Im Wahlkreis Leonberg-Herrenberg wollen zwei Parlamentarier und einige Novizen den (Wieder-)Einzug in den Landtag schaffen. Vor dem 8. März lohnt ein Blick auf die Landeslisten.

Zwei Routiniers und fünf Neulinge treten bei der Landtagswahl am 8. März im Wahlkreis Leonberg an, der auch die Bereiche Weil der Stadt und Herrenberg umfasst. Peter Seimer von den Grünen und Hans Dieter Scheerer von der FDP gehören bereits dem Parlament in Stuttgart an, alle anderen bewerben sich erstmals.

 

Albrecht Stickel (CDU): In besonders große Fußspuren will Albrecht Stickel aus Herrenberg steigen. Der 52-Jährige ist der Nachfolgekandidat der Christdemokratin Sabine Kurtz. Die Leonbergerin zieht sich nach zwei Jahrzehnten aus der aktiven Landespolitik zurück, in der sie nicht nur einfache Abgeordnete war: Drei Jahre lang, von 2018 bis 2021, war sie Vizepräsidentin des Landtags. Seither ist die nun 64-Jährige Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium.

Albrecht Stickel (CDU) Foto: Simon Granville

Seit fast zwölf Jahren gehört Albrecht Stickel der CDU-Fraktion im Herrenberger Gemeinderat an, deren Vorsitzender er jetzt ist. Bemerkenswert: Der Direktkandidat hat keinen Platz auf der CDU-Landesliste. Wenn Albrecht Stickel also nicht die meisten Stimmen im Wahlkreis bekommt, ist er raus.

Peter Seimer (Grüne): Bereits seit 2021 sitzt Peter Seimer im Landtag, er beerbte seinerzeit den langjährigen Abgeordneten Bernd Murschel aus Leonberg. Politisch setzt sich der studierte Steuerfachmann für eine „starke Klimapolitik“ und eine „Finanzpolitik, die keine Investitionen in die Zukunft ausbremst“ ein.

Peter Seimer (Grüne) Foto: Jürgen Bach

Peter Seimer steht in der Landesliste der Grünen auf Platz 36 – ein mäßiger Rang für den 32-Jährigen aus Aidlingen, haben sich die Vorzeichen gegenüber der letzten Wahl doch deutlich verschlechtert. Aktuell verfügen die Grünen zwar über 58 Sitze, die Partei wird das Spitzenergebnis von 2021 (32,6 Prozent) aber sicher nicht erneut erreichen. In Umfragen stehen die Grünen aktuell bei etwa 23 Prozent. Wie viele Sitze die Partei am Ende haben wird, lässt sich aber wegen des neuen Wahlrechts schwer vorhersagen.

Andreas Auer (AfD): Im Umfragehoch befindet sich dagegen die „Alternative für Deutschland“. Im Wahlkreis Leonberg-Herrenberg geht Kreisschatzmeister Andreas Auer (63) aus Ehningen als Direktkandidat an den Start. Der verwitwete Bankkaufmann sieht seine Schwerpunkte auf dem Finanzsektor. „Mir ist der verantwortungsvolle Umgang mit Steuergeldern wichtig“, sagt er.

Andreas Auer (AfD) Foto: AfD-Kreisverband

Auer steht in der AfD-Landesliste auf Platz 15 – nach derzeitigem Stand der Dinge eine sichere Fahrkarte für den Einzug ins Parlament.

Farina Semler (SPD): Wie werden die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl abschneiden? Aktuelle Umfragen sehen die SPD im einstelligen Prozentbereich – die Lage für die Traditionspartei ist heikel. Nichtsdestotrotz tritt im Wahlkreis Leonberg mit Farina Semler eine engagierte Sozialdemokratin an.

Farina Semler (SPD) Foto: privat

Die 49-Jährige ist nach 20 Jahren Schuldienst nicht mehr als Gymnasiallehrerin tätig, sondern vertritt inzwischen als Personalrätin im Kultusministerium die angestellten Lehrerinnen und Lehrer. Zudem ist die Mönchbergerin gewerkschaftlich stark engagiert: Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fungiert sie als eine von drei stellvertretenden Landesvorsitzenden, bei den DGB-Frauen als Landesvorsitzende.

In der SPD-Landesliste steht sie nur auf Platz 44 – ein aussichtsloser Rang, um ins Parlament einzuziehen. Dort haben die Sozialdemokraten aktuell 18 Sitze.

Hans Dieter Scheerer (FDP): Bereits seit 2021 gehört Hans Dieter Scheerer dem Landtag an. Damals hatte der Rechtsanwalt aus Weil der Stadt 11,7 Prozent der Wählerstimmen erreicht und gehörte damit zu den ergebnisstärksten FDP-Kandidaten in Baden-Württemberg. Aktuell gehen aber auch die Freien Demokraten durch ein Jammertal. Nachdem sie im vergangenen Jahr der Wiedereinzug in den Bundestag verpasst haben, sehen Umfragen vor der Landtagswahl die FDP bei gerade einmal fünf Prozent – und das in ihrem Stammland. Und so könnte es auch für Scheerer, der seit kurzem Präsident des DRK-Kreisverbandes ist, eng werden.

Hans Dieter Scheerer (FDP) Foto: Simon Granville

Denn bei der Landesvertreterversammlung wurde der 68-Jährige auf Platz 15 der FDP-Landesliste gewählt – was zunächst gut aussieht, denn der FDP-Fraktion gehören derzeit 18 Abgeordnete an. Allerdings werden die Freien Demokraten – Stand jetzt – ihr Ergebnis von 2021 (10,5 Prozent) wohl kaum erreichen. Noch ist aber unklar, wie sich die erstmals vergebenen Ausgleichsmandate auswirken werden.

Thomas Walz (Linke): Gute Chancen, erstmals in den Landtag von Baden-Württemberg einzuziehen, hat dagegen die Linkspartei. Umfragen sehen sie bei rund sieben Prozent. Im Wahlkreis 6 tritt der Historiker Thomas Walz aus Aidlingen (35) an, der bereits bei der Bundestagswahl 2025 als Direktkandidat angetreten war.

Thomas Walz (Linke) Foto: Stefanie Schlecht

Sein Ersatzkandidat ist Moritz Riexinger aus Weil der Stadt, ein Neffe des ehemaligen Linke-Chefs Bernd Riexinger. Auf der Landesliste der Linken, die 26 Personen umfasst, ist Walz aber nicht zu finden.

Ingolf Welte (Freie-Wähler-Partei): Bis Mitte Februar ist Ingolf Welte noch Bürgermeister von Nufringen. Bei der jüngsten Wahl Ende November war der ehemalige Polizist nach acht Jahren Amtszeit nicht erneut angetreten.

Ingolf Welte (Freie Wähler) Foto: Archiv

Pikant: Für die kommunal agierenden Freien Wähler sitzt Welte im Böblinger Kreistag, bei der Landtagswahl tritt er aber für die Freie-Wähler-Partei an. Die beiden Gruppierungen, die den gleichen Namen tragen, sind sich nicht grün. Bei seinen Kreistagskollegen wird sich die Begeisterung in Grenzen halten.