Landtagswahl Baden-Württemberg Kandidaten aus Main-Tauber, Balingen, Tuttlingen- Donaueschingen, Heilbronn und Singen

Christina Baum, Wahlkreis Main-Tauber-Kreis

Die stellvertretende Landesvorsitzende Christina Baum (Jahrgang 1956) zählt sich zu den Freunden Björn Höckes und darf zum deutschnationalen Flügel der Landespartei gezählt werden. Sie hat bei Höckes regelmäßigen und gut besuchten Demonstrationen in Erfurt gesprochen – unter anderem zu ihrem politischen Lieblingsthema, der Meinungsfreiheit. In ihrem Wahlkreis Main-Tauber sicherte sie sich am Sonntag 17,2 Prozent. Ihr Hauptanliegen ist der Kampf gegen die „Meinungsdiktatur“. Es herrschten hierzulande Verhältnisse, die sie so sogar in der DDR nicht erlebt habe. Baum, die mit ihrem Mann eine Zahnarztpraxis in Lauda-Königshofen betreibt, führte im Wahlkampf als Beispiel für unterdrückte Tatsachen die „Frühsexualisierung unserer Kinder“ an. In den Kindergärten würden Kinder zu homosexuellen Handlungen und Masturbation animiert. Ziel dieser und anderer Maßnahmen der Frühsexualisierung, die von der etablierten Politik betrieben werde, sei „Freiheit für die Pädophilen und Sex ab zwölf Jahren“. Die entsprechenden politischen Grundlinien fänden sich seit 1988 auch im Parteiprogramm der CDU. „Das alles geht nur, weil niemand etwas davon weiß“, so Baum. AfD

Stefan Herre, Wahlkreis Balingen

Der 24-Jährige - und künftig jüngste Landtagsabgeordnete – hat nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker einen Handwerks- und einen Industriemeister absolviert, gründete ein IT-Startup und arbeitete bis zuletzt als selbstständiger Berater. Für seinen Wahlkreis Balingen erhielt Stefan Herre 18,1 Prozent der Stimmen. Auf Facebook hat er unter anderem die Seiten „Patriotische Plattform – Sachsen“ und „Pegida BW – Stuttgart“ mit einem „Like“ markiert. In einem Artikel des „Schwarzwälder Boten“ sagte er, er sei politisch schon immer interessiert gewesen, ein „klassischer CDU-Befürworter“. Vor fünf Jahren sei er kurz davor gewesen, in die Junge Union einzutreten – bis es zur Griechenland- und Eurokrise kam. Weil man in der CDU, so Herre, über die Eurorettungs-Politik der Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel nicht mehr offen habe diskutieren dürfen, sei er zur „Wahlalternative 2013“ gestoßen – dem Vorgänger der AfD. „Asyl braucht Grenzen“, sagte Herre in dem Bericht, „wir müssen entscheiden, wer unser Land betreten darf.“ Dringend notwendig sei angesichts des demografischen Wandels ein Einwanderungsgesetz, das regeln soll, „welche Menschen wir hier in Deutschland brauchen und wollen“. Für die Auswahl müsse es klare Kriterien geben – etwa Qualifizierung, Vermögen, aber auch Vorstrafen. Vorbilder dafür seien etwa Australien, die USA und Kanada. „Wir sind keine rechtsradikalen Spinner, wir sind besorgte Bürger“, lautete Herres Selbsteinschätzung, und: „Ich sehe uns als CSU für den Rest Deutschlands.“ AfD

