Landtagswahl Baden-Württemberg Kandidaten leiden in der „Todeszone“

Swantje Sperling setzt sich im Wahlkreis Waiblingen durch, hat aber noch keine Präferenzen, ob es im Südwesten mit einer grün-schwarzen Koalition oder einer Ampelregierung weitergehen soll. Foto: Gottfried Stoppel
Swantje Sperling setzt sich im Wahlkreis Waiblingen durch, hat aber noch keine Präferenzen, ob es im Südwesten mit einer grün-schwarzen Koalition oder einer Ampelregierung weitergehen soll. Foto: Gottfried Stoppel

Während Swantje Sperling (Grüne) als Newcomerin sogar ihren Vorgänger überflügelt muss CDU-Mann Siegfried Lorek bei der Landtagswahl bis spät in die Nacht um seinen Sitz im Parlament zittern.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)
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Waiblingen - Mit der Grünen-Kandidatin Swantje Sperling hat sich eine Newcomerin das Direktmandat im Wahlkreis Waiblingen gesichert. Die in Remseck geborene, familiär aber auch in Leutenbach verwurzelte Politikwissenschaftlerin holte sich am Sonntag auf Anhieb exakt 29,95 Prozent der Stimmen und fuhr damit nicht nur das beste Ergebnis aller Grünen-Kandidaten an Rems und Murr ein. Die 37-Jährige überflügelte sogar ihren Vorgänger Willi Halder, der vor fünf Jahren bei 27,8 Prozent gelandet war.

Standpunkte sind wichtiger als das Bauchgefühl

„Ich bin überglücklich und möchte die beste Abgeordnete sein, die ich sein kann“, sprach sie in einer ersten Reaktion von einem „historischen Erfolg“. Ob das Wahlergebnis ein Signal für eine grün-schwarze Koalition darstellt oder sie für den Südwesten eine Chance für eine Ampelregierung sieht, wollte die Büroleiterin der Enzkreis-Abgeordneten Stefanie Seemann am Sonntag nicht beantworten: „Wichtig sind die Standpunkte der Partner bei Themen wie dem Klimaschutz – und nicht das Bauchgefühl“, sagt Sperling.

Bis weit in die Nacht zittern musste der CDU-Abgeordnete Siegfried Lorek, ob es erneut für einen Sitz im Landtag reicht. „Ich befinde mich in der Todeszone“, sagte der Polizeioberrat zu den eintröpfelnden Ergebnissen – und meinte damit die Frage, ob er bei der Stimmenzahl besser abschneidet als die parteiinterne Konkurrenz.

Zitterpartie um den Einzug ins Parlament

Kurz nach der Schließung der Wahllokale hatte der 43-Jährige noch unter der 22-Prozent-Marke gelegen, drei Stunden später waren an einem nervenaufreibenden Abend 25,2 Prozent erreicht. Das bedeutet, dass der für seine engagierte Wahlkreisarbeit durchaus auch von politischen Gegnern respektierte Abgeordnete den WK 15 auch weiter im Landtag vertreten darf. „Als Schwabe würde man sagen: Er hat nicht alles falsch gemacht“, dankte Lorek seinen Unterstützern für einen guten Wahlkampf.

Die Verluste seiner Partei führt der CDU-Mann auf das Corona-Management der Bundesregierung, aber auch auf die Wahl von Kultusministerin Susanne Eisenmann als Spitzenkandidatin zurück. Lokal habe ihm die Kandidatur von Peter Treiber zugesetzt, der für die Freien Wähler am Sonntag fast fünf Prozent holte – Stimmen, die Lorek fehlten.

Liberale Goll fühlt sich als Wahlsiegerin, SPD-Frau Mack ist enttäuscht

Keine Zitterpartie erlebte Julia Goll. Die Richterin und Ehefrau des bisherigen FDP-Abgeordneten Ulrich Goll („Wir sitzen hier in der Großfamilie und feiern“) freute sich über ein „landesweit sehr gutes Ergebnis“ und sprach von einem „klaren Wahlsieg für die Liberalen“. Auch aus Sicht der fünffachen Mutter übrigens habe die Kandidatur des Schmidener Landwirts Peter Treiber sie Stimmen gekostet – dennoch sah es am Abend so aus, als ob Julia Goll mit 13,3 Prozent einen Platz im Landtag bekommt.

Enttäuscht äußerte sich Sybille Mack über das Wahlergebnis – parteiintern wie persönlich. „Es sind erneut relativ viele Stimmen an viele kleinere Gruppierungen gegangen“, beklagte sie. 10,9 Prozent hat die Betriebswirtin aus Fellbach am Sonntag erreicht. Einziger Trost für Mack, dass sie beim Minimalziel, wenigstens vor der AfD zu landen, ein Erfolgserlebnis hatte: Kandidat Marc Maier holte am Sonntag gerade mal 8,1 Prozent der Stimmen.




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