Die Kandidaten im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen: 1. Reihe v.l.: Tayfun Tok (Grüne), Tobias Vogt (CDU), Daniel Haas (SPD); 2. Reihe v.l.: Paul Wien (FDP), Reno Geisler (AfD), Ingrid Petri (Linke). Foto: privat
Zwei Abgeordnete stellt der Wahlkreis Bietigheim-Bissingen aktuell. Ein Altbekannter und drei neue Gesichter wollen ihnen die Plätze im Parlament streitig machen.
Der Wahlkreis Bietigheim-Bissingen verspricht bei der Landtagswahl am 8. März Spannung. Traditionell in CDU-Hand gelang den Grünen-Kandidaten Daniel Renkonen (2016) und Tayfun Tok (2021) eine Wachablösung, was das Erstmandat angeht – getragen jeweils vom landesweiten Trend ihrer Partei.
Nun, da Umfragen die CDU vorne sehen und Grüne und AfD dahinter, stellt sich die Frage, ob Tok wieder das Direktmandat erringt oder, ob Tobias Vogt den Wahlkreis für die CDU zurückgewinnen kann. Kann die AfD mit ihrem Kandidaten Reno Geisler zu den beiden aufschließen und wie schneiden Daniel Haas (SPD), Paul Wien (FDP) und Ingrid Petri (Linke) ab? Wir stellen die Kandidaten vor.
Bündnis 90/Die Grünen: Wirtschaftspolitiker will gut zuhören
Tayfun Tok sitzt seit 2021 im Landtag. Foto: privat
Tayfun Tok zog 2021 bei seiner ersten Kandidatur auf Anhieb mit dem Direktmandat in den Landtag ein. Vorausgegangen war ein parteiinterner Wahlkampf gegen den Abgeordneten Daniel Renkonen. Auch wenn erst 2016 erstmals ein Direktmandat für die Grünen heraussprang, stellten sie schon seit den 80er-Jahren Abgeordnete aus dem Wahlkreis. Tok ist Jahrgang 1986 und in Steinheim an der Murr aufgewachsen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der Betriebswirt ist wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag.
„Ich bin ein sehr guter Zuhörer“, sagt der 39-Jährige über sich selbst. Politik beginne für ihn mit Respekt und Nähe zu den Menschen. Die Probleme im Wahlkreis seien hohe Wohnkosten, Verkehrsbelastung und der „notwendige Strukturwandel in der Industrie“. Er setzt auf verlässliche Rahmenbedingungen, Investitionen in klimaneutrale Technologien und die Qualifizierung für Beschäftigte.
CDU: Wahlkampfleiter mit steiler Politkarriere
Tobias Vogt ist seit 2021 Abgeordneter. Foto: privat
Tobias Vogt hat eine steile Karriere in der Landespartei hingelegt. Der 40-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder. Der Kirchheimer Kfz-Meister und Betriebswirt zog 2021 erstmals in den Landtag ein, 2023 wurde er Landesgeschäftsführer der CDU – 2025 dann sogar Generalsekretär. In dieser Funktion leitet er den Wahlkampf seiner Partei. Er strebt das Direktmandat an und hat in seiner Partei große Vorgänger wie Lothar Späth, Manfred List, Annette Schavan und Manfred Hollerbach.
Zentral für Vogt in diesem Wahlkampf ist die wirtschaftliche Zukunft der Region. Die Automobil- und Zuliefererbranche stehe massiv unter Druck, so Vogt. Schuld seien hohe Kosten, internationale Konkurrenz und falsche politische Vorgaben wie das Verbrennerverbot. Außerdem müsse die Landespolitik die berufliche Bildung mehr fördern. Über sich selbst sagt Vogt, dass ihm Respekt, Anstand und Fleiß sehr wichtig sind.
SPD: Ein Kandidat mit Blick auf die Langstrecke
Daniel Haas trat bereits 2021 im Wahlkreis für die SPD an. Foto: privat
Über eine gute Ausdauer verfügt Daniel Haas. Der Kandidat der SPD im Wahlkreis 14 wohnt in Freiberg am Neckar, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der 1988 geborene Marketingmanager trat bereits 2021 an. Er ist Langstreckenläufer über Distanzen jenseits eines Marathons. So gesehen ist er politisch gerade erst gestartet. Einem SPD-Kandidaten aus dem Wahlkreis gelang zuletzt 2011 der Einzug in den Landtag. Das war damals der Bietigheim-Bissinger Stadtrat Thomas Reusch-Frey.
Der Wahlkreis 14 vereint Städte wie Bietigheim-Bissingen und Weinbaulandschaften wie die Neckarschleife. Foto: Werner Kuhnle
Das größte Problem im Wahlkreis ist für Haas, dass „viele Kommunen finanziell an ihre Grenzen stoßen – mit direkten Folgen für Bildung, Betreuung, Wohnraum und Sicherheit“. Ohne eine bessere Ausstattung der Städte und Gemeinden sei die Politik vor Ort nicht handlungsfähig. Ausdauer, Disziplin und Durchhaltevermögen prägten ihn privat und politisch „gerade wenn Lösungen nicht schnell oder einfach sind“.