Lars Patrick Berg, Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen

Berg ist ähnlich wie Meuthen dem moderateren Flügel der Partei zuzuordnen. Der falsche Weg sei es aber, Meinungen von Parteimitgliedern zu unterdrücken. „Oberstes Prinzip ist es, dass alle Mitglieder angehört werden“, erklärt Berg, „danach muss in der Sache hart diskutiert werden, um eine gemeinsam Position zu finden.“ Und er wiederholt: das alles müsse hinter verschlossenen Türen geschehen. Offensichtlich soll in Baden-Württemberg ein Szenario wie in Thüringen vermieden werden, wo nach der Landtagswahl Ende 2014 die AfD-Fraktion in einem schmutzigen Grabenkrieg versank und sich schließlich gespalten hat. Für seinen Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen fuhr er 15,9 Prozent der Stimmen ein. Auf der Internetplattform Facebook ist er beliebt: Die offizielle Seite des 49-Jährigen hat knapp 2400 Likes. Dort postet er unter anderem Stichworte, für die aus seiner Sicht Grün-Rot steht – und die gegen deren Politik spreche: „Veggieday, Dieselverbot, Naive Willkommenskultur, Beschlagnahme von privaten Immobilien, Abschaffung des Gymnasiums“. Die SWR-Elefantenrunde am vergangenen Donnerstag kommentiere er mit: „Übliches AfD-Bashing von CDU-Wolf, Kretschmann und Co. Auch der kleine SPD-Nils voll in Fahrt. Fazit: Hohle Phrasen und sonst nichts. Bedauerlich...” Auf Facebook hat Berg als Beruf „Oberstleutnant in Reserve“ angegeben, bis Sommer 2014 war er ein knappes Jahr als Pressesprecher im Landratsamt in Sigmaringen tätig. Anschließend wechselte er als Pressesprecher für die AfD ins Europaparlament nach Brüssel.

Rainer Podeswa, Wahlkreis Heilbronn

Der Heilbronner ist Vorstand bei dem Automobilzulieferer Beru. Podeswa (Jahrgang 1957) erhielt im Wahlkreis Heilbronn 18,2 Prozent der Stimmen. Er hat eine eigene Website, auf der rechts oben das Logo der AfD prangert. Auf www.rainer-podeswa.de teilt er seine politischen Positionen: „Für ein Ende der Massenzuwanderung und des Asylmissbrauchs“ oder „für ein differenziertes, leistungsorientiertes Bildungssystem – gegen Frühsexualisierung und Genderwahn“. Auf dem AfD-Landesparteitag sagte Podeswa: „Die Gender-Ideologie ist der geistige Ausfluss von Spinnern mit einem kommunistischen Heile-Welt Bild, welches selbst Karl Marx nicht verstanden hätte.“ Er kritisierte, dass „Frauen mit Privilegien, Förderprogrammen und Sonderrechten zu Lasten von Männern ausgestattet werden“. Auf seiner Facebookseite spricht Podeswa von Flüchtlingen als „Analphabeten aus Steinzeitkulturen“. AfD

Wolfgang Gedeon, Wahlkreis Singen

Wolfgang Gedeon ist Autor der 2012 erschienenen Streitschrift „Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten“. Bereits die Kapitelüberschriften deuten an, worum es geht, etwa „Die Fälle Liu Xiaobo und Horst Mahler – Ist eine strafrechtliche Verfolgung von „Holocaust-Leugnung“ legitim?“, „Allgemeiner Sex- und spezieller Schwulenkult (Über Sexualismus und Homosexualismus)“, „Multi-Kulti-Ideologie, Zuwanderungslobbyismus und Fremdenkult (Über Migrationismus, Migrantismus und Xenomanie)“ oder „Strategisches Vorgehen der Migrationisten“. In seinem Wahlkreis Singen erhielt Gedeon 15,7 Prozent der Stimmen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung wurde Gedeon laut eines Artikels im „Südkurier“ von dem SPD-Kreisvorsitzenden in Singen Tobias Volz gefragt, ob dieser sich selbst schon mal ein Bild in einem hiesigen Flüchtlingsheim gemacht habe. Das verneinte Gedeon: „Es ist nicht meine Aufgabe, in ein Flüchtlingslager zu gehen.“ Und die Politik von Angela Merkel sei „eine Form von Wahnsinn“. AfD