Die Volkshochschule Korntal-Münchingen lädt zu einem besonderen Wahlforum ein. Vor der Landtagswahl können Besucher mit Kandidierenden sprechen. Die KI mischt mit.
Wie man Menschen für Politik interessiert? Über Themen, die ihnen auf den Nägeln brennen – und über Köpfe, sprich: die Macherinnen und Macher. Davon jedenfalls ist Cornelie Class-Hähnel überzeugt. „Über die persönliche Schiene kriegt man die Leute“, meint die Leiterin der Volkshochschule in Korntal-Münchingen.
Deshalb findet vor der Landtagswahl am 8. März in der Stadthalle Korntal ein Wahlforum statt. Bevor die moderierte Podiumsdiskussion mit den Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Wahlkreis 13 beginnt, können die Besucherinnen und Besucher mit Nikolaos Boutakoglou (AfD), Steve Burgstett (Linke), Konrad Epple (CDU), Meike Günther (Grüne), Helena Herzig (FDP) und Torsten Liebig (SPD) – die Aufzählung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge – direkt ins Gespräch kommen. „Das ist eine tolle Möglichkeit, Fragen zu stellen“, sagt Cornelie Class-Hähnel. Sie weiß um die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung – und spricht von politischer Bildung als einem Zuschussgeschäft. Umso wichtiger sei es, dass Distanzen und Gräben überwunden würden. „Wir brauchen mündige, informierte Leute, die sich wertgeschätzt fühlen.“
KI dampft Wahlprogramme zusammen und macht Bilder draus
Am 4. Februar (19.30 Uhr, freier Eintritt) soll es sowohl um lokale Themen gehen als auch um Landesthemen. „Wir wollen uns nicht im Klein-Klein verlieren“, betont Cornelie Class-Hähnel. Die drei großen Themen sind Bildung, Gesundheit und innere Sicherheit. Die VHS-Chefin sagt: „Ich bin gespannt, welche Ideen die Kandidierenden haben.“
An jenem Abend bekommen die Gäste zudem besondere Plakate zu sehen: Das Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz in Tübingen hat aus den Wahlprogrammen KI-generierte Bilder erstellt. Dabei seien die politischen Ziele, Werte und Prioritäten der jeweiligen Parteien in künstlerische Bildwelten übersetzt worden, heißt es in einer Mitteilung des Instituts.
Als wiederkehrendes Motiv wurde die Perspektive auf eine Stadt gewählt. Die Motive verstünden sich als visuelle Gedankenexperimente. Die KI abstrahiere und verdichte politische Inhalte und mache zentrale Aussagen, Konfliktlinien und Schwerpunkte sichtbar. Die Ausgangsfrage lautete: Wie könnte das zukünftige Leben in einer Stadt aussehen, wenn eine der sechs am aussichtsreichsten kandidierenden Parteien in Baden-Württemberg ihr Wahlprogramm allein umsetzen dürfte?
Kandidaten haben nur 30 Sekunden für ihr Statement
An insgesamt 40 Kultur- und Bildungseinrichtungen werden solche „Stadt-Bilder“ bis zur Landtagswahl gezeigt. Die Ausstellung sei überparteilich und gebe keine Wahlempfehlung, teilt das Tübinger Institut mit. In Korntal erfahren die Besucher auch, was die Kandidierenden von den Plakaten halten und ob sie sich darin wiederfinden. 30 Sekunden lang haben sie Zeit für ihr Statement. „So was Kurzes und Knackiges bleibt in Erinnerung“, findet Cornelie Class-Hähnel.
Die Veranstaltung in der Stadthalle wird in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Volkshochschulverband Baden-Württemberg und in Zusammenarbeit mit dem Jugendgemeinderat geboten. Dessen Beteiligung Cornelie Class-Hähnel wichtig ist. Gerade im schulischen Bereich tue sich viel, Stichwort: Zukunftsschule. Unter anderem stelle sich die Frage, inwieweit die schulische Bildung kompatibel sei mit den Herausforderungen der modernen Welt.