Landtagswahl: der Wahlkreis Stuttgart III CDU bangt um ihr Direktmandat

Die neu gewählten Abgeordneten werden das Interimsgebäude des Künstlerbundes nicht mehr nutzen müssen, weil der Landtag bis dahin saniert ist. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die neu gewählten Abgeordneten werden das Interimsgebäude des Künstlerbundes nicht mehr nutzen müssen, weil der Landtag bis dahin saniert ist. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Wir beschreiben die Ausgangslage in allen vier Stuttgarter Wahlkreisen und stellen die Kandidaten der sechs aussichtsreichsten Parteien vor. Dieses Mal: Wahlkreis Stuttgart III, in dem die AfD dem Grünen-Minister Franz Untersteller zum Sieg über Platzhirsch Reinhard Löffler verhelfen könnte.

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Stuttgart - Im nördlichen Wahlkreis Stuttgart III würde sich, sofern sich die aktuellen Umfragen bestätigten, zwar nicht die Wahl entscheiden, aber immerhin, ob die CDU „nur“ einen weiteren schwarzen Sonntag erlebt oder eine historische Niederlage einfährt. Das hängt davon ab, ob die Union, nachdem ihr 2011 in der Landeshauptstadt bereits drei von vier Direktmandaten abhanden gekommen waren, auch noch das vierte an die Grünen abgeben muss. Der Platzhirsch Reinhard Löffler hatte sich ja seinerzeit mit 6,2 Prozentpunkten Vorsprung vor dem Neuling Franz Untersteller über die Ziellinie gequält. Es lief nicht überall so wie in Mühlhausen, wo er den heutigen Umweltminister zwölf Punkte auf Abstand hielt; in Botnang waren es nämlich nur 0,9 und in Feuerbach 1,7.

In dem am stärksten industriell geprägten Wahlkreis im Nordosten der Stadt brauchte Löffler fast sein ganzes Polster von 2006 auf. Damals waren zwischen CDU und Grünen 27,7 Prozentpunkte gelegen. Die mutmaßlichen Gründe waren der Streit um das Projekt S 21, das Löffler nach wie vor befürwortet, und die Debatte um den Atomausstieg. Die letzten Pünktchen mache er jetzt noch wett, zeigt sich der heutige Umweltminister Untersteller zuversichtlich: Löffler drei runter, er drei rauf, was mit seiner Bilanz in Sachen Erneuerbare Energien und Klimaschutz eigentlich möglich sein müsste, dann sei es geschafft.

Traditionell gutes Pflaster für Rechtspopulisten

Nicht nur der Unmut in großen Teilen der Bevölkerung um die Asylpolitik von Kanzlerin Angela Merkel dürfte Löffler Sorgen bereiten. Ihn trifft die erstarkte AfD in den Bezirken so hart wie keinen seiner Parteifreunde, denn im Norden tritt Bernd Klingler an, und das ist bekanntlich nicht das schlechteste Pflaster für Rechtspopulisten wie der Einzug in den Landtag von Horst Trageiser für die „Republikaner“ 1992 mit 15,2 Prozent zeigte. Nirgendwo sonst in Stuttgart hatte es ein Rep-Mitglied in der Zeit, als viele das Boot bereits voll wähnten, zu einem Zweitmandat gebracht.

Zwar ist der im Unfrieden von der FDP übergewechselte Stadtrat und AfD-Fraktionssprecher Bernd Klingler wegen seines Strafbefehls wegen Untreue (gegen den er allerdings Einspruch eingelegt hat und vor Gericht bringen wird) persönlich angeschlagen; an vielen Stammtischen im Wahlkreis dürfte er aber immer noch die Meinungsführerschaft haben.

CDU hat quasi ein Abonnement auf das Direktmandat

Jede einzelne Stimme für Klingler nütze den Grünen, warnen die Wahlkämpfer der Union, weshalb der Mühlhausener Bezirksbeirat Johannes Schlichter unlängst auch deutliche Worte über Klinglers angeblichen Einsatz an allen Fronten verlor. Dass der ihn daraufhin beleidigte, hätte zu einer Strafanzeige geführt, wäre Klingler nicht rechtzeitig zu Kreuze gekrochen. Die CDU hat seit der Neueinteilung der Wahlkreise 1976 ein Abonnement auf das Direktmandat. Gleich dreimal siegte Marianne Schultz-Hector, ihr folgte Clemens Winckler. Ein gutes Pflaster war der Norden auch für die SPD und Uli Maurer, der zwischen 1980 und 2001 sechs Mal ein Zweitmandat holte. Mitte 2005 trat er aus der SPD aus und am 1. Juli in die neu gegründete WASG ein. Da er das Landtagsmandat noch bis zu seiner Wahl in den Bundestag beibehielt, war er das erste WASG-Mitglied in einem deutschen Landesparlament. Seine Nachfolgerin wurde Edeltraud Hollay (SPD). Seitdem herrscht im Wahlkreis III für die Genossen Funkstille, 2011 fehlten Ruth Weckenmann für ein Zweitmandat trotz des besten SPD-Ergebnisses 6000 Stimmen. Nun soll es ihre Schwester richten, die Kulturstaatssekretärin Marion von Wartenberg, die vor allem mit ihren Sternchenthemen Integration und Bildungspolitik punkten will. Sie meint, der Wahlkreis sei „holbar“.

Darauf dürfte Gabriele Heise, die stellvertetende Landesvorsitzende der in den vergangenen Jahren arg gerupften FDP nicht spekulieren. Zweitmandate gab es für die Liberalen hier noch nie. Zuletzt lagen zwischen dem Kandidaten Matthias Oechsner und einem Zweitmandat sieben Plätze oder 2200 Stimmen. Für die Linken tritt wieder Reiner Hofmann an. Er kam auf 3,7 Prozent, lag damit 0,3 Punkte über dem Stadtergebnis und gewann gegenüber 2006 rund 600 Sympathisanten hinzu.




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