Landtagswahl 2016 – der Wahlkampf in Bietigheim-Bissingen Wer folgt auf Manfred Hollenbach?

Wer vertritt den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen bald in Stuttgart? Foto: Pascal Thiel
Wer vertritt den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen bald in Stuttgart? Foto: Pascal Thiel

Bislang ging das Direktmandant im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen stets an die CDU. Doch am kommenden Sonntag könnte es so spannend werden wie nie zuvor – auch weil sich der CDU-Kandidat gegen den Trend stemmt.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Bietigheim-Bissingen - Wenn der Wahlkreis Bietigheim-Bissingen gewissermaßen seinem Trend treu bleibt, dann könnte der kommende Sonntag so spannend werden wie selten zuvor. Denn bei den vergangenen drei Landtagswahlen folgten die Wähler im nördlichsten der drei Wahlgebiete im Kreis Ludwigsburg stets sehr eng dem Landesstrend – und der sieht bekanntlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU und den Grünen. Dementsprechend motiviert dürften die beiden Bewerber Fabian Gramling (CDU) und Daniel Renkonen (Grüne) in den Endspurt im Kampf um die Wählerstimmen gehen. Denn trotz aller Ungenauigkeit der Demoskopie kann man eines schon jetzt sicher sagen: Das Direktmandant in Bietigheim wird neu verteilt. Der bisherige Inhaber, Manfred Hollenbach aus Murr, tritt altershalber nicht mehr an.

Umfrage sieht den CDU-Kandidaten Gramling vorne

Mit Fabian Gramling schicken die Christdemokraten dabei einen echten Politik-Neuling ins Rennen. Der 28-Jährige Besigheimer setzte sich überraschend im parteininternen Machtkampf gegen den Vize-Landrat Utz Remlinger durch. Mit dem Slogan „Frischer Wind für unsere Heimat“ tourt er durch den Kreis. Dabei könnte vielleicht genau dieser frische Wind ihm zugute kommen – denn entgegen vieler seiner Parteifreunde scheint er nicht im aktuellen Abwärtsstrudel der CDU gefangen. Eine Umfrage der „Bietigheimer Zeitung“ unter 500 Bürgern sah den Betriebswirt Ende Februar bei 39 Prozent – und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt und deutlich vordem Grünen-Kandidat Renkonen, der auf 23 Prozentpunkte kommt.

Ebenfalls Hoffungen auf den direkten Einzug macht sich wohl auch der SPD-Kandidat Thomas Reusch-Frey. Er landete bei der vergangenen Wahl nur ganz knapp hinter Renkonen auf Platz drei und steht in der aktuellen Umfrage mit 22 Punkten ebenfalls deutlich besser da als seine Partei im übrigen Land.

CDU-Mann Gramling scheint die Aufregung um seine Berufsbezeichnung mitten im Wahlkampf nicht geschadet zu haben; wohl auch, weil er die Vorwürfe der Bundes-Wirtschaftsprüferkammer aus Berlin widerlegen und damit aus der Welt schaffen können: Die Kammer hat ihre Abmahnung gegen den Kandidaten zurückgezogen. Sie hatte vorgebracht, Gramling führe zu Unrecht den Titel „Wirtschaftsprüfer“. Dieser konnte aber belegen, seinen Beruf stets korrekt angegeben zu haben.

Beherrschendes Thema in den vergangenen Wochen des Wahlkampfes war indes die Flüchtlingspolitik. Dies wurde auch bei einer der großen Podiumsveranstaltungen jüngst in Marbach deutlich. Insbesondere der Kandidat der Alternative für Deutschland, Roland Mackert aus Sachsenheim, rief immer wieder deutliche Reaktionen aus dem Publikum hervor – zum Beispiel als er sagte, die Bundeskanzlerin entscheide „im Stile einer Diktatorin“ an Bundestag und Bundesrat vorbei.

Klinikum Marbach eines der Themen im Wahlkampf

Auch gegenüber dieser Zeitung zog Mackert, der für die AfD im Sachsenheimer Gemeinderat sitzt, heftig gegen Merkel vom Leder. So wisse man bis heute nicht, ob Merkel für die Stasi tätig gewesen sei. Ihre Politik sei eine „Herrschaft des Unrechts“.

Zentrales Thema war auch das Krankenhaus in Marbach – und das gleich in doppeltem Sinne. Zum einen, weil so mancher Kandidat für dessen Erhaltung wirbt (der Liberale Dieter Baumgärtner oder der Linke Walter Kubach). Zum anderen, weil das Gebäude selbst plötzlich im Mittelpunkt stand: Während der CDU-Gesundheitsminister Hermann Gröhe in der vergangenen Woche im Ludwigsburger Klinikum sprechen durfte, wurde dem Linken Kubach der Zutritt in Marbach verwehrt – unter Verweis auf den Wahlkampf. Kubach beschwerte sich daraufhin in einem offenen Brief über die „Ungleichbehandlung“.




Unsere Empfehlung für Sie