Zweitstimme: Ein Blick auf die Zweitstimmen zeigt die Grünen mit 32,1 Prozent vor der CDU (30,6 Prozent) – sehr ähnlich zum Landesergebnis. Doch so sieht es nicht in allen Kommunen aus. Am schwärzesten im Kreis Böblingen hat Hildrizhausen gewählt. 36,42 Prozent der Stimmberechtigten gaben hier ihr Vertrauen den Christdemokraten. Am schlechtesten schnitten sie mit 27,35 Prozent in Renningen ab.
Grüne Hochburg wird Herrenberg. Hier kam der bisherige und wohl auch künftige Koalitionspartner der CDU auf 37,12 Prozent. In Mötzingen, das vermehrt AfD wählt, bekamen die Grünen nur 23,13 Prozent.
Die Beobachtungen aus Mötzingen aus den vergangenen Wahlen haben sich auch bei dieser Landtagswahl wieder bestätigt: Viele wählen dort Blau. 24,39 Prozent sahnte die Partei, die der Verfassungsschutz im Südwesten als rechtsextremistischen Verdachtsfall beobachtet, in der Gemeinde im Westen des Kreises ab. Besonders klein war der Anteil der AfD-Wählenden mit 13,81 Prozent in Nufringen.
Landesweit hat die SPD ihr wohl schlechtestes Ergebnis in der bundesdeutschen Geschichte eingefahren. Das zeigt sich auch in den Zweitstimmen aus dem Wahlkreis Böblingen. In Deckenpfronn holte sie nur 3,32 Prozent. Zweistellig wird es nicht einmal in den Großen Kreisstädten Böblingen und Sindelfingen. In beiden Städten wählten etwas mehr als sechs Prozent an den Wahlurnen Rot – in Sindelfingen 6,62 und in Böblingen 6,87 Prozent.
SPD verliert deutlich – am meisten in Renningen
Erstmals kommt die FDP nicht in den baden-württembergischen Landtag. Freundinnen und Freunde hat sie im Wahlkreis Böblingen offenbar dennoch einige: In Grafenau bekamen die Liberalen mit 6,99 Prozent auf ihr bestes Ergebnis. Wie die Grünen auch holte die FDP in Mötzingen ihr schlechtestes Ergebnis: 3,69 Prozent.
Veränderungen: Neben der Zweitstimme lohnt sich auch ein Blick auf die Gewinne und Verluste. Auffällig ist, dass die CDU nur in einer einzigen Kommune Stimmen verloren hat, nämlich in Steinenbronn (-3,77 Prozent). Die AfD hat überall Wählerinnen und Wähler gewonnen, am meisten (11,35 Prozent) in Mötzingen. Die Sozialdemokraten verloren in allen Kommunen deutlich an Stimmen, am meisten mit -12,63 Prozent in Renningen. Dort gewannen dagegen die Grünen ihre meisten Stimmen hinzu: 3,54 Prozent.
Erstmals Landtagswahl mit Erst- und Zweitstimme
Wahlbeteiligung: Auch die Wahlbeteiligung zeigt große Unterschiede. Am schlechtesten steht dabei Böblingen da. In der Stadt kamen nur 60,66 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne. Am besten war die Wahlbeteiligung mit 78,2 Prozent in Altdorf.
Erststimme: Erstmals ist bei einer Landtagswahl ein neues Wahlrecht zur Anwendung gekommen, das den Stimmberechtigten eine Erststimme für einen Kandidaten und eine Zweitstimme für eine Partei erlaubt. Zwischen Erst- und Zweitstimmen klafft dabei oft eine gewaltige Schere. Hier zeigt sich, dass die Wählerinnen und Wähler teilweise ihre Stimmen taktisch vergeben haben – wohl um wahlweise Cem Özdemir (Grüne) oder Manuel Hagel (CDU) als Ministerpräsident zu verhindern.
Landtagswahl ist auch Personenwahl
Zu sehen war das im Kreis Böblingen am deutlichsten bei der SPD. Deren historisch schlechtem Ergebnis in der Zweitstimme steht Florian Wahls vergleichsweise reiche Erstimmen-Ernte gegenüber. Am meisten Vertrauen genießt Wahl offenbar in seinem Heimat- und Wirkungsort Böblingen. 16,73 Prozent der Menschen wählten ihn dort. Aber im ganzen Wahlkreis 5 ist auffällig, dass er – außer in Steinenbronn und Weil im Schönbuch – überall zweistellige Ergebnisse eingefahren hat. Farina Semler dagegen holte in ihrem Wahlkreis maximal 7,57 Prozent, und zwar in Herrenberg.
Dass die Beliebtheit der Direktkandidaten variiert, zeigt bei den Grünen auch das Beispiel von Thekla Walker (Wahlkreis 5) und Peter Seimer (Wahlkreis 6). Acht beziehungsweise neun Prozentpunkte liegen zwischen ihren schlechtesten und besten Ergebnissen. Peter Seimer, der über ein Ausgleichsmandat erneut in den Landtag einzieht, schnitt mit 31,66 Prozent in Renningen gut ab. Walker kam mit 29,15 Prozent in Holzgerlingen am besten an. Walker wird wohl auch wieder im Landtag sitzen, aber über die Landesliste.
Bei der AfD hat Christine Schäfer (Wahlkreis 5) in Steinenbronn 21,36 Prozent der Stimmberechtigten überzeugt und ihr bestes Ergebnis erzielt. Andreas Auer (Wahlkreis 6) kam in Mötzingen auf 24,42 Prozent.
Nicht alle Parteien stellen Kandidaten
Die beiden CDU-Kandidaten Regina Dvořák-Vučetić (Wahlkreis 5) und Albrecht Stickel (Wahlkreis 6) haben durchweg gut abgeschnitten. Beide ziehen über ein Direktmandat in den Landtag ein. Dvořák-Vučetić holte in Hildrizhausen mit 35,51 Prozent ihr bestes Ergebnis, Stickel in Mötzingen mit 39,39 Prozent.
Beim Blick auf die Erststimmen muss bedacht werden, dass nicht alle Parteien in beiden Wahlkreisen Kandidaten aufgestellt hatten. Das BSW (Benjamin Salameh) und Volt (Patrick Kulinski) hatten nur im Wahlkreis Böblingen einen Kandidaten, die Freien Wähler (Ingolf Welte) dagegen nur im Wahlkreis Leonberg.