Landtagswahl 2026 Brückenbauerin vs. Platzhirsch: Das sind die Kandidaten im Wahlkreis Vaihingen

Die Kandidaten im Wahlkreis Vaihingen: (oben v.l.) Meike Günter (Grüne), Konrad Epple (CDU), Helena Herzig (FDP); (unten) Torsten Liebig (SPD), Nikolaos Boutakoglou (AfD), Steve Burgstett (Linke). Foto: Dominik Butzmann/privat

Im Wahlkreis Vaihingen tritt Markus Rösler (Grüne) nicht mehr an – er hat zweimal das Direktmandat geholt. Kann Konrad Epple (CDU) den ehemals tiefschwarzen Wahlkreis zurückerobern?

Volontäre: Julian Meier (mej)

Bis 2016 war der Wahlkreis Vaihingen fest in der Hand der Christdemokraten. Der ehemalige Ministerpräsident Günther Oettinger errang dort sechsmal in Folge das Direktmandat. 2011 gelang dies auch Konrad Epple, der 2016 und 2021 aber jeweils hinter dem Grünen Markus Rösler landete.

 

Doch bei der Wahl am 8. März tritt Rösler nach 15 Jahren im Parlament nicht mehr an – die Chance für Epple und die CDU? Oder kann Meike Günter in Röslers Fußstapfen treten und das Direktmandat für die Grünen verteidigen? Und wer kandidiert sonst noch im Wahlkreis Vaihingen? Wir stellen die Kandidatinnen und Kandidaten der wichtigsten Parteien vor.

Bündnis 90/Die Grünen: Referentin des Verkehrsministers will Abgeordnete werden

Meike Günter (Grüne) ist derzeit noch persönliche Referentin und Büroleiterin des Verkehrsministers. Foto: Dominik Butzmann

Meike Günter, Jahrgang 1974, stammt von der Schwäbischen Alb und wohnt mittlerweile in Vaihingen an der Enz. Die Diplom-Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin hat bereits Erfahrung in der Landespolitik: Seit 2024 ist sie persönliche Referentin und Büroleiterin von Verkehrsminister Winfried Hermann. Jetzt will sie selbst als Abgeordnete ins Parlament einziehen. Die zweifache Mutter sieht sich als Brückenbauerin, die verschiedene Perspektiven zusammenbringen kann.

Günter ist sich bewusst, dass ihre Partei seit 15 Jahren die politische Verantwortung trägt. „Viele Menschen spüren die Herausforderungen im Alltag stärker als die politischen Fortschritte bisher wirken. Trotz der wichtigen Weichenstellungen der grün geführten Landesregierung sind viele Bürgerinnen und Bürger im Wahlkreis weiterhin stark auf das Auto angewiesen, stehen im Stau oder haben noch keine verlässlichen Alternativen.“ Sie wolle den eingeschlagenen Kurs nun „konsequent vor Ort wirksam machen“.

CDU: Epple setzt auf seinen Bekanntheitsgrad

Konrad Epple (CDU) arbeitet seit 2004 als selbstständiger Schlossermeister. Foto: privat

Konrad Epple ist derjenige unter allen Kandidaten, der wohl am wenigsten einer Vorstellung bedarf. Seit 15 Jahren sitzt er für Vaihingen im Landtag – seit 2016 aber nur noch über das Zweitmandat. Epple ist 62 Jahre alt, Schlossermeister und seit jeher seiner Heimatstadt Ditzingen verbunden. Er setzt auf seine langjährige Präsenz im Wahlkreis: „Ich glaube, nach so langer Zeit kennen mich meine Wählerinnen und Wähler sehr gut.“

Im Wahlkampf will Epple vor allem das Thema Wirtschaft in den Mittelpunkt rücken: Im Wahlkreis gebe es zahlreiche Unternehmen, viele davon im Maschinenbau, die teilweise sogar Weltmarktführer seien. „Wir wollen in Baden-Württemberg Rahmenbedingungen schaffen, um die Wirtschaftskraft zu steigern und mit Schwung in die Zukunft zu gehen“, lautet seine Devise.

FDP: Erstling aus unpolitischer Familie

Trotz ihres jungen Alters hat Helena Herzig (FDP) die Arbeitswelt schon „in echt“ kennengelernt. Foto: privat

Auf Platz drei landete 2021 die FDP mit ihrem Kandidaten Roland Zitzmann. Bei der diesjährigen Wahl setzten die Liberalen auf jugendliche Kraft: Kandidatin Helena Herzig ist gerade einmal 26 Jahre alt. Wie Epple wohnt auch sie in Ditzingen. Herzig hat eine kaufmännische Ausbildung gemacht, aktuell studiert sie BWL mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit. In ihrer Familie ist sie die Erste, die sich politisch engagiert – „nicht, weil ich schon immer Politik machen wollte, sondern weil ich irgendwann gemerkt habe: Wenn man sich über Dinge ärgert, reicht Meckern nicht.Dann hilft nur, selbst loszugehen und es besser zu machen.“

