Landtagswahl 2026 Wozu Kultur? – Das sind die Linien der Parteien
In allen Wahlprogrammen zur baden-württembergischen Landtagswahl 2026 spielt die Kultur eine Rolle – doch die Schwerpunkte unterscheiden sich.
In allen Wahlprogrammen zur baden-württembergischen Landtagswahl 2026 spielt die Kultur eine Rolle – doch die Schwerpunkte unterscheiden sich.
Sowohl CDU, Grüne, SPD, FDP als auch Linke und AfD greifen das Thema Kultur in ihren Wahlprogrammen für die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg auf. Dabei unterscheiden sie sich nicht nur in der Ausführlichkeit, mit der sie das Thema behandeln, sondern auch bei den jeweiligen Zielen und Projekten. Was später dann auch umgesetzt werden kann, hängt am kommenden Sonntag zunächst einmal von den Wählerinnen und Wählern ab.
Die CDU plant eine „Kulturstrategie 2036“. Kulturgebäude sollen langfristig gesichert werden, sowohl durch Erhalt als auch durch Neubau. Zudem unterstützt sie die Bewerbung Heidelbergs als europäische Kulturhauptstadt. In der kulturellen Bildung setzt die Partei auf das Leitmotiv „Instrument statt Handy“ und will, dass jedes Kind in Baden-Württemberg die Chance bekommt, im Chor zu singen oder ein Instrument zu erlernen. Die Kunstförderung soll evaluiert, Bürokratie abgebaut werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Digitalisierung von Kultureinrichtungen.
Die Grünen stellen eine verlässliche Kulturförderung auch in Krisenzeiten in Aussicht und wollen dafür einen Nothilfefonds schaffen. Eine Sanierungsoffensive für Kulturgebäude ist vorgesehen. Mit dem neu eingeführten Programm „Popländ“ sollen Clubkultur und Popmusik weiterhin gestärkt werden. Geplant sind außerdem Investitionen in Film, Games und die Kreativwirtschaft sowie der Ausbau digitaler Kulturinfrastruktur und Open-Source-Lösungen. Unter dem Stichwort „Green Culture“ soll der Klimaschutz im Kulturbereich vorangebracht werden, unter anderem mit einem CO₂-Rechner für die Kultureinrichtungen. Bibliotheken sollen als „Dritte Orte“, also als soziale Treffpunkte außerhalb von Zuhause und Arbeitsplatz, gestärkt werden. Kinder und Jugendliche sollen freien Eintritt in Landesmuseen erhalten. Die Grünen sprechen sich zudem dafür aus, die Herkunft problematischer Kulturgüter aufzuarbeiten (zum Beispiel Raubgut aus der Kolonialzeit oder des NS-Regimes) und sie womöglich zurückzugeben.
Die SPD kritisiert in ihrem Wahlprogramm zunächst die aktuelle Landesregierung: „Die grün-schwarze Landesregierung hat es versäumt, die Kulturfinanzierung zukunftssicher zu gestalten und gefährdet so die reiche Kulturlandschaft Baden-Württembergs.“ Die Sozialdemokraten wollen stattdessen auf eine stabile und transparente Kulturfinanzierung setzen. Ein neuer Investitionsfonds soll Sanierungen – etwa von Spielstätten – ermöglichen. Die Sanierung der Stuttgarter Staatsoper soll neu bewertet werden. Die Partei fordert freien Eintritt in die Dauerausstellungen der Landesmuseen sowie einen landesweiten Kulturpass in Höhe von 100 Euro für junge Menschen. Migrantische Perspektiven und Diversität sollen gestärkt werden, ebenso die Breitenkultur wie Chöre und Vereine. Ehrenamtliche sollen, wenn sie bei ihrer Arbeit öffentlich Musik einsetzen, bei den fälligen Gema-Gebühren entlastet werden. Zudem setzt sich die SPD für faire Bezahlung und tarifliche Standards in der Kulturbranche ein sowie für Provenienzforschung und die Rückgabe kolonialer Kulturgüter.
Die FDP schlägt einen Landeskulturplan vor, der mehr Übersicht und Verlässlichkeit schaffen soll. Bürokratieabbau ist den Liberalen ein zentrales Anliegen. Zugleich setzt die Partei auf eine stärkere Rolle von Mäzenatentum und Sponsoring. Die Sanierung der Stuttgarter Staatsoper soll mit Blick auf Einsparpotenziale überprüft werden. Musikhochschulen, Orchester und Ballett sollen unterstützt werden. Private Galerien und der Kunsthandel sollen nicht durch Regulierung belastet werden.
Die Linke fordert einen kostenfreien und barrierefreien Zugang zu öffentlich geförderten Kultureinrichtungen. Ein Kulturpass auf Landesebene sowie mehr Kulturangebote im ländlichen Raum gehören ebenfalls zu ihren Vorschlägen. Statt einer projektbezogenen Förderung setzt sie auf eine starke öffentliche Finanzierung und weniger Bürokratie. Die freie Szene, Subkultur sowie migrantische und queere Kultur sollen gezielt gefördert werden. Die Theaterförderung soll ausgebaut werden – auch für kommunale Bühnen und mobile Formate. Gefordert werden Mindesthonorare, Ausstellungshonorare und eine Stärkung der Künstlersozialkasse zur sozialen Absicherung von Kulturschaffenden. Clubkultur und Jugendkultur sollen gestärkt, mehr öffentliche Räume geschaffen werden. Zudem setzt sich die Partei für eine Demokratisierung der Kulturförderung ein und fordert strikte Kunstfreiheit, auch bei politisch kontroversen Themen.
Die AfD versteht Kultur als Mittel zur Bewahrung deutscher Identität. Sie will die Breitenkultur und Vereine stärken sowie Antragsverfahren für Ehrenamtliche vereinfachen. Staatliche Kulturförderung soll kritisch überprüft werden. Zudem fordert die Partei mehr Bürgerbeteiligung bei Kunst im öffentlichen Raum und lehnt einen „globalistischen Multikulturalismus“ ab. In rechten und rechtspopulistischen Diskursen wird der Begriff „globalistisch“ oft verwendet, um internationale Institutionen, supranationale Strukturen und alles, was aus deren Sicht darauf zielt, die „nationale Identität“ zu „zerstören“, zu kritisieren.
Nachtleben und Clubkultur
Zum Thema Nachtleben und Clubkultur hat der Verein Clubkultur Baden-Württemberg den Parteien einen Fragenkatalog gegeben. Die jeweilige Haltung zu Förderprogrammen, Lärmschutz und Co. finden Sie hier.