Landtagswahl 2026 Jubel, Hoffnung, Frust: Reaktionen auf die Wahl aus dem Kreis Ludwigsburg

Der Kandidat der Grünen für den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen, Tayfun Tok (Mitte), feiert in Marbach den voraussichtlichen Wahlsieg seiner Partei. Foto: Werner Kuhnle

In den drei Wahlkreisen des Landkreises Ludwigsburg herrscht bei den Vertretern der Grünen Euphorie angesichts des Hochrechnungen. Bei CDU, SPD und FDP herrscht dagegen Frust.

Die Aufholjagd der Grünen im Landtagswahlkampf scheint geglückt. Laut den ersten Hochrechnungen wird Cem Özdemir der neue Ministerpräsident und Nachfolger von Winfried Kretschmann.

 

Das sorgte am Sonntagabend auch in Marbach und Ludwigsburg für Jubel. Eindrücke und Stimmen aus den drei Wahlkreisen des Landkreises Ludwigsburgs zu den ersten Ergebnissen auf Landesebene.

Verhaltenener Jubel bei den Grünen in Ludwigsburg

Bei der Wahlparty der Grünen in Ludwigsburg fällt der Jubel bei der ersten Hochrechnung nicht überschwänglich aus. Das liegt wohl auch daran, dass Silke Gericke zunächst auf die Euphoriebremse drückt: „Wir haben die Aufholjagd geschafft, aber ich würde mich noch nicht auf den Werten ausruhen.“ Die Landtagsabgeordnete richtet gleich schon den Blick in die Zukunft: „Es wäre gut, wenn wir jetzt ein gutes Miteinander mit der CDU finden würden. In den letzten fünf Jahre lief es ja auch.“

Bei der CDU war die Stimmung bei der Bekanntgabe der ersten Hochrechnung „verhalten, aber optimistisch“, wie Direktkandidat Lukas Tietze findet. Obwohl die CDU hinter den Grünen liegt, blickt er optimistisch auf den weiteren Wahlabend: „Wir hätten uns auf Landesebene sicherlich noch ein paar Prozente mehr gewünscht, aber wir liegen aktuell knapp sechs Prozentpunkte über unserem Ergebnis von 2021. Es ist noch Bewegung drin.“

Silke Gericke (Mitte) zeigte sich nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnung vorsichtig optimistisch. Foto: Julian Meier

Harte Kritik der SPD-Kandidatin

Nathalie Ziwey ist dagegen die Enttäuschung über das schlechte Abschneiden der SPD auf Landesebene deutlich anzuhören. „Wir hatten mit einem schlechten Ergebnis gerechnet – aber dass es so schlecht wird, hat niemand erwartet“, sagt sie. Für Ziwey lässt sich die Wahlniederlage nicht allein damit erklären, dass viele SPD-Wähler im Kopf-an-Kopf-Rennen ihre Stimme den Grünen geliehen hätten.

Die Sozialdemokraten hätten vielmehr „strukturelle Probleme“. Auch die Parteispitze habe Fehler gemacht. So fehle es der SPD mancherorts an aktiven Mitgliedern im ländlichen Raum, außerdem seien viele Parteimitglieder bei wichtigen Entscheidungen nicht ausreichend eingebunden worden.

„Klar hätten wir etwas mehr haben können, aber ich bin sehr zufrieden“, sagt AfD-Kandidat Christoforos Tsoulopoulos, der am Sonntagabend auf der großen Wahlparty in Stuttgart war. Für ihn persönlich könnte das beste AfD-Landesergebnis der Geschichte enorme Bedeutung haben: Tsoulopoulos wird vermutlich als erster AfD-Abgeordneter aus dem Wahlkreis Ludwigsburg in den Landtag einziehen.

Euphorischer Jubel bei Grünen-Wahlparty in Marbach

Die Anspannung im Marbacher Café Provinz entlädt sich um 18 Uhr in lautem Jubel, und zwar gleich doppelt. Erst als der grüne Balken in der ZDF-Prognose die 30-Prozent-Marke knackt. Und dann noch mal, als der CDU-Balken knapp darunter bleibt. „Wir bleiben stärkste Kraft im Land, wir haben die Wahl gewonnen!“, ruft Tayfun Tok, Direktkandidat für die Grünen im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen, wenig später in den Raum. „Es war ein grandioser Wahlkampf, ich bin so stolz auf euch alle!“

Es ist der Höhepunkt einer fulminanten Aufholjagd, die den Grünen auf Landesebene in den vergangenen Wochen gelungen ist. „Man hat irgendwann gemerkt, dass Manuel Hagel nicht zieht“, beschreibt Tok die letzten zwei Wochen des Wahlkampfs. Das habe er an Infoständen und Haustüren immer wieder gehört. „Die Leute wollten einfach Cem Özdemir als Ministerpräsidenten.“

CDU-Landesgeneralsekretär Tobias Vogt zog angesichts des enttäuschenden Wahlergebnisses seiner Partei einen drastischen Vergleich. Die Grünen hätten eine „Schmutzkampagne“ gefahren und hätten damit „den amerikanischen Wahlkampf nach Deutschland“ gebracht. Es sei zu vergleichen mit der MAGA-Kampagne von US-Präsident Donald Trump. Vogt spricht um 20.30 Uhr aber auch davon, dass es noch „unfassbar knapp“ sei.

Paul Wien von der FDP spricht von „großer Enttäuschung“

Angesichts der Prognose, dass die FDP künftig nicht mehr im Landtag vertreten sein könnte, muss Kandidat Paul Wien am Telefon zunächst hörbar durchatmen. Im Wahlkampf habe er den Eindruck gehabt, dass sich die Bürger – im Vergleich zur Bundestagswahl ein Jahr zuvor – wieder stärker für die Inhalte der Liberalen interessiert hätten.

„Wir warten jetzt erst einmal die endgültigen Ergebnisse ab. Aber schon jetzt ist es eine große Enttäuschung“, sagt Wien. Einen Grund für das schlechte Ergebnis sieht Wien im Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Grünen. Das habe neben der FDP wohl auch die SPD und die Linke Stimmen gekostet.

Enttäuschung beim CDU-Kandidaten für Vaihingen

„Super, super happy“, äußert sich Meike Günter über den sich abzeichnenden Wahlsieg der Grünen. Sie will für die Grünen in den Landtag einziehen – und wäre nach 50 Jahren die erste Frau, die für den Wahlkreis in den Landtag kommt. Angesichts dessen, dass der Wahltag auf den Weltfrauentag fällt, würde das dem Ganzen noch mehr Gewicht verleihen.

CDU-Kandidat Konrad Epple zeigt sich hingegen enttäuscht. Er bedauert, dass am Ende wohl doch eher „die Performance“ gezogen habe. Das Wahlergebnis sei auch deswegen enttäuschend, weil man zu einer Wahl immer antrete, um möglichst als alleiniger Sieger hervorzugehen – ohne dass er damit das Wählervotum schmälern wolle.

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