FDP: Mit Vielfalt und Mut zum Wohlstand
Paul Wien tritt erstmals im Wahlkreis 14 für die FDP an. Foto: privat
2021 traten die Liberalen im Wahlkreis mit Elvira Nägele an, zuletzt gelang hier Monika Chef 2006 für die FDP der Einzug in den Landtag. Diesmal möchte der 35-jährige Paul Wien für die FDP Stimmen sammeln. Er ist Büroleiter und Referent des FDP-Landtagsabgeordneten Georg Heitlinger. Wien kommt ursprünglich aus dem Kraichgau, lebt aber seit mehr als zehn Jahren im Bottwartal. Seit 2019 ist er Stadtrat in Großbottwar.
Wien hat vor allem das Leid der mittelständischen Zulieferer im Blick. Deren Probleme führten indirekt auch zu Problemen für Handwerker und Bauwirtschaft. „Der Weg zurück zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit und sicherem Wohlstand wird mit Härten und dem gesellschaftlichen Mut zu Reformen verbunden sein“, sagt Wien. Privat sei er selbst schon im Handwerk, Sozialwesen und in der beruflichen Weiterbildung tätig gewesen. Diese Vielfalt helfe im politischen Betrieb.
AfD: Gegen Sanierungsstau und Zuwanderung
Reno Geisler ist erstmals AfD-Kandidat im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Foto: privat
Nach dem Wahlkreis-Wechsel von Nikolaos Boutakoglou, der 2021 für die AfD im Wahlkreis Bietigheim antrat und jetzt im Wahlkreis Vaihingen um Stimmen wirbt, ist diesmal Reno Geisler der Kandidat für den Wahlkreis 14. Der 53-Jährige ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er wohnt in Markgröningen und ist dort als Stadtrat aktiv. Mit technischer und kaufmännischer Ausbildung arbeitet er im Bauwesen. Er ist dafür, dass sich Politik nach Erschwinglichkeit, Sicherheit sowie gesundem Menschenverstand richtet. Er stehe für Geradlinigkeit, Ehrlichkeit und Bodenhaftung.
„In meinem Wahlkreis, insbesondere in Bietigheim-Bissingen, erkenne ich ein erhebliches Problem bezüglich der Infrastruktur sowie einen Sanierungsstau aufgrund fehlender Haushaltsmittel“, sagt Geisler. Er möchte unter anderem Zuwanderung beschränken und ein „menschenwürdiges Wohnen ermöglichen“. Grundsätzlich bevorzuge er Hilfsbereitschaft vor ideologischen Ansichten.
Linke: Keine Angst vor unbequemen Fragen
Ingrid Petri tritt erstmals für die Linke im Wahlkreis an. Foto: privat
Ein neues Gesicht im Landtagswahlkampf präsentiert in diesem Jahr auch die Linke mit Ingrid Petri. Die 37-jährige Krankenpflegerin ist zweifache Mutter, lebt in Besigheim und ist Sprecherin des Linke-Ortsverbands Bietigheim-Stromberg. Steigende Mieten, überlastete Kitas, unzureichende Gesundheitsversorgung und unsichere Arbeit sieht Petri als ein großes Problem im Wahlkreis. Die Daseinsfürsorge stehe unter Druck. Das begünstige Armut und schmälere das Vertrauen in den Staat.
Sie selbst gehe in Gesprächen immer sehr gerne in die Tiefe. „Mich interessiert, was Menschen wirklich bewegt, wovor sie sich fürchten und was sie erlebt haben.“ Das schaffe Vertrauen, könne aber auch unbequem sein, „weil ich Probleme offen benenne, statt sie zu umschiffen“.
Landtagswahl 2026
Allgemein Am 8. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Zum ersten Mal dürfen die Wählerinnen und Wähler dabei zwei Stimmen abgeben: die Erststimme für einen Wahlkreisabgeordneten und die Zweitstimme für eine Partei. Zudem dürfen erstmals auch 16- und 17-Jährige wählen.
Wahlkreis Der Wahlkreis Bietigheim-Bissingen besteht aus den Städten und Gemeinden Affalterbach, Benningen am Neckar, Besigheim, Bietigheim-Bissingen, Erdmannhausen, Erligheim, Freiberg am Neckar, Freudental, Gemmrigheim, Großbottwar, Hessigheim, Ingersheim, Kirchheim am Neckar, Löchgau, Marbach am Neckar, Mundelsheim, Murr, Oberstenfeld, Pleidelsheim, Steinheim an der Murr und Walheim. Aktuell hält Tayfun Tok (Grüne) das Direktmandat. Über das Zweitmandat vertritt Tobias Vogt (CDU) den Wahlkreis.