in die AfD eintrat und sich im Oktober zum Landtagskandidaten küren ließ, ahnte Markus Widenmeyer wohl noch nicht, was auf ihn zukommt. Zwei Landtagswahlkämpfe hat er bereits geführt, im Jahr 2006 für die Partei Bibeltreuer Christen (PBC) und im Jahr 2011 für die AUF-Partei, die Partei für Arbeit, Umwelt und Familie – Christen für Deutschland. Jedes Mal blieb er deutlich unter der Zwei-Prozent-Marke. Nun will er den Sprung auf die politische Bühne schaffen. Er sei zur AfD gewechselt, weil er dort ebenfalls christlich-konservative Werte vertreten und etwas verändern könne, sagt der 42 Jahre alte Schönaicher. Aber nun sieht er sich in die Defensive gedrängt und wird als „Extremist“ beschimpft.

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Wo er auch hinkommt, wird er auf die Äußerung der AfD- Bundessprecherin Frauke Petry angesprochen, die vorschlug, die Polizei müsse an der Grenze „notfalls“ Schusswaffen gegen Flüchtlinge einsetzen. Das sei „unklug“ von ihr gewesen. Jetzt sieht sich auch Widenmeyer in Erklärungsnot und zieht eine Bibelstelle heran: Den Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 13. „Es ist keine Obrigkeit ohne von Gott“, steht dort, „sie trägt das Schwert nicht umsonst, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut.“ Und der Staat müsse bei gesetzeswidrigen Handlungen nun einmal eingreifen, stellt Widenmeyer fest. Doch relativiert er auch: „Welche Reaktion würde ich mir von der Polizei wünschen, wenn Freunde oder Familienangehörige illegal über eine Grenze gingen? Jedenfalls nicht, auf sie zu schießen.“

Er möchte über ein Zweitmandat einziehen

Unwohl ist es Widenmeyer wegen „so manchem Tonfall“ in der AfD. Vom rein nationalkonservativen Flügel versucht er sich abzugrenzen. Da will er, da muss er durch, wenn er für die AfD Wahlkampf macht und um seine christlich-konservative Position ringt: „Keine Partei besteht aus perfekten Menschen, überall gibt es Aussagen, die problematisch sind.“ Widenmeyer möchte mit „zwölf plus x Prozent“ im Wahlkreis Böblingen über ein Zweitmandat in den Landtag einziehen. Bei „wohl zwölf bis 16 Mandaten“ sehe er eine Chance, die für ihn „bei etwa 20 Prozent“ liege. Insgeheim betet er dafür wohl zu Gott.

Der passionierte Pilzesammler hat neben dem Chemie- ein Philosophiestudium absolviert, predigt in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde, liest dort aus der Bibel und hat selbst ein Buch verfasst mit dem Titel „Welt ohne Gott?“. Und wenn es einmal nicht um das Flüchtlingsthema geht, er nicht für eine Zuzugsobergrenze plädiert, ist Widenmeyer die Stärkung der Familie ein besonderes Anliegen.

Für eine bessere Polizeipräsenz, gegen Abtreibung

„Kinder sollten zu Hause erzogen werden, man sollte so oft wie möglich zusammen sein“, lautet seine Idealvorstellung. Bei der Firma Bosch entwickelt er Autoabgassonden und arbeitet so oft wie möglich im Home-Office, um in der Nähe seiner Tochter zu sein. Die Gemeinschafts- und Ganztagsschulen möchte er abschaffen. Außerdem will er darauf hinwirken, dass die Umweltbelastung gesenkt und der Energieverbrauch gedrosselt wird. Beim Verkehr fällt ihm ein: „Die Ampeln sollte man vor allem nachts nicht so blöd schalten.“ Widenmeyer ist gegen Abtreibung und für eine stärkere Polizeipräsenz – und möchte mit diesem Standpunkt vor allem auch Stimmen aus dem CDU-Lager holen.




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