Auch Herzig sieht eine starke Wirtschaft als zentral an, da sie den Wohlstand vor Ort sichere. Dazu müsse der Staat aufhören, „im Alltag der Menschen und Betriebe der Bremsklotz“ zu sein. „Ich will, dass Baden-Württemberg wieder ein Land wird, in dem man Dinge möglich macht: mit Tempo, Pragmatismus und Vertrauen für diejenigen, die jeden Tag Verantwortung tragen.“

SPD: Leidenschaftlicher Koch und Zweittäter

Torsten Liebig (SPD) kandidiert nach 2021 zum zweiten Mal für den Landtag. Foto: privat

Die SPD geht wieder mit demselben Kandidaten wie 2021 in den Wahlkampf: Damals holte Torsten Liebig 9,6 Prozent der Stimmen und verteidigte für die Sozialdemokraten Platz vier vor der AfD. Der Sachsenheimer ist Referent für den öffentlichen Personennahverkehr im Landesverkehrsministerium. In seiner Freizeit kocht Liebig gerne und nach eigener Aussage auch „ganz passabel“.

Anders als Epple und Herzig sieht Liebig nicht die Wirtschaft als wichtigstes Thema im Wahlkampf, denn die „wird sich mittelfristig berappeln, da habe ich großes Vertrauen in die Unternehmen und ihre Beschäftigten“. Viel drängender ist für ihn das Thema Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum: „Bis es uns gelingt, genug Wohnraum zu fairen Preisen zur Verfügung zu stellen, wird es noch dauern.“

AfD: Boutakoglou will zurück zu geordneten Finanzen

Nikolaos Boutakoglou (AfD) sieht sich als „Mann der Basis“, der die Probleme der Menschen kennt. Foto: privat

Die AfD erlebte 2021 im Wahlkreis Vaihingen einen Absturz und erreichte nur noch 8,6 Prozent. Dieses Jahr tritt Nikolaos Boutakoglou an, der 2021 noch für den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen kandidiert hatte. Boutakoglou ist selbstständiger Heizungsbaumeister, was der 42-Jährige als Vorteil sieht: „Ich bin ein Mann der Basis. Bedingt durch meinen Beruf kenne ich die Probleme der Menschen aus erster Hand.“

Für den gebürtigen Griechen ist die Finanzsituation der Kommunen das dringendste Problem, das es anzugehen gilt: „Ohne geordnete Finanzen werden die Kommunen und Kreise zunehmend handlungsunfähig, dringend notwendige Investitionen in Bildung und Infrastruktur werden kaum mehr möglich sein.“ Als Beispiel dafür nennt er die Schlossbergschule in seiner Heimatstadt Vaihingen an der Enz: Dort fehlten bis zu 15 Klassenzimmer. „Das ist für mich ein untragbarer Zustand. Wir müssen uns auf unsere Kernaufgaben konzentrieren.“

Die Linke: Rollenspiele und Gewerkschaftsarbeit in der Freizeit

Steve Burgstett kommt ursprünglich aus Schonach im Schwarzwald. Jetzt kandidiert er für die Linke in Vaihingen. Foto: privat

Für die Linke kandidiert Steve Burgstett, nachdem sich zuvor dreimal in Folge Walter Kubach versucht hatte. Der 36-jährige Burgstett arbeitet als Lehrer in Aldingen und wohnt in Stuttgart. Der gebürtige Schwarzwälder ist als stellvertretender Kreisvorsitzender auch in der Bildungsgewerkschaft (GEW) aktiv. In seiner Freizeit spielt er „leidenschaftlich gerne Pen-&-Paper-Rollenspiele sowie Mordheim als Tabletop-Spiel mit Freunden“.

Burgstett sieht die ärztliche Versorgung als eines der drängendsten Probleme im Wahlkreis: „Vaihingen schneidet hierbei im landesweiten Vergleich leider sehr schlecht ab, was sich für viele Menschen ganz konkret im Alltag bemerkbar macht.“ Auch steigende Mieten und das Auslaufen der Mietpreisbremse bereiten Burgstett Kopfschmerzen: „Das treibt die Lebenshaltungskosten weiter in die Höhe und trifft vor allem die ökonomisch schwächeren Teile unserer Gesellschaft besonders hart.“

Landtagswahl 2026

Allgemein
Am 8. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Zum ersten Mal dürfen die Wählerinnen und Wähler dabei zwei Stimmen abgeben: die Erststimme für einen Wahlkreisabgeordneten und die Zweitstimme für eine Partei. Zudem dürfen erstmals auch 16- und 17-Jährige wählen.

Wahlkreis
Der Wahlkreis Vaihingen besteht aus den Gemeinden Bönnigheim, Ditzingen, Eberdingen, Gerlingen, Hemmingen, Korntal-Münchingen, Markgröningen, Oberriexingen, Sachsenheim, Schwieberdingen, Sersheim und Vaihingen an der Enz. In der aktuellen Legislaturperiode hält Markus Rösler (Grüne) das Direktmandat, Konrad Epple (CDU) ist über das Zweitmandat in den Landtag eingezogen.

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