Landtagswahl 2026 Patt im Landtag: Wie die Grünen ihren Vorsprung verloren haben

Knapper als zunächst gedacht ist der Wahlsieg von Cem Özdemirs Grünen ausgefallen. Foto: Marijan Murat/dpa

Am Ende eines langen Wahlabends liegen die Grünen 0,5 Prozentpunkte vor der CDU. Bei der Zahl der Mandate im Landtag kommt es aber zum Patt. Warum?

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Eigentlich ist klar: Cem Özdemir und die Grünen haben die Landtagswahl gewonnen. Doch im künftigen Landtag wird bei der Mandatszahl Gleichstand zwischen den designierten Koalitionsfraktionen herrschen. Das fehlende zusätzliche Mandat hat politische Folgen und könnte für die Grünen teuer werden.

 

Schon gibt es Diskussionen über die Besetzung des Ministerpräsidentenpostens. Sogar ein Rotationsmodell wird diskutiert, bei dem CDU-Chef Manuel Hagel den eigentlichen Wahlsieger Özdemir nach der Hälfte der fünfjährigen Amtszeit ablösen könnte.

Tatsächlich gingen die Grünen mit einem Zweitstimmenvorsprung von 30,2 zu 29,7 Prozent über die Ziellinie. Das entspricht einem Stimmenplus gegenüber der CDU von 27 312. Nach den Zweitstimmen würden den Grünen dadurch in einem Landtag mit der Regelgröße von 120 Sitzen 43 Mandate zustehen, einem mehr als der CDU.

Hier kommt aber das Erststimmenergebnis hinzu. Demnach hat die CDU 56 Wahlkreismandate errungen, also 14 Sitze mehr als ihr zustehen. Die bleiben zwar – anders als im neuen Bundestagswahlrecht – erhalten, müssen aber ausgeglichen werden. So entstehen Ausgleichsmandate, was nun dazu führt, dass im Landtag die beiden Parteien dadurch 56 Sitze erhalten. Dabei schrammen die Grünen rundungsbedingt denkbar knapp am 57. Sitz vorbei. Dafür fehlen ihnen rund 1450 Stimmen.

Anders ausgedrückt: das Grünen-Ergebnis hätte im Hundertstelbereich besser ausfallen müssen. In Anbetracht von fast 5,4 Millionen Wählern fehlen ihnen nicht einmal 0,03 Prozentpunkte.

Arno Meuter verpasst Einzug in Landtag

Der Unglücksrabe, der nun knapp nicht in den Landtag einziehen wird, heißt Arno Meuter.

Der Wahlabend sei purer Stress gewesen, berichtete der Grünen-Kandidat aus dem Neckar-Odenwald-Kreis der „Rhein-Neckar-Zeitung“. Alle zehn Minuten hätten die Meldungen zwischen „drin“ und „nicht drin“ gewechselt.

Meuter steht bei den Grünen auf Platz 54 der Landesliste. Er kommt nicht zum Zuge, weil ihm drei erfolgreiche Direktkandidaten aus Karlsruhe, Freiburg und Heidelberg den Platz wegschnappen. Sie waren anders als andere Direktkandidaten nicht auf der Landesliste abgesichert oder stehen dort weiter hinten. Einen Trost hat Meuter allerdings: sollte jemand aus der Grünen-Fraktion in den kommenden fünf Jahren aus dem Landtag ausscheiden, ist er der erste Nachrücker.

Weitere Themen