Landtagswahl 2026 Schmutzkampagne? Im Wahlkreis Leonberg herrscht bei CDU und Grünen Harmonie
Nach der Landtagswahl überhäufen sich im Wahlkreis Leonberg die Vertreter der bisherigen und künftigen Regierungsparteien mit Komplimenten.
Nach der Landtagswahl überhäufen sich im Wahlkreis Leonberg die Vertreter der bisherigen und künftigen Regierungsparteien mit Komplimenten.
Am Montagmorgen nach der Landtagswahl klingt Manches schon viel versöhnlicher. Noch am Sonntagabend in der Hitze der Hochrechnungen wurde seitens der CDU das Wort „Schmutzkampagne“ ins Feld geführt – auch CDU/CSU-Bundestagsfraktionschef Jens Spahn bediente sich des Begriffs, um den Wahlkampf der Grünen zu beschreiben. Doch jetzt, ein paar Stunden später, herrscht unter den künftigen Koalitionspartnern offenbar eitel Sonnenschein. Zumindest auf Wahlkreisebene.
Von einem „fairen Umgang miteinander“ sprach zum Beispiel CDU-Mann Albrecht Stickel in der virtuellen „Elefantenrunde“, zu der das Landratsamt Böblingen am Montag Politiker und Presse eingeladen hatte. Stickel holte im Wahlkreis Leonberg mit 34,8 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Sein ärgster Konkurrent Peter Seimer (Grüne, 28,7 Prozent Erststimmen), vormals per Direktmandat im Landtag, lobte: „Bei Albrecht Stickel ist der Wahlkreis in guten Händen.“ Er selbst wird über den Listenplatz weiter Mitglied des Landtags bleiben. Schon am Wahlabend hatte Seimer gesagt: „Albrecht Stickel ist ein feiner Kerl. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“
Kein Wort gab’s über Spitzenkandidat Manuel Hagels „Rehaugen“-Video oder seinen unglücklichen, viral gegangenen Auftritt vor Schülern in der vergangenen Woche. Stattdessen zeigen sich die gewählten Vertreter aus dem Wahlkreis Leonberg demonstrativ auf Harmonie bedacht.
Erfreut zeigte sich Albrecht Stickel darüber, dass die CDU viele Direktmandate habe zurückgewinnen können. „Das ist ein Indiz dafür, dass viele Personen seit vielen Jahren stark in der Gesellschaft verwurzelt sind.“ Für Peter Seimer war das Ziel von vorne herein klar: „Wir wollten die Landesregierung auch weiterhin anführen.“ Cem Özdemir habe die Menschen überzeugt. Der Wählerauftrag sei nun, „ökologisch und ökonomisch“ zu regieren. „In bewährter Manier, ruhig und sachlich“.
Angesprochen auf das neue Wahlrecht in Baden-Württemberg mit Erst- und Zweitstimme, sagte Seimer: „Das krasse Stimmen-Splitting in dieser Deutlichkeit, das ist neu.“ Es sei müßig zu spekulieren, wie das Ergebnis mit nur einer Stimme ausgesehen hätte. Klar sei: „Die Leute wollen Cem Özdemir als Ministerpräsidenten, auch wenn sie jetzt nicht die reinen Grünen-Wähler sind.“ Dass er selbst nun das Direktmandat verpasst habe, führe er daher nicht auf sich persönlich zurück.
Als Dritter aus dem Wahlkreis Leonberg rückt AfD-Mann Andreas Auer (16,2 Prozent der Erststimmen) in den Landtag. Auch er betonte den fairen Verlauf des Wahlkampfs und kündigte an: „Wir haben jetzt fünf Jahre Arbeit vor uns und schauen, was wir daraus machen.“
Die vierte im neuen Landtag vertretene Partei wird die SPD sein. Farina Semler holte im Wahlkreis Leonberg 6,4 Prozent der Erststimmen. „Es ist ein sehr enttäuschendes Ergebnis“, so die Sozialdemokratin, die nicht in den Landtag einziehen wird. „Ich habe den Wahlkampf eigentlich positiv erlebt. Es hat gutgetan, zu sehen, wie stark die Demokratie ist.“ Allerdings bescherte die Wahl ihrer Partei mit insgesamt 5,5 Prozent (Zweitstimmen) ein verheerendes Resultat, das schlechteste in ihrer Geschichte in Baden-Württemberg.
Nicht mehr mit dabei ist die FDP. Und damit geht auch für Hans Dieter Scheerer seine Zeit als Mitglied des Landtags zu Ende. „Wir hatten eigentlich mit sechs Prozent plus x gerechnet“, so der Weil der Städter. Wichtig sei jetzt, dass die richtigen Entscheidungen getroffen würden.
Den Sprung in den Landtag verpasst hat auch Die Linke. „Die hohe Wahlbeteiligung hat uns und auch der FDP das Genick gebrochen“, sagt Thomas Walz, der im Wahlkreis Leonberg auf 3,6 Prozent der Erststimmen kam. Andererseits sei es ja auch sehr schön, wenn viele Menschen Wählen gehen.
Wie geht es für die Gewählten nun weiter? Albrecht Stickel, der nach der Geburt seiner Tochter derzeit in Elternzeit ist, sagt: „Die neue Legislaturperiode beginnt im Mai, jetzt folgen Sitzungen in Stuttgart mit der Landes-CDU und allen anderen gewählten Kolleginnen und Kollegen.“ Anders dürfte es bei Peter Seimer auch nicht aussehen.