Landtagswahl 2026 Profitiert der Kreis Ludwigsburg vom neuen Wahlrecht?
Erstmals wird der Landtag mit Erst- und Zweitstimme gewählt. Das hat Auswirkungen auf die Repräsentation des Landkreises – besonders CDU und Grüne haben etwas zu befürchten.
Erstmals wird der Landtag mit Erst- und Zweitstimme gewählt. Das hat Auswirkungen auf die Repräsentation des Landkreises – besonders CDU und Grüne haben etwas zu befürchten.
Bei der Landtagswahl am 8. März wählt Baden-Württemberg zum ersten Mal mit zwei Stimmen: einer für den Direktkandidaten, die andere geht an eine Partei. Droht deshalb ein „XXL-Landtag“, den zwei Volksbegehren verhindern wollten? Und welche Kandidaten aus dem Kreis Ludwigsburg könnten vom neuen Wahlrecht profitieren? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Nach altem Wahlrecht wurden mit einer Stimme Person und Partei gewählt. Wer die meisten Stimmen holte, gewann das Direktmandat. Anschließend wurde es kompliziert: Die Sitzverteilung orientierte sich nämlich trotzdem am Gesamtergebnis der Parteien. Mandate gab es für die Kandidaten, die in ihren Regierungsbezirken im Vergleich zu den übrigen Wahlkreisbewerbern ihrer Partei am besten abgeschnitten hatten.
In diesem Jahr wird der Landtag gewählt wie sonst der Bundestag: Wer in seinem Wahlkreis die meisten Erststimmen holt, zieht direkt ins Landesparlament ein. Die übrigen Mandate werden über die Landeslisten der Parteien verteilt. Wie viele Sitze über die Listen vergeben werden, hängt von den Zweitstimmenergebnissen ab.
Noch ist das reine Spekulation, es gilt aber als wahrscheinlich, dass der Landtag künftig deutlich mehr als die bisherigen 154 Sitze umfasst. Der Politikwissenschaftler Joachim Behnke von der Zeppelin-Universität Friedrichshafen schätzt ausgehend von den jüngsten Umfragen, dass im neuen Landtag zwischen 170 und 195 Abgeordnete sitzen könnten, es seien aber auch über 200 Sitze möglich.
Eine wichtige Rolle spiele, dass die Wähler diesmal die Möglichkeit haben, ihre Erst- und Zweitstimme auf unterschiedliche Parteien zu verteilen. Wenn eine Partei über die Direktmandate mehr Parlamentssitze holt, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen würden, erhalten die anderen Parteien zum Ausgleich zusätzliche Sitze. Je stärker Erst- und Zweitstimmenergebnisse voneinander abweichen, desto größer wird der Landtag.
Entscheidend sei außerdem, ob es die FDP in den Landtag schafft – sie liegt in den Umfragen derzeit immer bei exakt fünf Prozent, was knapp reichen würde. Fliegen die Liberalen aus dem Landtag, erhöht sich die Gesamtzahl der Sitze weniger stark.
Derzeit sitzen fünf Abgeordnete aus dem Landkreis Ludwigsburg im Landtag. Die Direktmandate gingen 2021 in allen Wahlkreisen an die Grünen, zudem sicherte sich die CDU im Wahlkreis Vaihingen und im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen je ein Zweitmandat.
Dass der neue Landtag größer werden könnte als bislang, heißt nicht automatisch, dass bald mehr Abgeordnete aus dem Kreis Ludwigsburg darin sitzen. Denn bei CDU und Grünen ist die Situation durchaus kompliziert, weil sie vermutlich den Großteil der Wahlkreise unter sich ausmachen werden. Je mehr Wahlkreise eine der Parteien gewinnt, desto weniger relevant wird die Landesliste für sie.
So könnte auch ein Platzhirsch wie der Vaihinger CDU-Kandidat Konrad Epple sein Mandat verlieren, sofern er wie bei den vergangenen beiden Landtagswahlen seinen Wahlkreis nicht gewinnt. Er sicherte sich seinen Sitz jeweils über das Zweitmandat, diesmal müsste er über die Landesliste einziehen, wo er auf Platz 44 liegt. „Auf die Landesliste kann sich niemand verlassen“, sagt der Bietigheimer Grünen-Direktkandidat Tayfun Tok, der auf Listenplatz 28 steht. „Der Fokus liegt auf dem Direktmandat.“
Anders sieht es bei den übrigen Parteien aus, deren Mandate sich wohl fast ausschließlich aus den Landeslisten ergeben. Vor allem Nikolaos Boutakoglou, AfD-Kandidat im Landkreis Vaihingen, hat hier gute Chancen. Seine Partei liegt in den jüngsten Umfragen bei 20 Prozent, Boutakoglous Listenplatz 14 würde bei einem solchen Ergebnis sicher für den Einzug in den Landtag reichen. Er rechne damit, dass die AfD vier oder fünf Wahlkreise direkt gewinne und am Ende um die 35 Sitze bekomme, sagt Boutakoglou – nach dieser Rechnung hätte auch sein Ludwigsburger Parteikollege Christoforos Tsoulopoulos (Listenplatz 30) zumindest Chancen auf ein Landtagsmandat.
Dass ausgerechnet die AfD-Kandidaten im Kreis von der Wahlrechtsreform profitieren könnten, gefällt längst nicht allen. „An sich ist es für den Landkreis schön, wenn er viele Abgeordnete stellt“, sagt Tayfun Tok. „Aber aus politischer Sicht möchte ich natürlich so wenige Mandate wie möglich für die AfD.“