Landtagswahl 2026 Ja zu Tietze, Nein zu Hagel – Warum die Wahlergebnisse im Landkreis Sinn machen

Lukas Tietze (Mitte) zählt zu den Gewinnern des Wahlabends: Der 27-Jährige holte für die CDU das Direktmandat im Wahlkreis Ludwigsburg zurück. Foto: Andreas Essig

Die Menschen im Kreis Ludwigsburg sehnen sich nach Sicherheit in stürmischen Zeiten – und vertrauen deswegen gleichzeitig der CDU und Cem Özdemir.

Volontäre: Julian Meier (mej)

Es war ein denkwürdiger Abend: Während die Grünen im Landkreis Ludwigsburg um 18 Uhr bereits den Wahlsieg bejubelten, kristallisierte sich relativ schnell heraus, dass sie die Direktmandate in allen drei Wahlkreisen an die CDU verloren haben.

 

Gleichzeitig gewannen die Grünen zwei der drei Wahlkreise nach den Zweitstimmen. Das zeigt deutlich: Die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Ludwigsburg wollen wieder eine konservativere Politik – aber sie wollten nicht Manuel Hagel als Ministerpräsidenten.

Bei der Wirtschaft schreiben die Menschen eher der CDU Kompetenz zu

Das erscheint auf den ersten Blick wie ein Widerspruch, macht aber durchaus Sinn. Die Menschen sehen sich in stürmischen Zeiten nach Sicherheit. Die sehen sie einerseits in der Partei CDU, die das Stabilitätsversprechen in ihrer DNA verankert hat. Die sehen sie andererseits aber auch in der Person Cem Özdemir, der mit seiner Erfahrung weiß, wie man auch mit schwierigen Situationen umgehen muss.

Und schwierig ist die Lage allemal. Der Kreis Ludwigsburg ist eines der industriellen Herzen des Landes. Die Menschen sind besonders stark davon betroffen, dass die Industrie schwächelt. Bei Bosch in Schwieberdingen sollen 1750 Arbeitsplätze wegfallen, bei Lear in Besigheim sind es 500, bei Feintool in Sachsenheim 160. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Özdemirs Erfahrungsvorsprung zog auch im Kreis Ludwigsburg

Dass die Direktmandate in allen drei Wahlkreisen an die CDU gingen, zeigt auch, dass die Menschen bei Wirtschaftsfragen doch eher den Christdemokraten Kompetenzen zuschreiben. Da haben Silke Gericke und Tayfun Tok auch ihr Amtsinhaber-Bonus nichts gebracht.

Dass die Grünen bei den Zweitstimmen wiederum deutlich besser abschnitten, kann nur auf den Spitzenkandidaten zurückgeführt werden. Die Stimmen dürften dabei auch von Wählerinnen und Wählern gekommen sein, die mit der Erststimme den jeweiligen CDU-Kandidaten gewählt haben.

CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel musste am Wahlabend seine Niederlage eingestehen. Foto: Marijan Murat/dpa

Manuel Hagel ist zwar seit 2021 Fraktionsvorsitzender im Landtag und seit 2023 Landesparteichef, doch ein Ministeramt hat er bislang nicht vorzuweisen. Özdemir hat in seiner Karriere hingegen schon so ziemlich alle Positionen durchlaufen. Dieser Erfahrungsvorsprung zog auch im Kreis Ludwigsburg.

Keine frischen Impulse zu erwarten

Im Endeffekt bringt das Wahlergebnis aber kaum eine Veränderung für die Menschen. Am Ende dürfte es auf Landesebene wieder auf eine grün-schwarze Koalition unter einem Ministerpräsidenten mit grünem Parteibuch hinauslaufen. Vier der fünf bisherigen Abgeordneten aus dem Kreis sitzen auch zukünftig wieder im Landtag. Dass Erst- und Zweitmandate getauscht wurden, dürfte sich im Alltag nicht groß auswirken.

Das bedeutet wiederum: Es wird wohl kaum frische Impulse aus dem Landkreis für die Landespolitik geben. Die bekannten Kräfte müssen die dringenden Probleme in den Griff bekommen. Dazu zählt auch die dramatische Finanzsituation der Kommunen. Wenn die Stadt Ludwigsburg eine Haushaltssperre hat, dann müssen bei den Landespolitikern die Alarmglocken schrillen. Und auch bei der Kinderbetreuung erwarten die Menschen im Landkreis zurecht Lösungen: Das Land muss Kommunen und Eltern schnellstmöglich entlasten, bevor das System in sich zusammenbricht.

Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, setzen die Menschen auf eine Art doppelte Sicherheit – aus der CDU als Partei der Stabilität und Cem Özdemir als Person der Stabilität. Dass die Menschen deswegen zwar dem jungen und noch unerfahrenen Lukas Tietze vertrauen, Manuel Hagel aber nicht, zählt zu den Paradoxien dieses Wahlabends.

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