Landtagswahl Baden-Württemberg Auch die „Kleinen“ kämpfen im Kreis Ludwigsburg um jede Stimme

Die pro-europäische Partei Volt ist eine von acht kleineren Parteien, die im Landkreis Ludwigsburg antritt. Foto: LICHTGUT/Leif Piechowski/Leif Piechowski

Neben den sechs „Großen“ gibt es acht weitere Parteien, die in und um Ludwigsburg um die Gunst der Wähler ringen. Doch welche Gruppierung setzt sich für welche Themen ein? Und wie ernst meinen die das überhaupt? Eine Übersicht.

Kreis Ludwigsburg - Von der CDU über die Grünen zur Linken, von der SPD und der FDP zur AfD: Die Platzhirsche unter den Parteien sitzen vielfach in Parlamenten, haben die Ressourcen für große Wahlkämpfe, sind mal geliebt, mal gehasst – aber auf jeden Fall bekannt. Indes: Das politische Spektrum ist viel größer. In den Wahlkreisen Ludwigsburg, Vaihingen und Bietigheim haben mehrere kleine Parteien ihre Kandidaten und Kandidatinnen ins Rennen um Sitze im Landtag geschickt.

 

Wir 2020

Für die noch junge Partei Wir 2020 tritt im Ludwigsburger Wahlkreis 12 Peter Feuerstack an. Gründungsimpuls für die Partei war die Kritik an den Coronamaßnahmen, doch sie hat sich insgesamt der Beschäftigung mit einem „kulturell-geistigen, politisch-sozialen und wirtschaftlich-ökologischen Dreiklang“ verschrieben. Feuerstack sagt, es gehe nicht darum, das Virus kleinzureden. Er betont aber, dass viele Maßnahmen nicht viel brächten, dafür Schaden anrichteten und Grundrechte einschränkten. „Wir müssen wissenschaftliche Erkenntnisse besser umsetzen“, so der 54 Jahre alte Ingenieur. Im Wahlkreis Vaihingen (13) tritt für Wir 2020 Claudia Frische an, im Wahlkreis Bietigheim (14) Sven Ackert.

Freie Wähler

Die Landesvereinigung der Freien Wähler tritt ebenfalls in allen drei Wahlkreisen an, in Ludwigsburg mit Jan Rittaler, in Vaihingen mit Klaus Pflieger, in Bietigheim mit Sylvia Rolke. Rolke, 41, ist Kommunalpolitikerin aus Mannheim. Die Landesvereinigung hat das Problem, dass die Freien Wählervereinigungen vor Ort oft nicht mitziehen, weil sie ihre Organisationen als rein kommunalpolitisch verstehen – auch deswegen muss die Mannheimerin im Kreis Ludwigsburg ran. Die Freien Wähler verstehen sich als „wertorientierte und bürgerliche Bewegung in der Mitte der Gesellschaft“. Als Politiker sei es wichtig, „authentisch zu bleiben und bei sich selbst“, sagt Rolke.

Ökologisch-Demokratische Partei

Für die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) geht in Ludwigsburg Josef Wagner ins Rennen, in Vaihingen Guido Klamt und in Bietigheim Guido Eink. „Die Politik der ÖDP ist von der Achtung vor dem Leben, von der Zeugung bis zum natürlichen Tod, der Achtung von Menschenrechten und Menschenwürde sowie vom Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen geprägt“, heißt es im Parteiprogramm. „Es ist die einzige Partei, bei der ich zu 100 Prozent das Parteiprogramm mittragen kann“, sagt Eink. Authentizität und Glaubwürdigkeit seien ihm sehr wichtig. Für Klamt steht bei der Landtagswahl „politisch das Erreichen der Klimaziele als oberstes Ziel fest“.

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Basisdemokratische Partei Deutschland

Die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz „dieBasis“, entstand vergangenes Jahr aus der Corona-Protestpartei „Widerstand 2020“. Der Landesverband gründete sich im September. Grundlegende Forderungen der Partei sind uneingeschränkte Freiheitsrechte und ein basisdemokratisches Konzept, das direkte Bürgerbeteiligung vorsieht. „Die Basisdemokratische Partei tritt dafür ein, dass die Menschen wieder ein Mitspracherecht kriegen und sich nicht von oben regieren lassen“, so Randolf Michael Knapp, der in Vaihingen kandidiert. Die Kandidaten aus den Wahlkreisen 14 und 12 sind Ulrich Kappl und Andreas Roll. Letzterer war lange bei den Grünen, wurde aber – unter anderem wegen seiner Nähe zu den Querdenkern – ausgeschlossen.

Volt

Ebenfalls noch relativ jung ist die pro-europäische Bürgerbewegung Volt, die 2017 als gesamteuropäische Partei anlässlich des Brexit-Votums gegründet wurde. Den Landesverband gibt es seit vergangenem Juli. Im Parlament in Brüssel ist Volt bereits vertreten, auf Landesebene will die Partei die europäische Idee ebenfalls voranbringen, weshalb dieser Punkt ganz oben im Wahlprogramm steht. In der Partei engagieren sich vor allem Jüngere, das ist im Kreis nicht anders. Für den Wahlkreis Ludwigsburg hat sich kein Kandidat gefunden, in Bietigheim tritt die 20-jährige Hanna Antony an, in Vaihingen Zahra Boussata.

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Klimaliste

Der Name ist Programm bei der Klimaliste Baden-Württemberg: Höchstes Ziel der jungen Partei ist die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad. „Ich trete an, weil keine der bisher im Landtag vertretenen Parteien gezeigt hat, dass sie die Klimakrise durch faktische Politik ernst genug nimmt“, sagt Magnus Rembold, der in Ludwigsburg und Vaihingen auf dem Wahlzettel steht. In Bietigheim schickt die Klimaliste Nora Oehmichen ins Rennen. Soziale Gerechtigkeit, Bildung, solidarische Formen des Wirtschaftens und eine bürgernahe Politik, etwa durch die Einführung eines „Bürger*innenrats“, sind ebenfalls Themen der Partei.

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Demokratie in Bewegung

Die Partei Demokratie in Bewegung (DiB) wurde 2017 gegründet, hat derzeit 43 Mitglieder. In Bietigheim tritt sie mit ihrem Landesvorsitzenden Wolfgang Schaible an. Der gebürtige Stuttgarter ist Technischer Lehrer. Mit der Partei war er schon länger in losem Kontakt. „Als es im ersten Lockdown hieß, dass danach alles wieder so sein soll wie vorher, hat es mich gepackt“, sagt der 59-Jährige. Erst wurde er Mitglied und schließlich auch Landesvorsitzender. Schaible tritt ein für weniger Lobbyismus, mehr Transparenz und mehr Mitbestimmung in der Politik.

Die Partei

Im Europaparlament ist Die Partei mit Martin Sonneborn bereits vertreten. Mit dem Motto „Teilen verbindet“ und einer ordentlichen Portion Humor wollen Sina Marie Nietz (Ludwigsburg), Tobias Schmidt (Vaihingen) und Dennis Rickert (Bietigheim) nun in den Landtag einziehen. Obwohl die Botschaften der 2005 gegründeten Partei wie „Nein zu Baden-Württemberg, ja zu Duschen-Württemberg“ auf den ersten Blick nicht ernst gemeint erscheinen, sind die kritischen Zwischentöne unübersehbar. Im Satireduktus zielen sie auf Themen wie Digitalisierung, Wohnen, Umweltschutz und Bildung ab.

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